Karl Denke – Das Geheimnis des Schlesischen Kannibalen
Shownotes
🖤 Was bleibt – Historischer True Crime & Story Podcast Vielen Dank, dass ihr auch heute wieder dabei wart. Wenn euch die Folge gefallen hat, freue ich mich über eine Bewertung, ein Abo und wenn ihr den Podcast weiterempfehlt. 📸 Historische Bilder und weiteres Zusatzmaterial findet ihr auf Instagram: @was_bleibt_podcast 🎧 Musik: Epidemic Sound 📚 Quellen und Inspiration dieser Folge: Karl Denke – Der vergessene Kannibale (Dokumentation) mit Marc Benecke, Armin Rüttgers und Bernadeta Lotze Historische Fotografien und Bildmaterial: Wikimedia Commons Weitere historische Literatur und zeitgenössische Quellen zur Kriminalgeschichte Karl Denkes Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir uns auch heute noch an diese Geschichte erinnern. Nicht, weil wir die Tat in Erinnerung behalten wollen. Sondern weil wir die Menschen dahinter nicht vergessen möchten.
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00:00:03: Der Polizeibeamte blieb einen Moment reglos an der Tür stehen.
00:00:06: Die Wohnung kam größer als ein einzelnes Zimmer, niedrige Decke, wenig Licht, einfache Möbel.
00:00:13: Es war staunlich wie ein Mensch auf so eng Raum überhaupt leben konnte!
00:00:19: Doch nicht die Engel ließ ihn zögern.
00:00:22: Überall standen Töpfe – Auf dem Herd, auf dem Tisch sorgfältig nebeneinander aufgereiht Als hätte jemand sie erst vor wenigen Augenblicken dort abgestellt.
00:00:33: Für einen kurzen Moment wirkt alles beinahe gewöhnlich.
00:00:37: Der Beamte trat näher, er griff nach den Deckel eines der Töpfe und hob ihn langsam an.
00:00:44: Zunächst konnte er nicht einordnen was vor ihm lag.
00:00:48: Sein Blick verharrte einen Augenblick auf den Inhalt.
00:00:52: dann folgt er sich noch einmal vor.
00:00:55: in diesem moment begriff er worauf er blickte.
00:00:58: Er ließ den Deckel fallen, trommelte einen Schritt zurück und musste sich augenblicklich übergeben.
00:01:04: Was der Polizist an diesem Tag in der winzigen Wohnung entdeckte, sollte selbst erfahrenermittler schüttern und zu einem der verstörendsten Kriminalfälle der späteren Weimarer Republik werden.
00:01:16: Wir schreiben das Jahr nineteenhundertzwanzig.
00:01:20: Unser Weg führt uns nach Münsterberg Das heutige Zivitze In Polen.
00:01:27: Hi Ich bin Susanne.
00:01:29: Und das ist was bleibt!
00:01:31: In diesem Podcast erzähle ich wahre Geschichten aus der Vergangenheit, Geschichten über Orte, Ereignisse und Verbrechen die Spuren hinterlassen haben.
00:01:40: Wir reisen dafür an andere Zeiten Besuchen historische Orte und schauen uns an Was dort einmal geschehen ist und was davon bis heute geblieben ist.
00:01:49: Neue Folgen erscheinen jede Woche auf allen gängigen Plattformen wo es Podcasts gibt Und zum heutigen Fall gibt es natürlich eine Triggerwarnung.
00:01:59: Die Folge behandelt einen historischen Kriminalfall mit Themen wie Tötungsdelikten, der Zerstücklung eines menschlichen Körpers sowie Cannibalismus.
00:02:08: Einige der geschilderten Ereignisse können emotional belastend oder verstörend sein.
00:02:14: Ich erzähle euch diesen Fall auf Grundlage historischer Quellen und mit größtmöglichem Respekt gegenüber den Opfern.
00:02:20: Die Darstellung dient der historischen Einordnung und der Rekonstruktion der Geschehnisse, nicht der Sensation.
00:02:28: Wenn diese Themen für dich belastend sind, empfehle ich dir, diese Folge auszulassen oder sie zu einem späteren Zeitpunkt anzuhören!
00:02:36: Und jetzt würde ich sagen, start mir in den Fall... Im Herbst des Jahres九zehnundzwanzig liegt über Münsterberg einer kleinen schlesischen Reichstadt mit rund acht tausend Einwohnern eine eigentümliche Ruhe.
00:02:50: Die schmalen Kopfsteinpflasterstraßen führen zwischen Bürgerhäusern, kleinen Handwerksbetrieben und niedrigen Gasthäusern hindurch.
00:02:58: Über allem erhebt sich der mächtige Rathaus-Turm dessen Glocken den Tagesablauf bestimmen.
00:03:05: Pferdefuhrwerke kumpeln über die Pflaster während vereinzelt bereits Automobile des Straßenbilds verändern.
