Die Heilanstalt Sonnenstein – Der Ort, an dem Hoffnung endete
Shownotes
In dieser Episode werden die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein sowie die nationalsozialistischen Krankenmorde im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ behandelt. Quellen (Auswahl): Stiftung Sächsische Gedenkstätten – Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein: Die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein 1811–1939 Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein – Die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Stiftung Sächsische Gedenkstätten – Dauerausstellung Pirna-Sonnenstein Dauerausstellung der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein 🎵 Musik: Epidemic Sound 📷 Historische Bilder: Wikimedia Commons sowie Stiftung Sächsische Gedenkstätten (soweit angegeben) 📱 Mehr Bilder, historische Dokumente und Hintergründe zur Folge: Instagram: @was_bleibt_podcast 🎙️ Mittwochs erscheint außerdem „Hinter der Geschichte“, in dem wir den historischen Hintergrund der Sonntagsfolge vertiefen. Vielen Dank, dass ihr Was bleibt hört und diese Geschichten mit mir bewahrt.
Transkript anzeigen
00:00:03: Es gibt Geschichten, bei denen man sich unweigerlich fragt wo sie eigentlich beginnen.
00:00:08: Beginnen Sie dort weil ein Mensch stirbt oder vielleicht viele Jahre früher als sein Leben noch völlig normal zu seinen Schienen?
00:00:15: Heute möchte ich euch von einer Frau erzählen!
00:00:33: die sich selbst für Ärzte hielten.
00:00:36: Menschen, die überzeugt waren das Richtige zu tun.
00:00:39: Am Ende führt der Weg an ein Ort, der eigentlich Hoffnung schenken sollte Doch für Tausende wurde er zum letzten Ort ihres Lebens.
00:00:48: Wir sprechen heute über die Heilanstalt Sonnenstein.
00:00:53: Hi!
00:00:53: Ich bin Susanne und das was bleibt.
00:00:56: In diesem Podcast erzähle ich wahre Geschichten aus der Vergangenheit, Geschichten über Orte, Ereignisse und Verbrechen die Spuren hinterlassen haben.
00:01:04: Wir reisen dafür in andere Zeiten, besuchen historische Orte und schauen uns an was dort einmal geschehen ist – und was davon bis heute geblieben ist!
00:01:14: Neue Folgen erscheinen jede Woche auf allen gängigen Plattformen wo es Podcasts gibt.
00:01:19: Zusätzlich gibt es Mittwochs eine kleinere Folge, die auf bestimmte Themengebiete der Hauptfolge eingeht.
00:01:28: Bevor wir beginnen, eins vorweg.
00:01:30: Diese Folge erzählt eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.
00:01:35: Es geht um die nationalsozialistischen Krankenmorde und Zwangsterealisationen Und um die Ermordung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen.
00:01:45: Wie immer steht bei was bleibt?
00:01:46: nicht das grauen Mittelpunkt Sondern die Menschen denen ihre Geschichte genommen wurde.
00:01:52: Trotzdem können einige Schilderungen belasten sein.
00:01:56: Passt deshalb gut auf euch auf und entscheidet selbst, ob jetzt der richtige Moment ist diese Geschichte zu hören.
00:02:04: Und jetzt starten wir in den Fall!
00:02:07: Hoch über die Elbe erhebt sich der markante Sandsteinfelsen, auf dem das Schloss seit Jahrhunderten über Pirna wacht.
00:02:14: von hier aus reicht der Blick weit über das Flusstal Auf die Dächer der Stadt, die Weinberge und die sanften Hügel des sächsischen Schweigs.
00:02:23: Schon im Mittelalter diente die Burg als strategischer Verteidigungspunkt.
00:02:27: Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sie sich mehrfach, von einer Festung zu einer kurfürstlichen Residenz später zu einer Garnision und schließlich zu einem Ort dessen Aufgabe nicht mehr der Krieg sondern die Heilung sein sollte.
00:02:44: Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts befand sich Europa im Umbruch.
00:02:48: Die Ideen der Aufklärung hatten das Denken vieler Ärzten gelehrter verändert.
00:02:53: auch der Umgang mit psychisch kranken Menschen begann sich langsam zu wandeln.
00:02:58: Jahrhunderte lang waren sie häufig weggesperrt, angekettelt oder gemeinsam mit Straftätern untergebracht worden.
00:03:06: Krankheit wurde oft mit Schuld-, Besessenheit- oder moralischen Versagen verwechselt.
00:03:12: Es allmählich setzte sich die Erkenntnis durch das seelische Erkrankung medizinisch Ursachen haben konnten und Behandlung statt Bestrafungen verdienten.
00:03:23: Vor diesem Hintergrund entstand auf dem Sonnenstein eine der modernsten Heil- und Pflegeanstalten ihrer Zeit.
00:03:31: Im Jahr eighteenhundertelf wurde die König sächsische Heil- und Versorgungsanstalt Sonnenstein eröffnet.
00:03:39: Maßgeblich geprägt wurden sie von dem Arzt Ernst Gottlob Pienitz, der ein für seine Zeit außergewöhnlich fortgeschrittenes Behandlungskonzept verfolgte.
00:03:48: Sein Ziel war es Menschen nicht einfach zu verwahren sondern ihnen die Möglichkeit zu geben wieder am Leben teilzunehmen.
00:03:56: Das Konzept beruhte auf den Gedanken der sogenannten moralischen Behandlungen einer damals neuen psychiatrischen Richtung, die auf Ruhe, Struktur und Menschlichkeit setzte.
00:04:07: Die Patienten sollten nicht länger ausschließlich als kranke betrachtet werden sondern als Menschen mit individuellen Bedürfnissen.
00:04:15: Der Alltag auf dem Sonnenstein unterschied sich deutlich von vielen anderen Einrichtungen jenerzeit.
00:04:21: Körperliche Zwangsmaßnahmen sollten möglichst vermieden werden.
00:04:25: stattdessen legte man Wert auf regelmäßige Tagesabläufe Bewegungen an der frischen Luft, handwerkliche Tätigkeiten, Datenarbeit und Gespräche.
00:04:35: Musik spielte ebenso eine Rolle wie Bildung und Beschäftigung.
00:04:41: Wer körperlich dazu in der Lage war konnte den Gärten arbeiten oder kleinere Aufgaben innerhalb der Anstalt übernehmen.
00:04:48: Die Bezeugung dahinter war einfach.
00:04:50: Beschäftigungen konnte Stabilität geben würde bewahren und Heilungsprozesse unterstützen.
00:04:56: Natürlich entsprach auch Sonnestein nicht den Maßstäben moderner Psychiatrie.
00:05:00: Viele Behandlungsmethoden wirken aus heutiger Sicht überholt und sogar problematisch.
00:05:06: Dennoch galt die Einrichtung im frühen XIX Jahrhundert als bemerkenswert fortschrittlich.
00:05:10: Ärzte aus anderen Regionen Europas reißen nach Pirna, um sich über die dort praktizierenden Konzepte zu informieren.
00:05:17: Die Anstalt entwickelte sich so einem Vorbild für zahlreiche psychiatrische Einrichtungen im deutschsprachigen Raum.
00:05:25: Mit den Jahrzehnten wuchs die Klinik stetig.
00:05:27: Neue Gebäude entstanden, Gärten wurden erweitert, Werkstätten eingerichtet.
00:05:33: Die Zahl der Patienten und Patientinnen nahm zu – ebenso das medizinische Personal.
00:05:39: Menschen aus Sachsen wurden hier behandelt Männer und Frauen unterschiedlichster Herkunfts Wohlhabende Bürger ebenso wie arme Landarbeiter.
00:05:49: Wer das Gelände damals betrat begegnete einer überraschend ruhigen Atmosphäre.
00:05:54: Zwischen den Gebäuden verliefen gepflegte Wege.
00:05:57: In den Gärten blühten Obstbomben und Blumen, von den Terrassen aus öffnete sich der Blick über das Elbtal.
00:06:05: An vielen Tagen war es Leuten der Kirchenglocken aus Pirna zu hören vermischt mit Vogelstimmen und dem entfernten Rauschen des Flusses.
00:06:13: Es war ein Ort an dem Heilung möglich erscheinen sollte.
00:06:17: Doch auch Sonnenstein blieb nicht von dem Problem seiner Zeit verschon.
00:06:21: Mit der Industrialisierung veränderte sich die Gesellschaft tiefgreifend, Städte wuchsen rasant, Armut nahm zu und psychiatrische Erkrankungen waren häufiger diagnostiziert oder zumindest häufiger erfasst.
00:06:35: Die Zahl der Menschen, die in Heil- und Pflegeanstalten aufgenommen wurden stiegstätig an Wie viele vergleichbare Einrichtungen litt auch Sonnestein zudem unter Platzmangel.
00:06:45: Die ursprünglich großzügigen Räume wurden voller Personal- und finanziellen Mittel, konnten mit der Entwicklung oft nicht Schritt halten.
00:06:54: Nach dem Ersten Weltkrieg verschärfte sich die Situation weiter.
00:06:58: Deutschland befand sich in einer schweren wirtschaftlichen Krise.
00:07:01: Inflation Arbeitslosigkeit und politische Instabilität prägten den Alltag.
00:07:08: Auch das Gesundheitswesen musste sparen.
00:07:10: Immer häufiger wurden Patienten nicht mehr nach therapeutischen Möglichkeiten beurteilt, sondern nach den Kosten ihrer Versorgung.
00:07:18: Gleichzeitig gewann eine Ideologie an Einfluss die sich wissenschaftlich gab tatsächlich jedoch aber auf gefährliche Irrtümer beruhte Die sogenannte Eugenik und Rassenhygiene.
00:07:30: Ihre Vertreter behaupteten Krankheiten Behinderungen und psychische Leiden müssten aus der Bevölkerung entfernt werden um die Gesellschaft zu verbessern.
00:07:39: was zunächst in wissenschaftlichen Debatten formuliert wurde, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einer politischen Forderung.
00:07:46: Viele Ärzte widersprachen diesen Ideen andere unterstützen sie.
00:07:51: damit begann sich das Verständnis von Medizin grundlegend zu verändern.
00:07:56: immer weniger rückte der einzelnen Mensch in den Mittelpunkt.
00:07:59: stattdessen gewann der Gedanke an den vermeintlichen Nutzen für den Staat an Bedeutung.
00:08:05: Als die Nationalsozialisten in den letzten Jahren die Macht übernahm, fanden sie bereits ein Umfeld vor, indem solche Vorstellungen auf fruchtbaren Boden gefallen waren.
00:08:16: Neue Gesetze zur Zwangstärke der Nation und eine immer radikalere Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen folgten.
00:08:25: Auch die traditionsreicher Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein geriet in den Fokus dieser Politik.
00:08:31: Ein Ort, der über mehr als ein Jahrhundert hinweg für medizinischen Fortschritt Menschlichkeit und Hoffnung gestanden hatte, sollte innerhalb weniger Jahre vollständig verändert werden.