00:03:11: Aus den Schornsteinen steigt Rauch aus, der sich mit dem Geruch von Kohlefeuern feuchtem Holz und den Auslagen der Metzger vermischt.
00:03:20: Doch hinter dieser scheinbaren Idylle leidet Münsterberg unter den wirtschaftlichen schwierigen Jahren der späten Weimarer Republik.
00:03:28: Arbeit ist knapp!
00:03:29: Viele Männer ziehen von Ort zu Ort immer auf der Suche nach einer Beschäftigung oder wenigstens einer warmen Mahlzeit.
00:03:36: Bettler- und Wanderarbeiter gehören längst zum alltäglichen Straßenbild.
00:03:41: Nur wenige schenken ihn Beachtung.
00:03:44: Einer von ihnen ist Vincent Oliver.
00:03:48: Seit Tagen ist er unterwegs, seine Kleidung ist abgetragen Seine Schuhe vom langen Marsch verschlissen.
00:03:54: Mit jedem Haus an dem er vorbeikommt wächst die Hoffnung auf ein paar Münzen Ein Stück Brot oder vielleicht sogar eine kleine Arbeit Die ihm das überleben für die nächsten Tage sichert.
00:04:06: Während seines Weges spricht der mehrere Einwohner an – die meisten winken ab oder schließen wortlos die Türen.
00:04:13: Schließlich begegnet er der Familie Vogt, anders als viele andere.
00:04:17: hören sie ihm zumindest zu Als Oliver nach Arbeit fragt.
00:04:21: überlegen Sie kurz.
00:04:23: Dann geben Sie mal ein Hinweis.
00:04:25: Ein Mann in der Thomstraße suche gelegentlich Hilfe für kleinere Arbeiten.
00:04:31: In der Nachbarschaft kenne man ihn als Papa-Denker.
00:04:34: Er sei freundlich zurückhaltend und hilfsbereit.
00:04:37: Sein richtiger Name lautet Karl Denke.
00:04:41: Für Vincent Oliver klingt das nach einer seltenen Gelegenheit.
00:04:45: Wenig später steht er vor dem Haus in der Thumstraße.
00:04:48: Zehn, ist ein schlichtes Gebäude, dass sich kaum von anderen Häusern der Straße unterscheidet.
00:04:54: Nichts deutet daraufhin, daß hinter dieser Tür etwas Außergewöhnliches geschehen könnte.
00:05:00: Oliver klopft!
00:05:02: Nach wenigen Augen blicken öffnet Karl Denke.
00:05:06: Der ältere Mann wirkt ruhig und höflich.
00:05:09: Er mußt dort sein Besucher nur kurz und bittet ihn ohne Zögern herein.
00:05:13: Für einer schöpften Wanderarbeiter ist das ungewöhnlich freundlich.
00:05:17: Kommen Sie nur herein!
00:05:19: Im Inneren des Hauses bietet Denke seinem Gas zunächst etwas zu essen an.
00:05:24: Anschließend erklärt er, er könne ihm tatsächlich eine kleine Arbeit geben.
00:05:28: Für ein paar Fennig müsse Oliver lediglich einen Brief nach Diktat schreiben.
00:05:33: Vincent Oliver will ich dankbar ein.
00:05:36: Denke leg Papier und Stifte auf den Tisch.
00:05:38: Oliver setzt sich und taucht die Feder an das Tintenfass.
00:05:43: Hinter ihm beginnt Karl Denke langsam zu diktieren.
00:05:47: Adolf?
00:05:48: Oliver schreibt, du fetter Wandst!
00:05:51: Für einen kurzen Augenblick muss Oliver schmunzeln.
00:05:54: Die ungewöhnliche Anrede wirkt beinahe komisch.
00:05:57: Er setzt die Feder erneut auf das Papier ohne zu bemerken dass Karl Denkel inzwischen dicht hinter ihn getreten ist.
00:06:05: In dessen Händen befindet sich nun eine Spitzhacker.
00:06:09: Ohne jede Vorwarnung holt Denker aus.
00:06:11: Mit voller Wucht schlägt er auf den Hinterkopf seines ahnungslosen Gastes ein, doch der Schlag trifft zunächst nichts entzielen.
00:06:20: Im letzten Moment bewegt Oliver den Kopf leicht zur Seite.
00:06:23: Statt den Schädel zu zerschmettern trifft die Spitze seine linke Schlefe.
00:06:27: Sofort reißt eine tiefe Wunde auf.
00:06:30: Blut läuft ihm über das Gesicht und Kleidung.
00:06:33: Der Schmerz ist gewaltig Doch Oliver verliert nicht das Bewusstsein.
00:06:38: Instinktie springt er auf, benommen, dreht er sich um und erkennt erst jetzt das Karl Denke an Neu zum Schlag ansetzt.