00:08:43: Niemand, der damals durch die hellen Flury ging oder auf die Albien abblickte, konnte ahnen dass dieselben Gebäude schon bald eine völlig andere Aufgabe halten würden – einer Aufgabe, die den Namen Sonnestein für immer mit einem der schwersten Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft verwenden sollte!
00:09:02: Als der Reichspräsident Paul von Hindenburg am dreißigsten Jahr nur neunzehntreindreißig Adolf Hitler zum Reichskrantz lernante, ahnte nur wenige Menschen wie Grundlegen sich ihr Leben verändern würde.
00:09:13: Für viele Deutsche war es zunächst ein weiterer Regierungswechsel in einer Republik die in den Jahren zuvor vom politischen Krisen wirtschaftlichen Not und häufig wechselnden Kabinetten geprägt gewesen waren.
00:09:25: Die Hoffnung auf Stabilität überwog bei manchen die Sorge um die Zukunft andere beobachten die Entwicklung mit wachsender Unruhe.
00:09:34: Wieder andere wurden schon in ersten Wochen zu Opfern des neuen Regimes.
00:09:39: Die Nationalsozialisten begannen unmittelbar nach der Machtübernahme damit, den Staat nach ihren Vorstellungen umzubauen.
00:09:46: Demokratische Institutionen wurden ausgeschaltet, politische Gegner verfolgt, Gewerkschaften zerschlagen und die Presse gleich geschaltet.
00:09:56: Nach dem Reichtagsprand im Februar deutete die Regierung grundlegende Freiheitsrecher außer Kraft.
00:10:04: Mit dem sogenannten Ermächtigungsgesetz von März des Elben Jahres konnte die Reichsregierung fortan gesetzt sein lassen, ohne die Zustimmung des Parlaments einzuholen.
00:10:15: Innerhalb weniger Monate verwandelte sich die Weimarer Republik in eine Diktatur.
00:10:21: Diese Entwicklung erfasste nahezu jeden Bereich des öffentlichen Lebens.
00:10:25: Auch die Medizin blieb davon nicht verschont.
00:10:28: Ärzte waren traditionell dem Wohl ihrer Patienten verpflichtet, doch nun verlangte der Staat eine neue Loyalität.
00:10:36: Nicht mehr allein das einzelnen Leben sollte im Mittelpunkt stehen sondern den vermeintlichen Nutzen für die sogenannte Volksgemeinschaft.
00:10:44: Gesundheit wurde zu einem politischen Begriff.
00:10:47: Medizin sollte fortan den Zielen der nationalsozialistischen Ideologie dienen.
00:10:53: Dabei krifft das Regime auf Vorstellung zurück, die bereits seit Jahren in Teilen der Wissenschaft diskutiert worden waren.
00:11:00: Die Idee der Rassenhygiene – die Menschen nach angeblich erblichen Merkmalen bewertet?
00:11:06: – wurde nun zur offiziellen Staat-Doktrin erhoben.
00:11:10: Aus einer Abzäudewissenschaftlichen Theorie wurde staatliches Handeln.
00:11:15: Bereits im Juli-Mann-Nachwuchs war das Gesetz zur Verhütung Erbkranken Nachwuchses in Kraft.
00:11:21: Es verpflichtete Ärzte und Gesundheitsbehörden dazu, Menschen mit bestimmten Diagnosen den neu eingerichteten Erbgesundheitsgerichten zu melden.
00:11:31: Betroffen waren unter anderem Patienten mit Schizophrenie-, Epilepsie-, schweren geistigen Behinderungen oder erblich bedingten körperlichen Erkrankungen – zumindest nach der Definition des damaligen Gesetzes.
00:11:44: Auch Menschen, die als Schwachsinnig eingestuft wurden, konnten darunter fallen!
00:11:48: Viele dieser Diagnosen waren unschaff oder beruhten auf dem wissenschaftlichen Vorstellung ihrer Zeit.
00:11:54: Die Folgen waren einschneidend, Richter und Ärzte entschieden über das Schicksal tausender Menschen häufig ohne deren Zustimmung.
00:12:05: Wer als Erbkrank galt konnte zwangsterilisiert werden gegen seinen eigenen Willen, gegen den Protest der Familie oft unter erheblichem psychischen und körperlichen Leid.
00:12:18: Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden im deutschen Reich schätzungsweise rund vierhunderttausend Menschen auf diese Weise zwangsterellisiert.
00:12:27: Hinter dieser Zahl stehen unzählige persönliche Schicksale, junge Frauen denen der Wunsch nach einer Familie genommen wurde, Menschen deren Selbstbestimmung missachtet wurde Kinder und Jugendliche die bereits früh als minderwertig abgestempelt wurden.
00:12:44: für viele Mediziner bedeutete diese Entwicklung einen tiefen moralischen Konflikt.
00:12:49: Einige verweigerten sich den neuen Vorgaben, soweit es unter den Bedingungen der Diktatur möglich war.
00:12:55: Andere passten sich an – aus Überzeugung, aus Karrierekründen oder aus Angst vor berufliche Konsequenzen.
00:13:02: Wieder andere beteiligten sich aktiv an der Umsetzung der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik und trügen dazu bei, dass die Grenzen ärztlicher Verantwortung Schritt für Schritt verschoben wurde.
00:13:14: Auch die Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein blieb von diesen Veränderungen nicht unberührt.
00:13:19: Die Einrichtung bestand zunächst weiter.
00:13:22: Patienten wurden aufgenommen behandelt und versorgt.
00:13:25: nach außen schien der Alltag in vielen Bereichen unverändert.
00:13:29: Die Mauern des Gebäudes standen seit Jahrhunderten über der Elbe.
00:13:33: Pfleger gingen ihren Dienst, Ärzte führten Visiten durch Angehörige besuchten ihre Familiemitglieder.
00:13:41: Doch hinter den Kulissen änderten sich die Abläufe.
00:13:45: Verwaltung musste neue Meldbögen ausfüllen Diagnosen erhielten plötzlich eine politische Bedeutung.
00:13:52: Gesundheitsakten wurden nicht mehr ausschließlich geführt um Krankheiten zu dokumentieren oder Therapien zu planen.
00:13:59: Immer häufiger dient sie der Erfassung von Menschen nach den Kriterien der nationalsozialistischen Ideologie.
00:14:07: Die Sprache veränderte sich erneut, aus Patienten wurden Erbfälle belastete oder minderwertige Begriffe die nüchtern klangen aber dem Blick auf den Menschen grundlegend verändert werden.
00:14:21: Akten nur noch als Last für die Gemeinschaft erscheint, dessen individuelles Leben verliert in den Augen des Regimes sein Wert.
00:14:30: Mit jedem neuen Formular jeder statischen Erhebung und jeder Verwaltungsanweisung entstand ein immer dichteres Netz aus Kontrolle und Erfassung.
00:14:39: Noch war von systematischen Tötungen keine Rede – doch die Voraussetzung dafür wurden bereits geschaffen!
00:14:46: Der Staat wusste zunehmend wer sich in den Heil- und Pflegeanstalten befand.
00:14:51: Er kannte Diagnosenalter, Arbeitsfähigkeit und Pflegeaufwand.
00:14:56: Was als medizinische Verwaltung begann, ließ sich jederzeit für andere Zwecke nutzen.
00:15:02: Im Sommer deklar war Europa am Rand eines Krieges.
00:15:08: Während sich die Aufmerksamkeit der Welt auf diplomatische Krisen, Grenzkonflikte und militärische Aufrüstung richtete, liefen im Inneren des Deutschen Reiches bereits Planungen an von denen kaum jemand etwas wusste.
00:15:21: Sie betrafen nicht feindliche Armeen oder militärische Ziele.
00:15:26: Sie richten sich gegen die eigenen Bürger.
00:15:29: Auch der Sonnenstein, eines einer der angesehenen Heil- und Pflegeanstalten Europas war längst in den Blick jener Geraden, die den Wert eines Menschen nicht mehr an seiner Würde sondern an seinen vermeintlichen Nützlichkeiten
00:15:42: maßen.".
00:15:43: Was als politische Machtübernahme begonnen hatte, sollte sich schon bald zu einem beispiellosen Angriff auf das Leben der Schwächsten entwickeln.
00:15:53: Es begann nicht mit einem öffentlichen Befehl, nicht mit Schlagzeilen, nicht einer Bekanntmachung, die jeder hätte lesen können – es begann im Verborgenen!
00:16:02: Während Europa am Frühjahr in den Vorbereiten des Kriegs geprägt war entstand hinter verschlossenen Türen ein streng geheimes Programm.
00:16:10: Unter der Tarn-Adresse in der Berliner Tiergartenstrasse IV organisierten Beamte, Ärzte und Verwaltungsmitarbeiter die systematische Einordnung von Menschen mit geistigen Behinderungen, psychischen Erkrankungen und anderen Beeinträchtigungen.
00:16:25: Nach dieser Adresse erhielt das Programm später seinen Namen Aktion TIV.
00:16:31: Nur ein kleiner Kreis eingeweihter wusste was tatsächlich geplant war.
00:16:36: Nach außen wirkte vieles wie gewöhnliche Verwaltung Formulare wurden verschickt, Krankenakten angefordert, ärztliche Gutachten erstellt.
00:16:46: Oft ohne die betroffenen Menschen jemals persönlich gesehen zu haben.
00:16:51: Wenige Kreuze auf einem Meldbogen entschieden darüber ob ein Patient auf einer Transportliste gesetzt wurde.
00:16:59: Auch die Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein wurde in diese Planung einbezogen.
00:17:04: Das Schloss über Pirna eint.
00:17:06: sein Ort medizinischer Reform und menschlicher Fürsorge wurde innerhalb weniger Monate grundlegend umgebaut.
00:17:13: Teile des Gebäudes wurden für die Öffentlichkeit abgesperrt, Handwerker errichteten neue Wände verschlossen Durchgänge und schufen abgeschirmte Bereiche Fenster wurden teilweise verhängt Arbeitsabläufe neu organisiert und personal ausgewählt das der Verschwiegenheit verpflichtet wurde.
00:17:33: Nach außen sprach man von einer Umstrukturierung.
00:17:36: Nur wenige ahnten, welchen Zweck diese Veränderung tatsächlich dienten.
00:17:41: Im Juni n.a.
00:17:42: trafen schließlich die ersten Transporte ein.
00:17:46: Auf den Straßen nach Pirna fielen graue Omnibusse auf, deren Fenster mit Vorhängen oder einem Anstrich verdeckt wurde.
00:17:54: Sie gehörten der eigens gegründeten gemeinnützigen Krankentransport GmbH – kurz G-Krad.
00:18:00: Offiziell dienen sie zu dem Transport von Patienten zwischen verschiedenen Einrichtungen.
00:18:06: Tatsächlich brachten sie Menschen aus Heil- und Pflegeanstalten nach Sonnenstein, meist ohne Rückkehr.