00:06:45: Es beginnt ein verzweifelter Kampf auf engstem Raum.
00:06:48: Beide Männer ringen um die Spitzhacke Möbel werden umgestoßen Stühle kippen zu Boden.
00:06:53: Oliver setzt seine ganze Kraft ein.
00:06:56: Trotz seiner Verletzung gelingt es ihm schließlich sein Angreifer die Waffe zu entreißen.
00:07:01: Ohne einen weiteren Gedanken rennt er zur Haustür.
00:07:04: Er stößt sie auf, stürzt auf die Straße und streit in letzter Kraft.
00:07:09: Hilfe hier ist ein Verrückter der will mich
00:07:10: umbringen.".
00:07:12: Seine Rufe heilen durch die Tomstraße.
00:07:15: Innerhalb weniger Augenblicke öffnen sich Fenster an Haustüren.
00:07:19: Menschen bleiben stehen, drehen sich zu dem blutüberströmten Mann um und erkennen sofort dass hier etwas Schreckliches geschehen sein muss.
00:07:27: Noch ahnt niemand das diese verzweifelte Flucht einen der schüttersen Kriminalfälle der deutschen Geschichte ans Licht bringen wird.
00:07:35: Als die ersten Polizeibeamten eintreffen, bietet sich ihnen ein verwirrendes Bild.
00:07:40: Vor ihnen steht ein Blut überströmter Vincent Oliver.
00:07:43: In seinen Händen hält er eine Spitzhacke.
00:07:46: Wenige Meter entfernt befindet sich Karl Denker Ein Mann den man in Münsterberg kennt.
00:07:52: Er gilt als eigenprodlerisch aber zugleich als selbstbereit.
00:07:56: Immer wieder hat er Bedürftige mit Essen versorgt oder Wanderarbeiter ein Unterkunftsangeboten.
00:08:02: Viele Einwohner kennen ihn schlicht als Papadenke, unter diesen Umständen richten sich die ersten Verdachtsmomente zunächst gegen Vincent Oliver.
00:08:12: Aus der heutigen Sicht mag diese Einschätzung befremdlich erscheinen – doch sie entsprach nicht zuletzt den gesellschaftlichen Vorstellungen der damaliger Zeit.
00:08:21: Wanderarbeiter und Landstreicher begegnen vielerorts großen Misstrauen!
00:08:25: Sie gelten häufig als Potenzialitäter.
00:08:28: Während ein seit Jahren bekannter Bürger eher als glaubwürdig angesehen wurde, so lag für die Beamten zunächst die Vermutung nahe.
00:08:36: Oliver könnte versucht haben, Kalkdenke zu überfallen.
00:08:40: Währen die Polizisten beide Männer voneinander trennen und erste Aussagen aufnehmen schildert Vincent Oliver immer wieder denselben Ablauf – er sei auf der Suche nach Arbeit gewesen!
00:08:50: Karl Denke habe ihn freundlicher reingebeten, ihm Essen angeboten und ihn anschließend mit einer Spitzhacker angegriffen.
00:08:58: Obwohl die Beamten Anfangszweife hegen fällt ihnen auch die tiefe stark blutende Verletzung an Oliver's Schläfer auf.
00:09:05: Seine Schilderung wirkt trotz der Aufrebungen erstaunlich konstant.
00:09:10: Schließlich treffen sie eine Entscheidung – nicht winzend Oliver sondern Karl Denker wird an diesem Nachmittag festgenommen!
00:09:17: Vorerst soll geklärt werden, was sich tatsächlich in dem Haus in der Thumstraße X abgespielt hat.
00:09:23: Man bringt Denke ins Rathaus von Münsterberg.
00:09:26: Dort befindet sich im Keller eine kleine Restzelle wie sie viele Rathäuser jener Zeit besaßen.
00:09:32: Es ist ein schlichter Raum mit dicken Mauern einer schweren Holztür und kaum mehr als einer Britsche.
00:09:39: Niemand kann zu diesem Zeitpunkt ahnen dass Karl Denke diesen Raum nie wieder lebend verlassen wird.
00:09:45: Die ehemalige Restzelle existiert bis heute.
00:09:48: Das Gebäude des Rathauses steht noch immer im heutigen Zerbütze, der Raum in dem Denke damals eingesperrt wurde dient inzwischen jedoch als schlichter Lagerraum unscheinbar und für Besucher kaum als historischer Ort erkennbar.
00:10:03: Die Ermittlerplanen kann denke am nächsten Morgen ausführlich zu vernehmen.
00:10:07: nach den widersprüchlichen Aussagen erhoffen sie sich Klarheit darüber was ich in der Wohnung in der Thomstraße tatsächlich ereignet hat doch dazu wird es nicht mehr kommen.
00:10:18: Noch in der Nacht, bevor das erste Verhör stattfinden kann nimmt sich Karl Denke in seiner Arrestzelle das Leben.
00:10:25: Als Hilfsmittel verwendet er ein Stofftaschentuch Ein Gegenstand den damals nahezu jeder Mann bei sich trug und der in den neunzehnundzwanziger Jahren zum alltäglichen Bestandteil der Kleidung gehörte.
00:10:38: Nach dem späteren Ermittlungsunterlagen erhängte sich Denke jedoch nicht in der Weise wie sie sich bei solchen Fällen üblicherweise ereignet.
00:10:46: Stattdessen erfolgt der Tod in nahezu waagerechter Körperhaltung.
00:10:51: Diese Form der Strangulation gilt als ungewöhnlich, ist medizinisch jedoch möglich wenn ausreichend Druck auf die Halsgefäße ausgeübt wird.
00:11:00: Entscheidend ist dabei nicht die Fallhöhe oder ein frei hängender Körper sondern die anhaltende Kompression des Halzes.
00:11:08: Der Tod des einzigen Tatverdächtigen wirft unmittelbar neue Fragen auf.
00:11:13: Ein Gerichtsverfahren wird es nun nicht mehr geben.
00:11:15: Die Hoffnung, von Karl Denke selbst Antworten auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu halten ist damit endgültig verloren.
00:11:24: Um jeden Zweifel auszuschließen, wird der Leichnam in der Gerichtsmedizin nach Bresla überführt.
00:11:29: Dort führen die Gerichts- mediziner eine Obduktion durch.
00:11:33: Nach den erhaltenen Unterlagen finden sie keine Hinweise auf eine Fremdweinwirkung oder einen gewaltsamen Tod durch Dritte.
00:11:41: Die Untersuchung bestätigt, dass Karl Denke durch Suizid starb.
00:11:45: Mit seinem Tod verstummt der einzige Mensch, der die ganze Wahrheit über die Geschehnisse in der Thomstraße Zehn hätte erzählen können.
00:11:53: Was tatsächlich über Jahre hinweg hinter den Mauern wenn es Hauses geschehen war müssen ja mittlerweile nun allein anhand der Spuren rekonstruieren – die Denke zurückgelassen hat!
00:12:05: Doch wer war dieser Mann, dessen Name innerhalb weniger Stunden weit über die Grenzen der kleinen Stadt Münsterberg hinaus bekannt werden sollte?
00:12:14: Um das zu verstehen müssen wir viele Jahrzehnte zurückgehen.
00:12:18: Karl Denkel wird am elften Februar, im schlesischen Dorf Oberkunstendorf geboren nur etwa vier Kilometer vom Münsterwerk entfernt.
00:12:27: Das Dorf besteht aus wenigen Höfen einer Kirche und einfachen Wohnhäusern.
00:12:33: Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft.
00:12:36: Der Rhythmus des Jahres wird von Außerheit und Ernte bestimmt, Wohlstand ist eher selten.
00:12:42: Auch die Familie Denke lebt von der Arbeit mit der Erde.
00:12:46: Die Eltern bewirtschaften eine kleine Landwirtschaft und betreiben eine Gärtnerei.
00:12:50: Die Erträge reichen zum Leben doch zu den wohlhabenden Familien des Dorfes gehören sie nicht.
00:12:56: Jeder muss mit anpacken sobald er dazu in der Lage ist.
00:13:00: Karl ist das zweite Kind der Familie.
00:13:03: überliefert ist, dass er zu seinem älteren Bruder ein vergleichsweise enges Verhältnis hatte.
00:13:08: Über seine Mutter ist nur wenig bekannt.
00:13:11: Sein Vater hingegen wird bei späteren Berichten immer wieder als je zorniger und gewalttätiger Mann beschrieben.
00:13:17: Körperliche Strafen galten im neunzehnten Jahrhundert vielerorts als normales Erziehungsmittel.
00:13:23: Ob Karl selbst regelmäßig unter der Gewalt seines Vaters litt lässt sich heute nicht mehr mit letzter Sicherheit nachweisen.
00:13:31: Die überlieferten Beschreibungen deuten jedoch auf einen von Angst und strenge geprägtes Elternhaus hin.
00:13:37: Schon früh fällt Karl den Menschen in seiner Umgebung auf, allerdings nicht weil er laut und unruhig wäre sondern weil er beinahe gar nichts spricht.
00:13:47: Während andere Kinder miteinander spielen bleibt Karl häufig für sich.
00:13:51: Er antwortet nur selten auf Fragen und wirkt verschlossen.
00:13:54: Zeitgenössische Berichte schildern dass sie sich lange Zeit regelrecht weigerte zu sprechen.
00:13:59: Ob dahinter eine Entwicklungsstörung, eine psychische Belastung oder schlicht extreme Schüchternheit stand lässt sich heute nicht mehr beurteilen.