00:18:13: Für viele Bewohner der umliegenden Orte wurden diese Busse bald zu einem vertrauten wenn auch rätselhaften Anblick – sie kamen regelmäßig!
00:18:22: Sie fuhren langsam den Sonnestein hinauf und verließen das Gelände kurze Zeit später wieder leer.
00:18:29: Die Menschen an Bord stammten aus ganz Sachsen aber auch aus anderen Teilen des Deutschen Reiches.
00:18:35: Manche waren seit Jahren im Psychiatrischer Behandlung, andere lebten wegen einer geistigen Behinderung in eine Pflegeeinrichtung.
00:18:44: Unter ihnen befanden sich ältere Menschen ebenso wie junger Wachsener.
00:18:49: Einige konnten laufen und andere mussten getragen werden.
00:18:53: Viele verstanden nicht warum sie ihre Vertraut umgebungen verlassen mussten.
00:18:57: Den Angehörigen hatte man häufig mitgeteilt, ihre Familienmitglieder würden in eine besser ausgestattete Einrichtung verlegt oder aufgrund kriegsbedingter Umstrukturierung an einen anderen Ort gebracht.
00:19:10: Die Schreiben waren sachlich formuliert und vermittelten den Eindruck einer gewöhnlichen Verwaltungsmaßnahme.
00:19:17: Für die Betroffenen selbst blieb man es kaum Zeit, Fragen zu stellen.
00:19:22: Sie nahmen nur das Nötigste mit ein kleinen Koffer etwas Kleidung vielleicht ein Familienfoto oder persönliche Erinnerungsstücke.
00:19:30: Manche verabschiedeten sich von Mitpatienten in der Erwartung, sich bald wiederzusehen.
00:19:36: Andere Glauben tatsächlich in ein Krankenhaus mit besseren Behandlungsmöglichkeiten gebracht zu werden.
00:19:42: Als die Boße das Tor des Sonnensteins passierten, endete für viele jede Verbindung zur Außenwelt.
00:19:50: Die Ankommen wurden registriert ihre Personalien überprüft und ihre Mitgebrachten Gegenstande erfasst.
00:19:57: Kleidung und persönliche Besitztümer wurden getrennt von ihren Eigentümern aufbewahrt oder später weiterverwendet.
00:20:05: Der gesamte Ablauf folgte einem genau festgelegten Schema.
00:20:09: Jeder Schritt war geplant, jede Bewegung Teil einer bürokratisch organisierten Tötungsmaschinerie.
00:20:15: Nach außen sollte der Eindruck eines geregelten Klinikbetriebes erhalten bleiben.
00:20:20: Priefer und Angehörige wurden vorbereitet, Sterberkund mit falschen Todesursachen ausgestellt und Todeszeitpunkte bewusst verändert um den tatsächlichen Ablauf zu verschleiern.
00:20:32: Familien erhielten oft erst Tage oder Wochen später die Nachricht, ihre Angehöriger sei unerwartet an einer Krankheit gestorben.
00:20:40: Viele hatten keine Möglichkeit diese Angaben zu überprüfen.
00:20:44: Auch in Pyrna blieben die Vorgänge nicht völlig unbemerkt.
00:20:48: Anwohner beobachteten die Krauenbusse, bemerkten den ungewöhnlich starken Schornsteinrauch und nahmen mitunter einen beißenden Geruch wahr der vom Schloss herüber zog.
00:20:59: Gerüchte machten die Runde.
00:21:01: Manche stellten Fragen, andere schwiegen aus Angst oder weil sie der Erklärung der Behörden Glauben schenken.
00:21:08: In einer Diktatur in der Kritik gefährlich werden konnte entschieden sich viele dafür das Offensichtliche nicht laut Auszusprechen.
00:21:16: So wurde aus einem Ort der Hoffnung ein Ort des Schweigens.
00:21:20: wo einst Ärzte versucht hatten Leiden zu lindern begann nun einen systematisch geplanter Massenmord Verborgen hinter Verwaltungsakten, offiziellen Schreiben und den verschlossenen Fenstern grauer Busse.
00:21:34: Die Fahrzeuge selbst waren unscheinbar – gerade das machte sie so wirkungsvoll!
00:21:40: Sie sahen aus wie gewöhnliche Omnibusse doch für tausende Menschen markierten ihre Ankunfts den letzten Abschnitt ihres Lebens.
00:21:48: Mit jedem weiteren Transport wuchs die Zeit der Opfer und mit jeder Fahrt entfernte sich der Sonnenstein weiter von seiner ursprünglichen Aufgabe als Heilanstalt, bis von ihrem einzigen Ruf kaum mehr etwas übrig geblieben war.
00:22:02: Als ich angefangen habe mich mit der Heilanstaltung Sonnenschein zu beschäftigen, war da eine Frage die mich nicht losgelassen hat – wer waren eigentlich die Menschen deren Leben dort endete?
00:22:13: Einer dieser Menschen war friedelose Wächtler.
00:22:17: Manche Künstler hinterlassen Gemälde!
00:22:20: Andere hinterlassen einen Blick auf die Welt.
00:22:23: Elfriedelose Wächtler gelang beides!
00:22:26: Sie gehörte zu jenen Künstlerin, deren Werk lange Zeit beinahe vergessen war und erst Jahrzehnte nach ihrem Tod die Anerkennung erhielt, die ihr zu Lebzeiten weitgehend verwehrt
00:22:38: blieb.".
00:22:38: Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des deutschen Expressionismus unter neuen Sachlichkeit einer Malerin, deren Bilder bis heute durch die Ehrlichkeit ihrer Nähe zu den dargestellten Menschen und ihre emotionale Tiefe berühren.
00:22:54: Geboren wurde Elfriede Lose-Wächler am vierten Dezember eighteenhundertneunundneinzig in Dresden.
00:23:00: Sie wuchs in einem bürgerlichen Elternhaus auf – in einer Stadt, die damals zu den kulturellen Zentren Deutschlands zählte.
00:23:08: Museen, Theater, Kunstakademie prägten das Leben der Elbmetropole.
00:23:14: Schon als junges Mädchen zeigte Alfreda ein außergewöhnliches Zeichnerisches Talent.
00:23:19: Während andere Kinder spielten verbrachte sie oft Stunden mit Skizzenbüchern und Bleistiften.
00:23:26: Früh stand für sich fest, dass sie Künstlerin werden wollte – ein ungewöhnlicher und nicht immer leicht akzeptierter Lebensentwurf für eine Frau zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:23:36: Mit sechzehn Jahren begann sie ihr Studium an einer Kunstgewerbsschule in Dresden.
00:23:41: Dort lernte sie verschiedene Techniken der Malerei und Grafikkern, und begegnete Künstlern die nach neuen Ausdrucksformen suchten.
00:23:50: Die traditionelle akademische Malerei verlor Anbedeutung.
00:23:54: Statt möglichst naturgetreueten Abbildungen wollten viele junge kunstschaffende Gefühle, Charaktere und gesellschaftliche Wirklichkeit sichtbar machen.
00:24:03: Elfriede fühlte sich von diesen Ideen angezogen.
00:24:08: Sie interessierte sich weniger für repräsentative Porträtes oder idyllische Landschaften als für Menschen am Rand der Gesellschaft, Arbeiter einfache Frauen Kinder Seeleute oder Menschen deren Gesichter Spuren eines schweren Lebenstrogen.
00:24:24: sie alle fanden ihren Weg auf ihre Leinbänder.
00:24:28: In den neunzehnundzwanziger Jahren zog sie nach Hamburg.
00:24:31: Die Hafenstand war laut, geschäftig und voller Gegensetzer.
00:24:36: Zwischenwerften Kneiten- und eng wohnvierteln fand sie zahlreiche Motive.
00:24:41: Besonders die Menschen auf den Straßen faszinierten sie.
00:24:45: Sie beobachtete genau zeichnete schnell und hielt Augenblicke fest, wie andere oft übersahen.
00:24:52: Ihre Bilder zeigten keine idealisierte Welt.
00:24:55: Sie zeigten Müdigkeit Hoffnung Einsamkeit und Würde.
00:25:00: Gerade diese Ehrlichkeit macht ihre Kunst bis heute so eindrucksvoll.
00:25:04: In den letzten Jahren hat sie in der Zeit die Erdbeutung geholfen worden, dass er sich nicht nur aufgrund des Fortschritts als auch für das Ausgleich von Menschen verwendet wurde, sondern auch durch die Verkaufssicherheit von Menschen, Menschen und Menschen.
00:25:11: Die Ehe erwies sich jedoch als schwierig.
00:25:13: finanzielle Sorgen unterschiedliche Lebensvorstellungen und persönlichen Konflikte belasten die Beziehung zunehmend.
00:25:21: Hinzu kamen Phasen psychischer Krisen unter deren Elfriedelit.
00:25:26: Die genauen Ursachen lassen sich aus heutiger Sicht nicht eindeutig bestimmen.
00:25:30: Historische Diagnosen sind nur eingeschränkt mit modernen medizinischen Erkenntnissen vergleichbar.
00:25:36: Sicher ist jedoch, dass sie wiederholt psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen musste.
00:25:42: Diese Zeit führt zu einem Werk das heute als außergewöhnlich gilt.
00:25:47: Während eines Aufenthalts in der psychatrischen Landesanstalt Hamburg-Friedrichsberg entstand eine Serie von Porträts ihrer Mitpatienten Statt sie auf ihre Krankheit zu reduzieren, zeigte Friede sie als Menschen mit Persönlichkeit, Würde und Individualität.
00:26:03: Ihre Gesichter erzählen von Angst und Hoffnung, von Erschöpfung und Lebenswillen.
00:26:09: Es sind keine Bilder des Mitleids es sind Begegnungen auf Augenhöhe.
00:26:15: Gerade deshalb gelten diese Arbeiten heute als Meilensteine der Kunstgeschichte.
00:26:20: Sie zeigen Menschen, die damals von der Gesellschaft oft übersehen oder ausgegrenzt wurden.
00:26:25: Und sie geben ihnen ihre Individualität zurück.
00:26:29: Ausstilistisch entwickelt sie sich ständig weiter.
00:26:32: Ihre kräftigen Farben, der lebendige Pinselstrich und die auszugstarken Gesichter verbinden Elemente des Expressionismus mit den klaren Beobachtungsgabern der neuen Sachlichkeit.
00:26:44: Ihre Werke wirken unmittelbar ohne laut zu sein!
00:26:47: Sie erzählen Geschichte, ohne viele Worte zu benötigen.
00:26:52: Doch während ihrer künstlerisches Talent wuchs verschlechtert sich ihre persönliche Situation.
00:26:58: Die Ehe zapprach.
00:26:59: Finanzielle Schwierigkeiten nahm zu.
00:27:03: Nach Aufenthalten in Hamburg kehrte sie schließlich nach Dresden zurück wo sich ihre psychische Erkrankung weiter verschlimmerte.
00:27:13: In die Landeshil und Pflegeanstalt Arnsdorf bei Triesen eingewiesen.