00:14:08: Die historischen Quellen erlauben keine eindeutige Diagnose.
00:14:13: Im Alter von sechs Jahren wird Karl in der Dorfschule in Kunstendorf eingeschult doch auch dort bereitet sein Verhalten den Lehrern Schwierigkeiten.
00:14:22: Er beteiligt sich kaum um Unterricht, ermeldet sich nicht, er spricht wenig und wirkt auf seine Lehrer teilnahmslos.
00:14:29: Nach seinem ersten Schuljahr findet sich in den Schulunterlagen eine bemerkenswerte Beurteilung.
00:14:35: Er ist verstockt und nicht zu lo.
00:14:37: Aus heutiger Sicht sagt diese Formulierung weit mehr über das damalige Verständnis kindlicher Entwicklung aus als über Keildenke selbst.
00:14:45: Für Kinder, die sich anders verhielten oder Lernschwierigkeiten zeigten gab es im neunzehnten Jahrhundert kaum pädagogische oder medizinische Erklärungsmodelle.
00:14:55: stattdessen geht manche Leraka schlicht für ein Idioten.
00:14:59: Dieser Begriff war damals eine medizinische und gesellschaftliche Bezeichnung, für Menschen denen man eine schwere geistige Behinderung oder psychischer Erkrankungszuschrie.
00:15:09: Es entsprach weder einer präzisen Diagnose noch dem heutigen Verständnis von Entwicklungs- oder psychischen Störungen und gilt heute selbstverständlich als diskriminierend und überholt.
00:15:21: was Karl denke tatsächlich bewegte, welche Fähigkeiten oder Schwierigkeiten er besaßt und warum er sich so verschlossen verhielt wird sich nie mehr klären lassen.
00:15:31: Fest steht lediglich dass er bereits als Kind als Außenweiterwald lange bevor sein Name mit einem der rätselhaftesten Kriminalpelle der deutschen Geschichte verbunden wurde.
00:15:42: erst im Alter von sieben oder acht Jahren veränderte sich etwas.
00:15:47: karl beginnt zu sprechen.
00:15:48: Zunächst sind es nur einzelne Laute, später kurze Wörter und einfache Sätze.
00:15:54: Zeitzeugen berichten, dass seine Aussprache ungewöhnlich gewesen sei.
00:15:59: Manche Buchstaben betont ihr auffallend stark – andere Worte brachte er jedoch nur stockender vor.
00:16:05: Seine Sprachentwicklung verlief deutlich langsamer als bei den meisten Kindern seinerzeit!
00:16:11: Auch der Schulbesuch blieb schwierig.
00:16:13: Karl geht nur wiederwillig in den Unterricht, nach späteren Berichten weigert er sich an manchen Tagen sogar so hartnäckig dass Eltern oder Angehörige ihn regelrecht zur Schule tragen müssen.
00:16:24: Im Klassenraum beteiligt er sich weiterhin kaum.
00:16:28: Seine Lehrer sehnen ihm kein lernwilligen Jungen sondern einen schwierigen Schüler.
00:16:33: Verständnis für mögliche Entwicklungsstörung und psychische Besonderheiten existieren im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert kaum.
00:16:41: Auch innerhalb der Familie scheint Karl keinen festen Platz zu finden.
00:16:46: Seine Eltern wissen offenbar nicht, wie sie mit ihrem verschlossenen Sohn umgehen sollen.
00:16:51: Aus den überlieferten Berichten entsteht das Bild eines gestörten Verhältnisses.
00:16:55: Nähe oder Vertrauen werden kaum beschrieben.
00:16:59: Stattdessen scheint Karl schon früher ein Mensch gewesen sein, der selbst im eigenen Elternhaus weitgehend isoliert lebt.
00:17:06: Als im Jahr eighteenhundertneunenundachtzig bei der Elternsterben verändert sich sein Leben grundlegend.
00:17:12: Karl Denke ist inzwischen dreißig Jahre alt, aus dem Erbe erwirbt er ein Haus in Münsterberg in der Teichstraße zehn.
00:17:19: Für den Mann, der sein ganzes Leben eher am Rand der Gesellschaft verbracht hat bedeutet der Besitz eines eigenen Hauses zunächst ein Stück Unabhängigkeit.
00:17:29: Doch nicht alle Familienmitglieder begrüßen diese Entwicklung.
00:17:32: Seine Geschwister befürchten offenbar, Karl könne mit seinem Erbe nicht verantwortungsvoll umgehen.
00:17:38: Sie beantragen beim Gericht seine Entmündigung.
00:17:42: Nach damaligen Recht hätte dies bedeutet dass Karl seine rechtliche Selbstständigkeit weitgehend verloren und ein Vormund über sein Vermögen entschieden hätte.
00:17:51: Das Gericht folgt diesem Antrag jedoch nicht.