00:27:17: Nur wenige Monate später übernahm die Nationalsozialisten die Macht.
00:27:22: Mit ihrer Ideologie veränderte sich auch der Blick auf Menschen wie ein friedelose Wächtler grundlegend.
00:27:29: Eine Künstlerin, die das menschliche in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt hatte wurde nun selbst zum Ziel einer Politik, die Menschen nach ihrem vermeintlichen Nutzen bewertete Wurde sie gegen ihren Willen auf Grundlage des Nationalsozialistischen Gesetzes zur Verhütung Erbkanker Nachwuchses, fangsterellisier.
00:27:51: Dieser Eingriff bedeutete einen tiefem Einschnitt in ihr Leben und nahm ihr das Recht selbst über ihren eigenen Körper und ihre Zukunft zu entscheiden.
00:28:00: Dennoch blieb sie Künstlerin auch unter schwierigen Bedingungen zeichnet und malte sie weiter, wann immer es möglich war.
00:28:08: Ihre Kreativität ließ sich nicht vollständig unterdrücken.
00:28:12: Fünf Jahre später fiel ihr Name auf einer Liste – Nicht wegen ihrer Kunst, nicht wegen einer Straftat Sondern weil sie nach Maßstäben des nationalsozialistischen Regimes als Lebensunwert galt.
00:28:27: Im Juli, von der Anstalt Ernstdorf in die Tötungsanstalt Sonnenstein bei Pirna gebracht.
00:28:36: Dort wurde sie im Alter von nur vierzig Jahren im Rahmen der sogenannten Aktion T-IV ermordet.
00:28:43: Mit ihrem Tod verstummt eine außergewöhnliche künstlerische Stimme Doch ihre Bilder bleiben.
00:28:50: Heute hängen ihre Werke in Museen und Ausstellungen.
00:28:53: Kunsthistoriker würdigen sie als bedeutende Malerin der klassischen Moderne.
00:28:58: Ihre Porträts erinnern daran, dass jeder Mensch eine eigene Geschichte besitzt unabhängig von Krankheit herkunft oder gesellschaftlicher Stellung.
00:29:08: Vielleicht liegt genau darin das Vermächtnis Sie malte Menschen nicht so wie andere sie sehen wollten, sie malte sie so wie sie ihn begegnete.
00:29:20: Mit Respekt mit Mitgefühl und mit der tiefen Überzeugung dass jeder Mensch es verdient gesehen zu werden.
00:29:27: Doch wie war's für Alfreda als die Arnsdorf verließ?
00:29:31: Wahrscheinlich trug sie nur wenige persönliche Dinge bei sich etwas Kleidung vielleicht ein Notizbuch oder Zeichnung soweit man sie jetzt gelassen hatte.
00:29:40: sicher ist dass jeder Besitz bei der Ankunft registriert wurde.
00:29:45: Persönliche Gegenstände verloren in diesem System ihre Bedeutung.
00:29:49: Vor der Anstalt wartete einer der grauen Omnibusse.
00:29:53: Diese Busse waren im deutschen Reich unterwegs.
00:29:56: Ihre Fenster waren verdeckt, sodass weder die Fahrgäste hinaus noch Außenständige hineinsehen konnten.
00:30:02: Von außen wirken sie wie gewöhnliche Fahrzeuge des Gesundheitswesen.
00:30:06: Für die Menschen im Inneren waren sie etwas anderes.
00:30:10: Sie waren der letzte Abschnitt eines Weges, dessen Ziel ihn verborgen blieb.
00:30:14: Die Fahrt von Ernstdorf nach Sonnstein war kurz – nur wenige Kilometer trennten beide Einrichtungen.
00:30:20: Kaum eine halbe Stunde durfte vergangen sein.
00:30:23: Alfrede kannte die Landschaft vermutlich.
00:30:26: Vielleicht erkannte sie die Elbe?
00:30:28: Vielleicht sah sie die Türme von Pürner?
00:30:31: Vielleicht fiel ihr Blick auf den Sonnsteinfelsen, auf dem sich das Schloss Sonnestein
00:30:35: erhob?".
00:30:37: Als der Bus das Gelände erreichte, begann ein genau festgelegter Ablauf.
00:30:42: Die Neuankömmlinge wurden einzeln aufgenommen.
00:30:45: Namen wurden überprüft, Personalien mit den Transportlisten abgeglichen.
00:30:50: Kleidung und persönliche Gegenstände mussten abgegeben werden – alles gestarr mit routinierter Präzision!
00:30:57: Die Mitarbeitenden folgten festgelegt Anweisungen als handelsig um den gewöhnlichen Betrieb einer Klinik.
00:31:04: Für die Betroffenen sollte möglichst kein Verdacht entstehen.
00:31:08: Historische Zeugnisse zeigen, dass viele Opfer bis zuletzt glaubten sich in einem Krankenhaus zu befinden – Die Täuschung war Teil des Systems.
00:31:17: Freundliche Worte, medizinische Begriffe und geordnete Abläufe sollten Vertrauen schaffen und jede Unruhe vermeiden.
00:31:26: Auch Erfriede wurde Teil dieser perfiden organisierten Routine.
00:31:31: Nur wenige Stunden nach ihrer Ankunft, am einundreißigsten Juli nineteenhundertvierzig wurde sie im Rahmen der Aktion TIV in den Gaskammern der Tötungseinsteil Sonnstein ermordet.
00:31:42: Wenig später erhielt ihre Familie die Nachricht von ihrem Tod.
00:31:45: Wie bei tausenden anderen Opfern enthielt das Schreiben eine falsche Todesursache.
00:31:51: auch der Sterbeort und die näheren Umstände wurden verschleiert.
00:31:55: Das nationalsozialistische Regime wollte nicht nur töten, es wollte die Verbrechen unsichtbar machen.
00:32:02: Zurück blieb Schweigen und Fragen.
00:32:04: Es viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnten Historikern anhand von Acken, Transportlisten und Zeugen aussagen den letzten Weg elfriedelose Wächtlers rekonstruieren.
00:32:17: Heute erinnert ihr Name nicht nur an eine außergewöhnliche Künstlerin.
00:32:21: Er erinnert an eine Frau, deren Leben von einem Regime beendet wurde das Menschen nach ihrem vermeintlichen Nützlichkeit beurteilt.
00:32:29: Doch die Nationalsozialisten erreichen ja eigentliches Zielen nicht – sie wollten erfriedelose Wächtler auslöschen als Patienten, als Künstlerin und als Mensch.
00:32:40: Geblieben sind ihre Bilder, geblieben ist ihre Geschichte und gebliebene ist die Verantwortung Sie zu erzählen.
00:32:47: doch Zahlen erzählen keine Geschichte Aktenzeichen kennen keine Träume.
00:32:54: Transportlisten verraten nichts über Hoffnung, über Berufe, über Familien oder über das Leben eines Menschen was er geführt hat.
00:33:03: Die Nationalsozialisten machten aus Menschen Verwaltungsfälle.
00:33:07: Sie erfassen Namen, Diagnosen und Geburtsdaten vergaben Nummern und setzen Kreuzer auf Formulare.
00:33:13: Was verloren ging war der Blick auf den Menschen selbst.
00:33:18: Deshalb lohnt es sich, innezuhalten.
00:33:21: Denn hinter jeder Akte stand ein Leben, hinter jedem Transport ein persönliches Schicksal, hinter jeder Zahl einen Mensch mit Erinnerung Beziehung und einer Geschichte.
00:33:33: Elfriedelose Wächtler war eine von ihnen doch sie war nicht die Einzige.
00:33:39: Zur gleichen Zeit gerieten tausende Männer und Frauen in das Räderwerk der Aktion T-IV.
00:33:45: Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten, manche waren Künstler andere Handwerker Lehrer Mütter oder Kaufleute.
00:33:54: sie hatten gelacht gearbeitet geliebt und gehofft bis ein Regime entschied dass ihr Leben kein Wert mehr besitzen sollte.
00:34:02: einer dieser Menschen war Arnold Grünfeld.
00:34:05: Seine Geschichte beginnt weit entfernt von den Mauern des Sonnensteins.
00:34:10: Sie führt uns in eine Welt, die von Bildung Kultur und familiären Zusammenhalt geprägt war Und sie zeigt wie schnell ein erfülltes Leben durch Ausgrenzung Verfolgung unstaatliche Willkür zerstört werden konnte.
00:34:24: Bevor Arnold Grünfeld zu seinem Namen auf einer Transportliste wurde War er vor allem eines Ein Mensch mit einer eigenen Geschichte Und genau diese Geschichte wollen wir nun erzählen.
00:34:37: Von Arnold Grünfeldt sind keine Gemälde geblieben wie von der friedelose Wächter.
00:34:42: Was von ihm gebliebene ist, sind die Spuren eines Lebens das von Bildung, Glauben und Verantwortung geprägt war – ein Leben zwischen Meeren, Schleschen und Böhmen, zwischen Synagogen, Universitäten und den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges!
00:34:59: Und schließlich ein Name auf einer Transportliste des Konzentrationslagers Buchenwald.
00:35:05: Arnold Grünfeld wurde am elften März, in Kremse geboren.
00:35:11: Die Stadt war damals Teil der österreichisch-ungerischen Monarchie.
00:35:15: Engegassen führten durch das alte Zentrum.
00:35:18: Händler boten ihre Waren auf den Märkten an und über den Dächern erhoben sich Kirchen, Bürgerhäuser.
00:35:28: Arnold war das einzige Kind des Kaufmanns Salomon-Grünfeld und dessen Frau Ernestine.
00:35:36: Seine Kindheit endete früh, bereits im Alter von fünfzehn Jahren hat er beide Eltern verloren.
00:35:42: Arnold war vollweise.
00:35:44: Vermutlich liebt der bis zum Ende seiner Schulzeit bei Verwandten.
00:35:48: viel ist über diese Jahre nicht überliefert doch eine Erinnerung aus seiner Jugend sollte ihm offenbar ein Leben lang wichtig bleiben.
00:35:57: Im Jahr Three reichste der damals sechzehnjährige gemeinsam mit einigen Mitschülern nach Wien.
00:36:04: Die jungen Männer hatten Spenden gesammelt, die sie persönlich Theodor Herzl übergeben wollten – dem Begründer des politischen Zionismus.
00:36:13: Später erzählte Arnold seiner Tochter von dieser Begegnung.
00:36:17: Mit Stolz erinnerte er sich daran wie herzlich Herzl die Schüler empfangen und wie aufmerksam er ihn zugehört hatte!
00:36:25: Es war eine kurze Begegnung, doch für Arnold Grünfeld besaß sie offenbar eine besondere Bedeutung.
00:36:31: Sie verbannt seine jüdische Herkunft mit einer Vorstellung von Zukunft, Selbstbestimmung und kultureller Zugehörigkeit.
00:36:38: Von eighteenhundertsehnundneunzig bis neunzehundertfünf besuchte Arnold das Staatsgymnasium in seiner Geburtsstadt.
00:36:45: Nach dem Schulabschluss verließ er Kremsir und ging nach Breslau.
00:36:49: Er schrieb sich dort an der Universität als Student der Philosophie ein.
00:36:56: Arnold Grünfeld war weitgehend mittellos, ohne Unterstützung hätte er sein Studium vermutlich nicht finanzieren können.
00:37:03: Eine jüdische Gemeinde gewährte ihm einen Stipendium und ermöglichte ihn damit eine Ausbildung die seinen weiteren Lebensweg bestimmen sollte.
00:37:13: Nach dem Studium der Philosophie begann er neunzehnhundertsieben eine theologische Ausbildung am jüdisch-theologischen Seminar in Presslau.
00:37:23: Sechs Jahre lang beschäftigte er sich mit religiösen Texten, jüdischer Geschichte, Philosophien und den praktischen Aufgaben eines Rabbinas.
00:37:32: Er war ein hochgebildeter junger Mann, der Glauben nicht als Gegensatz zu geistiger Offenheit verstanden.
00:37:38: Bildung, Religion und gesellschaftliche Verantwortung gehörten für ihn zusammen.
00:37:57: Die Stadt selbst war bis zur Gründung der Czechoslovakie im Jahr n.a.
00:38:02: überwiegend deutschsprachig geprägt, Arneuth lebte und arbeitet damit in einer Region, in der nationale sprachliche und religiöse Zugehörigkeiten eng nebeneinander bestanden und immer wieder zu Spannungen führten.
00:38:16: Nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt begann der Erste Weltkrieg.
00:38:20: Während Europa in einem Krieg versankt, dessen Ausmaß kaum jemand voraus gesehen hatte, engagierte sich Arnold Grünfeld intensiv in der Flüchtlingsunverwundeten für Sorge.
00:38:32: Er unterstützte Menschen die ihre Heimat verloren hatten, kümmerte sich um Verwandte und übernahm zeitweise selbst eine Aufgabe an der Front.
00:38:41: Als Feldrabiner des kaiserlich-österreichischen Heeres war er in Galizien und in Bukovina eingesetzt, später auch an der italienischen Front.
00:38:51: Seine Aufgabe bestand nicht darin Waffen zu tragen – er sollte begleiten!
00:38:56: Er sprach mit Soldaten, hielt Gottesdienste, spendete Trost und Landmenschen bei die mit Verwundung Angst und Tod konfrontiert waren.
00:39:04: Wahrscheinlich schrieb er auch Angehörigen, begleitete Sterbende und half dabei Gefallenen nach den religiösen Vorschriften zu bestatten.
00:39:13: Als der Krieg endete, war die alte Monarchie zerfallen.
00:39:18: Aus ihren Gebieten entstand neue Staaten.
00:39:21: Arnaud-Grünfeld wurde Bürger der Tschecheslovakiae und blieb Rabbiner in Eger.
00:39:27: Am sechsunzwanzigsten Oktober neunzehnundzwanzich heiratete ein Fürth Selma Schatzmann.
00:39:33: Sie war zehn Jahre jünger als er und am neunzwanzigsten Juli, in dieser Stadt geboren worden.
00:39:41: Ein Jahr nach der Hochzeit kam die Tochter Edith zur Welt.
00:39:44: Damit begann für Arnold ein neuer Abschnitt.
00:39:47: Neben seinem Amt als Rabbiner war er nun Ehemann und Vater.
00:39:52: Die Familie bildete den Mittelpunkt seines privaten Lebens.
00:39:55: Bis zum Ende des Jahres, blieb Arnold in Eger.
00:40:00: Dann musste er die Stadt verlassen!
00:40:02: Der Grund war ein Skandal, der viel über seine Haltung verrät.
00:40:06: In seiner Synagoge hatte Arnold zahlreiche jüdische Paare getraut – die aus Polen oder aus den Gebieten der früheren russischen Zarenreiches stammten.
00:40:16: Viele von ihnen hatten in Deutschland gelebt, besaßen jedoch weder eine deutsche Staatsbürgerschaft noch eine gültige Aufenthaltsgenehmigung.
00:40:25: Arnold Grünfeld hatte ihn dennoch ermöglicht zu heiraten.
00:40:29: Damit stellt er menschlich und religiöse Verantwortung über bürokratische Vorgaben.
00:40:34: Doch die Entscheidung brachte ihn in Konflikt mit Behörden und Teilen seines Umfelds.
00:40:40: Der Druck wurde so groß, dass er Eger verlassen musste.
00:40:44: Zum Jahreswechsel in dem Jahr ist das Rabineramt in Iglau an.
00:40:54: Die jüdische Gemeinde der Stadt konnte auf seine Geschichte zurückblicken, die bis ins vierzehnte Jahrhundert reichte.
00:41:00: Arnold war bestrebt ihren guten Ruf zu erneuern und das religiöse wie kulturellen Leben zu stärken.
00:41:07: Er war liberal gesinnt, intellektuell neugierig und weit über theologische Fragen hinaus interessiert.
00:41:14: Diese Offenheit wurde nicht von allen gemeindemitgliedern begrüßt.
00:41:18: In einer Provinzstadt in der Traditionsfest verankert waren, stieß sein liberales Amtsverständnis gelegentlich auf Kritik.
00:41:25: Dennoch konnte die Familie Grünfeldt in Iglau einige glückliche Jahre verbringen – in seiner Freizeit unternahm Arnold mit Selma und Edith gern Ausflüge in die Umgebung.
00:41:37: Man kann sich die Familie auf den Wegen außerhalb der Stadt vorstellen zwischen Feldern, Wäldern.
00:41:42: In den letzten Jahren reiste Anold und Selmad nach Venedig.
00:41:51: Sie gingen durch die schmalen Gassen über Brücken und Plätze, vorbei an Kanälen- und Altenpalesten.
00:41:56: Vermutlich konnten sie damals nicht ahnen dass dies ihre letzte große gemeinsame Reise sein würde.
00:42:03: Anold Grünfeld war ein loyaler Bürger der Scheuchesslovakie.
00:42:07: Zugleich blieb er der zionistischen Bewegung verbunden deren bedeutendster Vertreter als Jugendlicher in Wien begegnet war.
00:42:16: Mit Sorge betrachtete er, wie sich die Lage der jüdischen Bevölkerung in Mitteleuropa verschärfte.
00:42:22: Nach dem Münchner Abkommen vom neunundzwanzigsten und dreißigsten September neunzehnunddreißig wurden die Grenzgebiete der Tschecheslovakie an das Deutsche Reich abgetreten.
00:42:32: Die Nationalsozialisten bezeichnen diesen Vorgang als Heimkehr ins Reich.
00:42:38: Für die dort lebenden Juden bedeutete es jedoch Verfolgung Enteignung und Fluch.
00:42:43: Iglau gehörte zunächst nicht zu den annektierten Gebieten, doch die Stadt lag inmitten einer deutschen Sprachinsel und die politischen Spannung waren deutlich zu spüren.
00:42:53: Die jüdischen Bürger erkannten das auch ihre Sicherheit bedroht war.
00:42:57: Am fünften März neununddreißig besetzte die deutsche Wehrmacht die noch verbliebenen tschechischen Gebiete.
00:43:04: nur zwei Wochen später kam es in Iglaus zu schweren anti-jüdischen Ausschreitungen.
00:43:11: In der Nacht vom neunundzwanzigsten auf den dreißigsten März beschädigten deutsche Einwohner und Angehörige, der Besatzungsmacht, einundzwantig Geschäfte- und Firmen jüdischer Besitzer.
00:43:23: Auch die Synagoge wurde im Brand gesteckt.
00:43:26: Für Arnold Grünfeld bedeutete die Zerstörung der Synagobe weit mehr als der Verlust eines Gebäudes.
00:43:32: Sie war seine religiöse Wirkungsstätte
00:43:35: gewesen."
00:43:36: Ein Ort des Gebets, des Lerns und der Gemeinschaft.
00:43:40: Dort hat er gepredigt, Familien begleitet, Kinder unterrichtet und Feiertage begangen.
00:43:46: Nun waren die Räume verwüstet und vom Feuer gekennzeichnet.
00:43:50: Wenig später verlor die Familie auch ihre Wohnung.
00:43:53: Im Zuge der systematischen Enteignung jüdischer Bürger wurden Arnoldt, Velmer und Edith Anfang Juni, neunzehnunddreißig aus ihrem Zuhause vertrieben.
00:44:03: Vorübergehend fanden sie bei einem Arztunterkunft.
00:44:07: Die Lage wurde von Woche zu Woche bedrückender.
00:44:10: Vorschriften schränkten das Leben jüdischer Menschen immer weiter ein, Demütigung und Rangsalierung gehörten zum Alltag.
00:44:18: Umso größer dürfte Arnold Grünfeldt's Erleichterung gewesen sein als es seiner Tochter Edith noch vor Beginn des Zweiten Weltkrieges gelang ins Ausland zu entkommen.
00:44:27: Zumindest Sie waren sicher halt!
00:44:30: Arnold und Selma blieben zurück Als der Krieg am ersten September neunundunddreißig begann, nahmen die deutschen Besatze zahlreiche bekannte Persönlichkeiten als Geiseln.
00:44:41: Unter ihnen befanden sich Beamtewissenschaftler, Politiker und Geistlicher.
00:44:46: Auch Arnold Grünfeld wurde verhaftet.
00:44:49: Die Gestapo nahm ihn in Iglor fest.
00:44:51: Am zehnten September neunsunddreißig wurde er in das Konzentrationslager Dachau gebracht.
00:44:58: Er sollte seine Frau nie wiedersehen.
00:45:01: Nur wenige Wochen später räumte die SS das Konzentrationslager Dachhofer rübergehend.
00:45:07: Arnold gehörte zu den etwa siebenhundert so genannten Protektoratis-Heftlingen, die am XXIII und XXIV September neununddreißig nach Buchenwald deportiert wurden.
00:45:18: Das Lager lag auf den Ettersberg bei Weimar.
00:45:22: Dort bestimmten Hunger, Zwangsarbeit, Krankheiten und die willkürliche Gewalt der SS den Alltag.
00:45:28: Häftlinge wurden ihrer Namen beraubt und auf den Nummern reduziert.
00:45:33: Sie lebten in übervölkten Barakten, erhielten unzureichend Nahrung und mussten unter Extrembedingungen arbeiten.
00:45:41: Arnold Grünfeld war zu diesem Zeitpunkt zweiundfünfzig Jahre alt.
00:45:46: Fast zwei Jahre überlebte ein Buchenwald.
00:45:48: Dann geriet ihr an ein weiteres Mordprogramm des nationalsozialistischen Staates.
00:45:54: Im Frühjahr of the year nineteen forty-one hatte die SS mit der sogenannten Aktion vierzehn F treizehn begonnen.