00:17:54: Offenbar sehen die Richter keinen ausreichenden Grund, Karl Denke für Geschäftsunfähig zu erklären.
00:18:01: Er bleibt her seiner eigenen Angelegenheiten und kann über seinen Besitz selbst verfügen.
00:18:06: Sein Lebensunterhalt verdient er auf bescheidene Weise.
00:18:10: Er fährt dich Körber aus Weidenrouten an, ein Handwerk das in Schlesingen weitverbreitet ist.
00:18:15: Daneben baut ihr auf seinem Grundstück unter anderem Rhabarbe an.
00:18:19: Beides verkauft der regelmäßig auf dem Markt in Münsterberg.
00:18:22: Viele Einwohner kennen ihn deshalb als stillen, fleißigen Korbmacher.
00:18:26: Der mit seinen Waren auf dem Marktplatz erscheint und nur wenige Worte verliert.
00:18:31: Doch wirtschaftlich werden diese folgenden Jahre immer schwieriger – wie viele andere Menschen leidet auch Karl Denke unter der Veränderung der Zeit?
00:18:40: Die wirtschaftlichen Krisen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und insbesondere die schwierige Lage nach dem Ersten Weltkrieg treffen zahlreiche kleine Handwerker- und Landbesitzer.
00:18:50: Schließlich ist Denke gezwungen, seinen Hof zu verkaufen.
00:18:54: Dennoch verlässt er das Haus nicht – er bleibt als Mieter dort wohnen.
00:18:57: Bis zu seinem Tod bewohnt er lediglich ein einfaches Zimmer in dem Gebäude, dass eins ihm selbst gehört hatte.
00:19:05: Es ist genau dieses Zimmer, in dem Vincent Oliver im Dezember, und damit ungewollt eine der erschütterndsten Kriminalermittlungen der Weimarer Republik auslösen wird!
00:19:18: Berghaldenke in den Jahren vor seiner Verhaftung begegnete, sahen ihm keinen Mann, vor dem man sich fürchten musste.
00:19:24: Im Gegenteil!
00:19:26: In Münsterberg kannte man ihn unter dem Namen der schon fast väterlich klang – Papa Denker.
00:19:32: Wie genau dieser Spitzname entstand lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit nachvollziehen.
00:19:37: Wahrscheinlich verdankt er ihm seiner ruhigen zurückhaltenden Art und seiner Bereitschaft Menschen zu helfen die am Rand der Gesellschaft lebten.
00:19:46: Für viele war Karl Denke der ältere Mann, der selten laut wurde sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmerte und bedürftige häufiger Half als er damals selbstverständlich war.
00:19:58: Besonders Wanderarbeiter, Bettler- und Landstreicher fanden bei ihm immer wieder ein offenes Ohr.
00:20:05: Wer auf der Durchreise oder seit Tagen keine richtige Mahlzeit mehr erhalten hatte konnte bei Karl Denker oft ein Stück Brot eine warme Suppe oder eine Tasse Kaffee hoffen.
00:20:16: Manchmal bot er den Männern sogar einen Schlafplatz für die Nacht an.
00:20:20: In einer Zeit in der soziale Sicherungssysteme kaum existierten und viele Menschen von der Hand im Mund lebten, war eine solche Hilfsbereitschaft alles andere als gewöhnlich.
00:20:31: Auch auf dem Wochenmarkt gehörte Karl Denke zum Vertrautenbild – mit seinen selbst geflochtenen Kürben, dem Gemüse aus seinem Garten stand er regelmäßig zwischen den anderen Händlern.
00:20:42: Er war kein Mann großer Worte.
00:20:44: Viele beschrieben ihn als still, höflich und eher schüchtern.
00:20:47: doch gerade diese Unaufälligkeit ließ ihm für einige Mitmenschen vertrauenswürdig erscheinen.
00:20:54: Es gab Gerüchte über seine Eigenarten.
00:20:56: Manche hielten ihn für sonderbar oder etwas verschlossen.
00:21:00: Doch ein gefährlicher Mensch?
00:21:01: Daran dachte kaum jemand.
00:21:04: Als Wincent Oliver Blut überströmt auf die Straße lief und rief Karl Denke, habe versucht ihn zu töten, passte diese Anschuldigung für viele Einwohner schlicht nicht zu dem Bild das sie seit Jahren von Papa Denke hatten.
00:21:16: Und genau darin lag vielleicht einer der Gründe weshalb Karl Denk so lange unbehelligt blieb.
00:21:22: Seinen Ruf war sein größter Schutz.
00:21:25: Niemand erwartete hinter der Fassade des freundlichen Korbenmachers ein Geheimnis dass sich schon bald selbst erfahrene Kriminalbeamte sprachlos machen sollte.
00:21:34: Und doch kennen wir nun an den Anfang unserer Geschichte zurück, in das kleine Zimmer in der Teichstraße Zehn.