00:46:01: Sie richtete sich gegen Heftlinge in den Konzentrationslagern, die aufgrund von Krankheiten, Behinderung oder völliger Erschöpfung nicht mehr arbeitsfähig galten.
00:46:11: Die Bezeichnung stammt aus der bürokratischen Sprache der SS.
00:46:16: Vierzehn stand für den Bereich der Konzentrationslagerverwaltung, der Buchstabe F bezeichnete Todesfälle.
00:46:23: Die Zahl dreizehn wurde zum Kürzel für die Tötung in einer Gaskammer.
00:46:28: Hinter dieser nüchternden Zahlenfolge verbarg sich eine eigenständige Mordaktion.
00:46:33: Ärzte reißten in die Konzentrationslager und untersuchten ausgewählte Heftlinge – tatsächlich ging es nicht um medizinische Hilfe!
00:46:41: Die Kommission entschied, wer weiter ausgebeutet werden sollte und wer aus Sicht der SS keinen Nutzen mehr besaß.
00:46:48: Auch jüdische Heftlinge wurden ausgewählt – bei ihnen spielte die Arbeitsfähigkeit teilweise kaum eine Rolle.
00:46:55: Ihre Verfolgung folgte zusätzlich der antisemitistischen Ideologie des Regimes.
00:47:01: Mitte Juni, nineteen-viertig musste Arnold Grünfeldt vor einen solcher Ärztekommission treten.
00:47:07: Ob tatsächlich eine gründliche Untersuchung stattfand ist fraglich!
00:47:11: Die Entscheidungen beruhten häufig auf kurzen Eindrücken, Lagerakten und den Angaben der SS.
00:47:18: Arnold hatte keine Möglichkeit sich zu verteidigen.
00:47:21: Am threizehnten Juli, nineteenundvierzig stellte die SS in Buchenwald ein Transport zusammen.
00:47:28: Auf der Liste stand nun auch sein Name.
00:47:30: In den Morgenstunden des vierzehnten July wurde Arnold Grünfeldt und dreiundneinzig weitere Männer auf Lastgradwagen verladen.
00:47:38: Ihnen wurde gesagt, man bringe sie in eine Erholungslager.
00:47:42: Vielleicht klang dieses Wort für einen kurzen Moment wie die Aussicht auf Ruhe.
00:47:47: Doch die Umstände dürften jede Hoffnung rasch zerstört haben!
00:47:51: Die Männer wurden von einem SS-Kommando bewacht.
00:47:54: Die Fahrt dauerte etwa vier Stunden und führte rund zweihundertdreißig Kilometer nach Osten – vom Buchenwald über Sächsische Straßen bis nach Pirna.
00:48:03: Anders als bei der friedelose Wächtler kam Arnold Grünfeldt nicht als Patient einer Heil- und Pflegeanstalt nach Sonnenstein.
00:48:11: Er kam als Heftling eines Konzentrationslagers.
00:48:15: Nicht die Krauen Busse, der Krankentransportgesellschaft brachten ihn dorthin sondern Laskraftwagen der SS.
00:48:22: Am Ende der Fahrt erhob sich über Pirna das Schloss Sonnestein.
00:48:27: Dort wurden im Juni und Juli, nineteeninenvierzig Häftlinge aus mehreren Konzentrationsleibern ermordet.
00:48:34: Die SS nutzte dafür die bereits bestehende Infrastruktur der nationalsozialistischen Krankenmorde.
00:48:42: Neben Pirna Sonnenstein diente auch die Tötungsanstalt Bernburg oder Hartheim Der Aktion, vierzehn F-dreizehn.
00:48:50: Arnold Grünfeld gehörte zu fünfundachtzig jüdischen Häftlingen aus Buchenwald die am vierzehnten und fünften Juli, nineteenundvierzig auf dem Sonnestein ermordet wurden.
00:49:02: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wurde er noch am Tag seiner Ankunft spätestens jedoch am folgenden Tag in der Gaskammer getötet.
00:49:11: Arnold Grünfeld war fifty-fünfzig Jahre alt.
00:49:14: Unmittelbar nach der Ermordung wurden die Leichen der Häftlinge verbrannt.
00:49:19: Ihre Asche fühlte das Personal in Ohnen!
00:49:23: Anschließend brachte man die Gefäße gemeinsam mit den Hinterlassenschaften der Mordeten zurück nach Buchenwald.
00:49:29: Doch selbst nach dem Tod setzten sich die Täuschungen fort, das Standesamt Weimar II, dass für die Beurkundung der Todesfälle im Konzentrationslager zuständig war, stellte eine falsche Todesurkunde aus.
00:49:43: Als Todestag wurde der Juli, Juhu, nünzundvierzig angegeben.
00:49:48: Als Sterbeort erschien Weimar.
00:49:50: Die angebliche Todesursache lautete Ruhe.
00:49:54: Nichts davon entsprach der Wahrheit.
00:49:56: Arnold war nicht in Weimar an einer Krankheit gestorben.
00:50:00: Er war auf dem Sonnenstein ermordet worden.
00:50:02: Seine Frau Selmer lebte seit November neununddreißig in Prag.
00:50:06: Über die dortige jüdische Kulturgemeinde erfuhr sie vom angeblichen Tod ihres Mannes.
00:50:12: Man teilt ihr mit, sie könne die sterblichen Überreste erhalten sofern sie die Kosten der Einärscherung bezahlte.
00:50:19: Selma zahlte Aus Zweimer wurde ja eine Urne zugesandt.
00:50:23: Sie trug sie auf den jüdischen Friedhof Oysani in Prag zu Grabe.
00:50:29: Ob sich in dieser Urne tatsächlich die Asche von Arnold Grünfeld befand lässt sich nicht feststellen.
00:50:35: Die Asche der Ermordeten wurde nach den Verbrennungen nicht zuverlässig getrennt.
00:50:40: Der genaue Ort seiner sterblichen Überreste bleibt deshalb unbekannt.
00:50:45: Geblieben ist sein Name, Arnold Grünfeldt war Rabbiner.
00:50:50: Er war Philosoph und Theologe.
00:50:52: er war ein liberaler Intellektueller Ein Helfer während des ersten Weltkrieges, ein Ehemann und ein Vater.
00:51:00: Er setzte sich über bürokratische Grenzen weg um Menschen eine Eheschließung zu ermöglichen.
00:51:05: Er begleitete Soldaten an der Front und versuchte später, eine alten jüdischen Gemeinde neues Leben zu geben.
00:51:13: Er war kein anonymer Heftling – er war ein Mensch dessen Leben aus vielen Orten Begegnung und Entscheidung bestand.
00:51:21: Kremse ihr Presslau Eger Iglau Dachau Buchenwald Unschließlich Sonnenstein.
00:51:29: Die Nationalsozialisten versuchten dieses Leben auf eine Nummer, ein gefälschtes Todestatum und eine erfundene Krankheit zu reduzieren.
00:51:38: Doch hinter den Akten ist Arnold Grünfeld widersichtbar als Gelehrter, als Rabbiner, als Familienvater und als einer von fünfundachtzig jüdischen Männern aus Buchenwald die im Juli nineteenunzeig vierzig auf dem Sonnenstein ermordet wurden.
00:51:56: Arnold Grünfeld war Rabbiner, Gelehrter und Familienvater.
00:52:00: Wie ich halt von Heinitz war kaum erwachsen – die beiden Männer stammten aus unterschiedlichen Generationen, aus verschiedenen gesellschaftlichen Milieus- und Lebenswelten, die zunächst nichts miteinander zu verbinden schien.
00:52:14: Der eine wurde als Jude und Heftling des Konzentrationsdagers Buchenwald verfolgt.
00:52:19: Der andere geriet als junger Mensch mit einer geistigen Behinderung in den Zugriff der nationalsozialistischen Gesundheitsbürokratie.
00:52:29: Ihre Wege hätten sich niemals kreuzen müssen und doch endeten beide auf dem Sonnenstein.
00:52:36: Arnold Grünfeldt wurde im Rahmen der Aktion XIV F-III nach Pirna gebracht, wie ich heute von Heinitz für die sogenannten Aktion T IV zum Opfer.
00:52:47: An ihren Geschichten zeigt sich, wie weit das nationalsozialistische System reichter.
00:52:53: Es traf Menschen nicht nur aufgrund ihrer Herkunft oder Religion – es traf auch jene die als krank, behindert und nicht leistungsfähig genug galten.
00:53:02: Hinter den Kategorien standen Menschen mit Familien, Mit Erinnerung, mit Fähigkeiten, Eigenheiten und Hoffnungen.
00:53:10: Einer von ihnen war Bichard von Heinitz.
00:53:14: Wichert Erdmann von Heinitz wurde am achtzehnten Dezember einundzwanzig in Dresden geboren.
00:53:20: Er kamen eine Familie, die in geordneten Verhältnissen lebte.
00:53:24: Sein Vater Dr.
00:53:26: Aurel von Heiniz war Jurist.
00:53:28: Wenige Monate nach seiner Geburt wurde Wicherd evangelisch getauft.
00:53:33: Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Dressen doch neunzehnundzwantzig veränderte sich der Mittelpunkt der Familie.
00:53:40: Gemeinsam mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Benno, zog Wichard auf das Rittergut Weicher in der Lausitz.
00:53:48: Das Gut war für Wichards bestimmt!
00:53:51: Er hatte es geerbt – doch da er noch ein Kind war führte zunächst sein Vater den Besitz.
00:53:56: Für Wichart bedeutete Weicher vor allem Heimat.
00:53:59: Das Rittergot lag in einer ländlich geprägten Gegend.
00:54:03: Felder und Wiesen umgaben die Gebäude.
00:54:06: Über die Wege zogen Fuhrwerke später auch vereinzelt Automobile In den Stellenwandtiere zu hören, im Hof das Klappern von Eimann, Werkzeug- und Wagenrädern.
00:54:17: Die Jahreszeiten bestimmten den Rhythmus des Lebens.
00:54:20: Für einen Jungen, wo dieser Ort Raum um draußen zu sein, zu beobachten und zu spielen.
00:54:27: Seit long time ago besuchte Vicha die Volksschule in benachbarten Grödez.
00:54:32: Der Weg führte ihn aus den Abgeschiedenheit des Gutes in das Dorf wobei ein Feldern gehöften und Wegen, die sich bei Regen ins Schlamm verwandelten unterm Winter unter Schnee verschwanden.
00:54:45: In der Schule erzählt er gute bis befriedigende Leistung.
00:54:49: Wiechard galt als lebhaft.
00:54:50: Er war kein stilles Kind Das Unbemerkt in der letzten Reihe saß.
00:54:54: Er fiel auf Bewegte sich gern und brachte Unruh mit sich.
00:54:59: Zugleich war Musik ein Teil seines Lebens.
00:55:02: Er spielte Mundharmoniker und Handharmonika.
00:55:05: Es waren einfache, tragbare Instrumente die man überall mit hinnehmen konnte.
00:55:11: Ihr Klang passt in eine Küche ebenso wie auf einer Wiese oder ein Kinderzimmer.