00:21:42: Dorthin, wo die Polizeibeamten nach Kaldenkes Tod beginnen seine wenigen Habseligkeiten sorgfältig zu durchsuchen.
00:21:50: Anfangs wirkt vieles unscheinbar – ein einfaches Bett, ein Tisch und einige wenige Möbel!
00:21:57: Doch je länger die Ermittler in dem Zimmer bleiben, desto deutlicher wird ihnen das hier etwas nicht zusammenpasst.
00:22:05: Es sind die zahlreichen Töpfe, die ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
00:22:09: Als einer der Beamten den Deckel eines Topfes anhebt, hält er den Inhalt zunächst für Fleisch – erst beim zweiten Blick erkennt er was tatsächlich vor ihm liegt.
00:22:19: Mit einem Schlag verändert sich die Richtung der gesamten
00:22:21: Ermittlung.".
00:22:23: Was zunächst wie ein verursachtetes Tötungsdelikt an einem Wanderarbeiter erscheint, entwickelt sich innerhalb weniger Stunden zu einem Kriminalfall von kaum vorstellbaren Ausmaß.
00:22:33: Mit jedem weiteren Fund wächst die Gewissheit dass Karl Denke über Jahre ein dunkles Geheimnis verborgen hat.
00:22:40: Die Beamten entdecken nicht nur menschliche Überreste sie sichern Kleidung persönliche Gegenstände und zahlreiche Hinweise die später akribisch ausgewertet werden.
00:22:51: Jeder neue Fund wirft weitere Fragen auf.
00:22:55: Besonders ein unscheinbares Heft zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich, es wirkt zunächst wie ein gewöhnliches Notizbuch.
00:23:03: Doch beim Durchblättern erkennen die Ermittler das Karl Denke darin Namen notiert hat.
00:23:07: Neben den Namen finden sich kurze Angaben zur jeweiligen Person – darunter häufig ihr Beruf oder ihre Tätigkeit.
00:23:15: Schnell entsteht der Verdacht dass es nicht um eine harmlose Liste handelt.
00:23:19: Die Ermittler sprechen später über ein Mordbuch.
00:23:22: In der historischen Literatur wird es häufig auch als Schlachtbuch bezeichnet, einen Begriff, der sich aus Denkes eigenen nüchternen Aufzeichnen ableitet und den sachlichen Charakter des Heftes widerspiegelt.
00:23:35: Insgesamt enthält das Notizbuch «Einund dreißig Einträger».
00:23:39: Der erste stammt aus dem Jahr nineteenhundert drei.
00:23:42: Dort finden sie lediglich ein Vorname – Ida.
00:23:44: Der zweite Eintrag trägt das Datum, der im Dezember, und nennt eine Frau namens Emma Sander.
00:23:54: Der letzte Eintracht stammt aus dem Oktober, nur wenige Wochen bevor Vincent Oliver an Karl Denkes Tür klopft und dessen jahrelange Verbrechen ungewollt beendet.
00:24:06: Bis heute gehen Historiker davon aus dass dieses Heft keine vollständigen Liste aller Opfer gewesen sein muss.
00:24:12: ob Karl Denke tatsächlich nur die dort verzeichneten Menschen tötete oder ob es weitere nie dokumentierte Opfer gab, lässt sich nicht mehr mit letzter Sicherheit beantworten.
00:24:23: Fest steht jedoch – das kleine Notizbuch wird für die Ermittler zu einem der wichtigsten Beweistöcke des Gesamtenfalls.
00:24:30: Es ermöglicht erstmals das ungeheure Ausmaß der mutmaßlichen Taten zumindest in Ansätzen zu erfassen.
00:24:38: Einer der Namen im Karl-Denkes Notizbuch lässt die Ermitler besonders aufhorchen Emma Sander.
00:24:44: Ihr Schicksal war der Polizei nicht unbekannt, anders als viele der anderen Namen hatte ihr Fall bereits Jahre zuvor die Behörden beschäftigt und waren Münsterberg unter Umgebung bekannter als andere.
00:24:57: Am einundzwanzigten Dezember-Ninzehnhundertneun machte sich Emma Sonder auf den Weg nach Heinrichau – sie erreicht ihr Ziel jedoch nie!
00:25:06: Die Suche nach der Vermissten begann schon bald.
00:25:09: In einem Waldstück zwischen Neuhof und Heinrichhaus stieß der Ermittler auf den Deckel ihrer Kaffeekanne.
00:25:15: Der Fund schien zunächst unbedeutend, doch später vermutete man das sich dort der Tatort befunden haben könnte – jener Ort an dem Emma Sander vermutlich überrascht und überwältigt wurde.
00:25:27: Nach den späteren Erkenntnissen wurde sie zunächst gewürgt und anschließend geschächtet.