00:55:16: Vielleicht spielten Wichert für sich?
00:55:19: Vielleicht für seine Familie?
00:55:20: Vielleicht erfüllten die Melodien an manchen Endabenen die Räume des Rittergutes.
00:55:25: Nach drei Jahren an der Volksschule besuchte er für weitere zwei Jahre ein antrophosopisches Institut in der Lausitz.
00:55:33: Dort sollte Bildung nicht allein aus Lesen, Schreiben und Rechnen bestehen.
00:55:37: auch Musik Bewegungen handwerkliche Fähigkeiten und die individuelle Entwicklung eines Kindes spielen eine Rolle.
00:55:45: doch mit zunehmendem Alter zeigt sich bei Bichert Anzeichen einer geistigen Behinderung.
00:55:50: Wie genau sich diese Veränderung äußerten, lässt sich aus den erhaltenen Angaben nur begrenzt rekonstruieren.
00:55:57: Sicher ist, dass sein Verhalten nun von Erwachsenen nicht mehr allein als Ausdruck eines lebhaften Besens betrachtet wurde – er wurde beobachtet, beurteilt und schließlich gemeldet.
00:56:10: Im Jahr hierzu zeigte der Lehrer der Volksschule Wichard beim Bezirksschulamt in Bautzen an.
00:56:16: Auch der Hausarzt hatte ihn bereits beim zuständigen Bezirksarzt gemeldet.
00:56:21: In den Unterlagen erschien die damalige Diagnose angeborener Schwachsinn.
00:56:27: Dieser Begriff gehört zu herabwürdigen und heute überholt medizinischen Sprache.
00:56:31: jener Zeit, unter dem nationalsozialistischen Regime war eine solche Diagnosie jedoch nicht nur eine Beschreibung – sie konnte zu einer unmittelbaren Gefahr
00:56:41: werden.".
00:56:43: Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurden Ärzte, Lehrer und andere Amtssträger verpflichtet Menschen zu melden bei denen sie eine angeblich ärbliche Erkrankung oder Behinderungen vermuteten.
00:56:57: Was zuvor vielleicht innerhalb einer Familie oder zwischen Arzt und Patient geblieben wäre wurde nun Teil eines staatlichen Erfassungssystems.
00:57:06: Auch Wichards Eltern konnten sich diesen Verfahren nicht entziehen.
00:57:10: Nach einer Vorladung mussten sie ihren Sohn von einem Amtsarzt untersuchen lassen, damit war Wichard in den Akten der nationalsozialistischen Gesundheitsbehörden erfasst.
00:57:20: Er war zu diesem Zeitpunkt erst zwölf oder dreizehn Jahre alt.
00:57:24: Für seine Familie blieb er der Sohn und der Bruder, der auf dem Rittergut aufgewachsen war, Harmoniker spielte Für die Behörden, aber wurde er zunehmend zu einem Fall.
00:57:39: Im Mai in den letzten Jahren folgten Wichards Eltern dem Rat eines Arztes und trachten ihnen den Heidehof eine kirchlichen Einrichtung zur Betreuung von Menschen mit Behinderungen unweit von Dresden.
00:57:52: Eine solche Unterbringung musste nicht zwangsläufig bedeuten dass die Familie den Kontakt verlor.
00:57:58: Im Gegenteil zwischen Wichardt und seinen Angehörigen bestand weiterhin eine enge Verbindung.
00:58:03: Sie schrieben einander Briefe, sie besuchten sich gegenseitig.
00:58:06: Die Familie blieb Teil seines Lebens.
00:58:09: Man kann sich vorstellen wie wichtig die Besuche für Wichert waren Vertraute Stimmen Nachrichten aus Weicher vielleicht Berichte über das Gut Die Tiere oder Menschen Diakante.
00:58:20: Für einige Stunden kehrte damit etwas von der Welt zurück Aus daher gekommen war.
00:58:25: Doch kurz nach seiner Aufnahme in den Heidehof wurde ein Sterilisationsverfahren gegen ihn eingeleitet.
00:58:31: Das Verfahren beruhte nicht auf einer freien medizinischen Entscheidung und schon gar nicht auf Vichers Einverständnis.
00:58:37: Es war Teil der nationalsozialistischen Politik, Menschen mit bestimmten Diagnosen dauerhaft von der Fortpflanzung auszuschließen.
00:58:46: Am sechsten April neunzeitausunddreißig beschloss das sogenannte Erbgesundheitsgericht beim Amtsgericht Resten seine Sterilisation.
00:58:55: Vichert war sechszehn Jahre alt.
00:58:57: Sein Vater war zugleich sein gesetzlicher Vertreter gewesen.
00:59:01: Vermutlich hätte Dr.
00:59:02: Auré von Heinitz gegen den Beschluss Widerspruch eingelegt, doch dazu kam es nicht.
00:59:09: Kurz vor der Entscheidung war Wichards Vater gestorben – mit ihm verlor Wichardt nicht nur einen Elternteil sondern auch den Menschen, der ihn hatte im Verfahren vertreten und möglicherweise gegen den staatlichen Zugriff hätte schützen können.
00:59:23: Nun stand er beschlossen.
00:59:25: Ein Gericht hat über Wicharts Körper und seine Zukunft entschieden.
00:59:29: Was genau er selbst von diesem Verfahren verstand, wissen wir nicht.
00:59:33: Wir wissen auch nicht was man ihm erklärte oder ob man überhaupt mit ihm sprach.
00:59:38: Die Akten dokumentierten Entscheidungen.
00:59:41: Sie dokumentierten selten die Ängste eines jungen Menschen Oder die Hilflosigkeit einer Familie.
00:59:48: Im Laufe des Jahres forty-fünf wurde Wichheit in die Landesanstalt Großschweig nitzverlegt.
00:59:54: Solche Einrichtungen dienten im System der Aktion T-IV häufig als sogenannte Zwischenanstalten.
01:00:01: Die Patienten wurden zunächst dort zusammengeführt, bevor man sie in eine Tötungsanstalt weiter transportierte.
01:00:09: Dadurch ließ sich ihr Weg verschleiern – für die Angehörigen wurde es schwerer nachzuvollziehen wohin ein Familienmitglied tatsächlich gebracht worden
01:00:17: war.".
01:00:18: Zugleich konnten die Transporte gesammelt und nach den Vorgaben der TIVI-Zentrale organisiert werden.
01:00:26: Fast vier Monate verbrachte Wiechard in Großschweidnitz, dann erschien auch Seinnahme auf einer Transportliste.
01:00:34: Am achten Mai, nineteenundvierzig wurde gemeinsam mit achtundsiebzig weiteren Patienten von Großschweitnitz nach Pirna Sonnenstein gebracht.
01:00:44: was man ihm über die Fahrt sagte ist nicht überliefert.
01:00:48: Vielleicht sprach man von einer Verlegung, vielleicht von einer anderen Einrichtung.
01:00:53: Vielleicht erhielt er gar keine Erklärung!
01:00:56: Für Wichert führte der Transport durch eine Landschaft die nicht weit von seiner Heimat entfernt lag.
01:01:02: Die Entfernung zwischen Weicher und Pirna war nicht unüberwindbar.
01:01:06: Seine Familie liebte vergleichsweise nah Und doch war Wicherd für sie unerreichbar geworden.
01:01:13: Als der Transport das Gelände des Sonnenstands erreichte, begann der eingeübte Ablauf der Tötungsanstalt.
01:01:21: Die Ankommenen wurden registriert, ihre Personalien wurden kontrolliert, ihre Unterlagen geprüft und ihre persönlichen Gegenstände abgenommen.
01:01:30: Die medizinische Umgebung war Teil der Täuschung.
01:01:34: Ärzte und Pfleger waren anwesend, Formulare wurden ausgefüllt – alles sollte den Eindruck erwecken es handelt sich um eine weitere Station der
01:01:42: Betreuung.".
01:01:43: Tatsächlich war das Ziel bereits festgelegt.
01:01:47: Bichert von Heinitz wurde höchstwahrscheinlich noch am selben Tag in der Gaskammer der Tütungsanstalt Pirna Sonnstein ermordet.
01:01:54: Er war neunzehn Jahre alt, sein Leben hatte gerade erst begonnen.
01:01:59: er hatte keine Straftat begangen aber nicht zum Tode verurteilt worden.
01:02:03: Sein einziges vermeintliches Vergehen bestand darin dass er nicht den Menschenbild des nationalsozialistischen Staates entsprach.
01:02:12: Nach seiner Mordung begann die Vertorschung.
01:02:15: Der Familie wurden falsche Angaben übermittelt, als Tose zur Sachen nannte man Krippe und Kreislaufschwäche Begriffe, die alltäglich ummedizinisch plausibel klang Begriffs, die den Mord hinter dem Anschein eines natürlichen Todes verbergen sollten.
01:02:31: Doch in Wichards Fall bestand für die Täter ein besonderes Problem Seine Familie lebte unweit von Pirna Sonnenstein.
01:02:39: Eine Todesnachricht direkt aus der nahegelegenen Anstalt hätte möglicherweise Fragen aufgeworfen.
01:02:45: Angehörige hätten nachforschen, dass Gelände Aufsuchen oder Zusammenhänge erkennen können.
01:02:50: Deshalb wurde der sogenannte Trostbrief nicht vom Sonnenstein aus verschickt?
01:02:56: Das Personal ließ ihn aus Harteim in Österreich kommen einer weiteren Tötungsanstalt der Aktion T-IV.
01:03:03: Es sollte der Eindruck anstehen wie ich hat sei weit entfernt von seiner Heimat gestorben.
01:03:08: Die Entfernung war Teil der Lüge.
01:03:11: Der Brief sollte beruhigen, wo es keinen Trost geben konnte.
01:03:15: Er soll erklären was nicht geschehen war und er sollte verhindern dass die Familie fuhr das Wichert nur wenige Stunden von Weicher entfernt ermordet worden war.
01:03:26: Wicherd von Heinitz wurde in Krödetz beigesetzt doch auch hier bleibt die Frage was die Familie tatsächlich erhielt?
01:03:33: Und welche sterblichen Überreste seinen Namen zugeordnet wurden.
01:03:38: In den Tötungsanstalten wurden die Leichen verbrannt, die Asche konnte nicht verlässlich getrennt werden.
01:03:44: Geblieben sind mehrere Spuren – ein Foto aus dem Jahr neunzehner dreißig zeigt Wichert als Kind Ein Junge aus einer sächsischen Familie Ein Junger der zur Schule ging munter Monika spielte und mit seinen Eltern und seinem Bruder auf einem Rittergut in der Lausitz lebte.
01:04:02: Das Foto kennt keine Diagnose Es kennt keine Transportliste Es zeigt keinen Fall und keine Akteneintragung.
01:04:11: Es zeigt wie ich hab.
01:04:13: Vielleicht liegt darin eine besondere Bedeutung seiner Geschichte?
01:04:18: Sie macht sichtbar, wie früh der nationalsozialistische Staat begann einem Menschen zu erfassen – zuerst durch Beobachtungen in der Schule… Dann durch die Meldung eines Arztes.
01:04:28: Es folgten die amtsärztliche Untersuchung das Verfahren vor dem Erbgesundheitsgericht Die Unterbringung, die Verlegung und schließlich der Transport nach Sonnenstein.
01:04:38: Jeder einzelne Schritt wurde von Menschen ausgeführt – von Lehrern, Ärzten, Richtern, Verwaltungsangestellten, Pflegern und von jenen, die den Transport und die Tötung organisierten.
01:04:51: Der Mord begann nicht erst in der Gaskammer.
01:04:54: Er begann dort wo wie ich hat nicht mehr als lebhafter Junge als Sohn, Bruder oder junger Mann gesehen wurde sondern nur als Diagnose als angebliches erbbiologisches Risiko, als ein Leben über das andere verfügen zu dürfen glaubten.
01:05:09: Viechheit von Heinitz wurde am achtzehnten Dezemberen neunzehnundzwanzig geboren.
01:05:14: Er spielte Mund und Handarmonika.
01:05:16: Er lebte mit seiner Familie auf dem Rittergut Weicher.
01:05:20: Er wurde am achten Mai neunzentviertzig auf den Sonnenstein ermordet.
01:05:25: Zwischen diesen Daten lag ein kurzes Leben aber kein bedeutungsloses.
01:05:31: Die Geschichte von Alfrede Loser-Wächter Arnold Grünfeldt und Wichert von Heinitz unterscheiden sich bei nahem allem.
01:05:39: Eine Künstlerin, ein Rabbiner, ein junger Mann aus der Lausitz.
01:05:44: Sie lebten in unterschiedlichen Ländern gehörten verschiedenen Generationen an Und führten Leben die sich niemals begegneten.
01:05:52: Und doch endeten ihre Wege am selben Ort Auf dem Sonnenstein.
01:05:57: Dort verloren ihre persönlichen Geschichten, ihre Bedeutung.
01:06:01: Für die Täter waren sie keine Malerin mehr – kein Rabbiner und kein Sohn einer Familie!
01:06:07: Sie waren Nummern auf Transportlisten.
01:06:10: Namen in den Karteilen Akten, die abgearbeitet wurden.
01:06:15: Der Mord war kein spontanes Verbrechen.
01:06:18: Es folgte einem genauen festgelegten Ablauf.
01:06:21: Jeder Handgriff war geplant Jeder Schritt war Teil eines Systems Elfride, Wichardt, Arnold.
01:06:28: Drei Namen drei Leben eine Künstlerin die Menschen mit außergewöhnlicher Sensibilität potortierte.
01:06:36: ein Rabbiner der sein Leben dem Glauben der Bildung und dem Dienst an anderen widmete.
01:06:42: Ein junger Mann der Muntamonika spielte und auf einem Rittergut in der Lausitz auf Fuchs.
01:06:48: Sie stehen stellvertretend für treizehntausend siebhundertzwanzig Menschen, die zwischen Juni neunzehnzundvierzig und August neunzentzeinundviertzig in der Tötungsanstalt Pirna Sonnstein ermordet wurden.
01:07:02: Hinter jeder dieser Zahlen verbargt sich ein Mensch mit einem Namen, einer Familie, Hoffnung, Erinnerung und Geschichte, die es wert ist erzählt zu werden.
01:07:13: Denn genau darin liegt der Sinn des Erinnerns!
01:07:17: Nicht nur das Verbrechen zu dokumentieren, sondern den Menschen ihren Namen zurückzugeben.
01:07:23: Dann bleibt noch eine Frage offen die uns durch diesen Podcast begleitet Was bleibt?
01:07:29: Vielleicht dies Das Erinnerung dort beginnt wo Namen nicht vergessen werden?
01:07:35: So und am Ende jeder Folge wie ihr das vielleicht schon langsam wisst kommen wir zu meinen eigenen persönlichen Gedanken Vielleicht auch zu den Beweggründen, warum ich diesmal eine andere Art von Folge gewählt habe.
01:07:47: Es geht ja generell um historische Ereignisse.
01:07:50: Von daher muss es nicht immer ein Serienmörder sein im klassischen Sinne.
01:07:57: Drücken wir's mal so aus!
01:07:59: Sondern es beschreibt ja auch Orte oder vergessene Geschichten.
01:08:02: Dies ist jetzt keine vergessener Geschichte aber es geht eigentlich um einen Ort und zwar die Heilanstalt in Pürner Sonnenstein.
01:08:12: Ich denke mir einige Kändes verleucht von euch.
01:08:16: Ich war vor kurzem dort, habe mir das einmal angesehen und ich muss dazusagen also die Recherche dieser Geschichte der Heilanstalt war sehr sehr aufwendig was einfach sehr viele Informationen gibt.
01:08:29: Ich meine Gott sei Dank sonst könnten wir darüber gar nicht ja mehr berichten.
01:08:35: manchmal finde auch es sind zu wenig Information denn es halt mehr so um die Tiefe geht, aber ich denke das bringen also Fälle aus dieser Zeit einfach mit sich weil dort vieles verschleiert worden ist und wir viele Dinge nicht genau wissen.
01:08:49: Von daher wie gesagt war es eine aufwendige Recherche und es war mir tatsächlich wichtig einen solchen Fall zu machen um einfach daran zu erinnern dass ist ja nur ein ganz kleiner Teil der Verbrechen die damals im zweiten Weltkrieg gestehen sind passiert sind Und es kann durchaus möglich sein, dass es in Zukunft dort noch weitere Folgen geben wird.
01:09:12: Weil ich denke das ist ein großes Thema was tatsächlich nie nie nie Vergessenheit geraten darf und vor allen Dingen sollte man tatsächlich über die einzelnen Opfer sprechen nicht nur über das gesamte weil ich das Gefühl habe man vergisst dabei halt auch relativ viel und Es waren tatsächlich so viele einzelne Punkte die mich bewegt haben oder auch noch mal nachdenklich gemacht haben.
01:09:36: Also es ist nicht so, dass ich vorher nichts davon gehört hätte.
01:09:38: aber nichtsdestotrotz weil man recherchiert geht dann geht man halt automatisch halt mehr in die Tiefe und Ich fand erschütternd einfach einmal diese Zahl die dort getötet worden sind also wo's nur um geistig behinderte Menschen geht oder das wo man gesagt hat wirklich das Erdmaterial entspricht nicht unseren Standards wo man ein willkürlich entschieden hat, okay dieser Mensch ist schwachsinnig und er wird dort vergas unter Fortsetzung falscher Tatsachen.
01:10:11: also das ist halt nochmal viel schlimmer als alles andere.
01:10:16: Und dann auch tatsächlich dass wenn man sich Ja, ich sag mal die Opfer aus unserem Fall heute anschauen.
01:10:22: Das sind ja nur drei von vielen aber dennoch waren sie so unterschiedlich auch so verschiedenen Schichten und letztendlich hatten Sie trotzdem das gleiche Schicksal wo man einfach diese Willkür dahinter merkt und man ist so betroffen.
01:10:43: Ich glaube halt auch tatsächlich wenn man Opfer anspricht uns sie auch mit dem Namen benennt und auch deren Lebensgeschichte erzählt wird das ganze greifbarer.
01:10:55: Sonst hört man nur ja Highlandstein, Sonnenstein dort wurden Menschen vergaßt was man natürlich sehr schlimm findet.
01:11:02: aber ich denke in einem richtigen Bezug findet man eher darunter wenn man persönliche Schicksale kennt wenn man einfach weiß was den dort passiert ist.
01:11:12: Und ich denke dieses Wissen ist tatsächlich wichtig, dass man sich daran erinnert und das man es auch weiter gibt einfach um vielleicht auch irgendwo als Mann mal dazustehen, dass sowas nie wieder passieren darf.
01:11:25: Ich denke das ist ganz wichtig und das ist auch etwas, was man aus diesen Fällen einfach mitnimmt kann.
01:11:32: tatsächlich auf der Gedenksseite der Sonnenstein Heilanstalt in Pirna.
01:11:41: Da gibt es eine extra Webseite für ein Nachlesen, da stehen natürlich noch weitere Opfer drauf die ja fast worden sind.
01:11:47: Es gibt natürlich ganz viele, die namentlich nicht genannt werden weil sie halt einfach nicht dokumentiert sind Wie man das auch gemerkt hat, dass total verwohren war.
01:11:57: Auch wenn die Sterburkunden ausgestellt worden sind, dass sie zum Teil aus anderen Altenstalten und anderen Teilen ja Deutschlands gekommen sind oder auch Österreich so dass man das ganz schwierig nach recherchieren konnte.
01:12:12: aber dort sind tatsächlich noch mehr Opfer aufgezählt bei denen man auch die Lebensgeschichte nachlesen kann.
01:12:21: Also wem das interessiert, es ist total super dokumentiert.
01:12:26: ich habe viele, viele Informationen wirklich dort her.
01:12:29: Das war meine größte Quelle.
01:12:32: All ich auch denke dass das die zuverlässigste Quelle ist weil vieles Ja, gerade wenn man im Internet mal nachschaut oder ein Bücher liest ist unterschiedlich dokumentiert und manchmal schwingt dort auch immer so eine eigene Meinung mit rein.
01:12:45: Von daher finde ich tatsächlich die Internetseite von Sonnenstein in Pirna ganz klasse gemacht.
01:12:52: Und dann würde ich sagen beende ich den Fall für heute, auch wenn es darüber noch so viel mehr zu erzählen gebe.
01:12:59: Aber ich denke, wir sind wieder über eine Stunde an Folge.
01:13:03: Das reicht für den Anfang.
01:13:05: am Mittwoch greife ich das Thema der Hauptfolge nochmal auf, dass er gesagt ein Themengebiet die folgen wird ein Stückchen mal kürzer sein sowie letzte Woche.
01:13:13: aber ich gehe noch einmal auf einen einzelnen Punkt ein oder einzelne Punkte wo ich denke das hat jetzt in der Folge nicht so viel Platz gefunden.
01:13:21: dann würde ich sagen vielen vielen Dank dass ihr dabei war Wem der Podcast gefällt, gerne bewerten oder auch abonnieren.
01:13:30: Darüber freue ich mich natürlich sehr, sehr doll!
01:13:33: Aber ich würde mich auch freuen tatsächlich Fallvorschläge zu bekommen... ...oder wenn es Fragen gibt zu der einen oder anderen Folge immer her damit beantworte ich gerne und freue mich darüber.
01:13:45: vor allem Ja.
01:13:47: und dann würde ich sagen Bildmaterial gibts wie immer auf Instagram.
01:13:51: also unter wasunterstrich bleibt Unterstrich podcast.
01:13:56: Und dann wünsche ich eine schöne Zeit, bleib gesund und bis bald.
01:14:02: Tschüss!
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