00:25:33: Der Begriff Schächten bezeichnet ursprünglich eine Schlachtmethode, bei der die großen Blutgefäße am Hals mit einem tiefen Schnitt durchtrennt werden.
00:25:42: In den historischen Ermittlungsakten wurde dieser Begriff verwendet um die Art der Verletzung zu beschreiben.
00:25:49: Er stammt aus der damaligen Sprache der Gerichtsmedizin und Polizei und ist als nicht wertene oder situationsorientierte Beschreibung zu verstehen.
00:25:57: Zwei Tage später – am XXIII.
00:26:00: Dezember machen Suchtrupps einen weiteren Pfund.
00:26:05: Weiter südlich entdecken sie den Torsof von Emma Sander.
00:26:08: Der Leichnam ist in ihre eigene Kleidung eingewickelt.
00:26:12: Für die Ermittler ist sofort klar, dass sie es mit einem außergewöhnlich schwärm Gewaltverbrechen zu tun haben.
00:26:18: Noch ahnt jedoch niemand das dieser Fall viele Jahre später eine entscheidende Rolle bei der Ermittlung gegen Karl Denke spielen wird.
00:26:26: Die Suche geht weiter.
00:26:29: Nur wenig später machen die Amitler einen weiteren Fund.
00:26:33: Etwas näher bei Neuhof, unweit der Bahngleise entdecken sie ein Bündel.
00:26:38: Darin befindet sich der Kopf und die Arme von Amazoner sorgfältig in Stoff eingewickelt.
00:26:44: Für Diamitler ergibt sich damit erstmals eine mögliche Bewegungsrichtung.
00:26:49: Die Fundorte scheinen auf einem Weg hinzudeuten, deren Richtung Münsterberg führt.
00:26:54: Vier Tage später folgt die nächste Entdeckung.
00:26:58: Kinder, die in der Nähe des Bahnhofs vom Münsterberg spielen, stoßen auf weitere Leichenteile.
00:27:03: Die Unterschenkel und Füße der Getöteten.
00:27:06: erneut sichern die Ermittler die Fundstelle und versuchen aus der Verteilung der Körperteile Rückschlüsse auf die Täter zu ziehen.
00:27:14: Besonders bemerkensweit ist dabei der letzte bekannte Pfundort.
00:27:18: Er liegt unmittelbar am Eingang der Teichstraße, jener Straße, in der Kaldenke wohnte.
00:27:25: Ob diese Nähe zufällbar oder bereits damals auf den späteren Tatverdächtigen hätte hindeuten können, lässt sich heute nicht mehr beantworten.
00:27:33: Dener Mitlern des Jahres neunzehnhundertneuen fehlte jeder Anhaltspunkt der es zu dem stillen Korbmacher hätte führen können.
00:27:41: Bei der Untersuchung der Leichenteile fällt den Gerichtsmedizinern zudem ein außergewöhnliches Detail auf.
00:27:47: Aus den Beinen waren längliche Streifen herausgeschnitten worden.
00:27:51: Eine derartige Verstümmlung war den Ermittlern bis dahin in dieser Form nicht bekannt und ließ sie zunächst auch nicht erklären.
00:28:00: Erst viele Jahre später, nachdem Funden in Caldenkes Wohnung unter Auswertung seiner Aufzeichnung erhielt auch dieser Befund eine neue erschütternde Bedeutung.
00:28:10: Dennoch blieben bis heute viele Fragen unbeantwortet.
00:28:15: Warum wurde ausgerechnet Ermasander Opfer von Caldenke?
00:28:18: War ihre Begegnung reiner Zufall oder hat er sie gezielt ausgewählt?
00:28:23: Weshalb fanden sich Ihre Leichenteile entlang des Weges nach Münsterberg.
00:28:28: Verlor er Sie während des Transportes, oder legte er sie bewusst an verschiedenen Orten ab um kein Verdacht zu erregen und die Ermittlungen in die Ihre zu führen?
00:28:37: Antworten auf diese Fragen wird es vermutlich nie geben!
00:28:41: Mit Karl Denke Suizid starb der einzige Mensch der die Hintergründe dieser Tate erklären können….
00:28:48: Ein Gerichtsverfahren, indem er sich für den Mord an Amazanda und die weiteren mutwaslichen Taten hätte verantworten müssen hat es nie gegeben.
00:28:56: Die Ermittlung in dem Fall Amazander führten jedoch zunächst in eine ganz andere Richtung.
00:29:02: Schon bald geriet der örtliche Schlachter Eduard Trautmann in den Fokus der Polizei.
00:29:09: Nach Aussagen von Zeugen soll Amazandar seine Annäherungsthauresuche zurückgewiesen haben.
00:29:14: In diesem Zusammenhang wurde ihm eine Drohung zugeschrieben.
00:29:17: Sinngemäß soll Trautmann zu ihr gesagt haben, wenn du mich nicht willst dann bringe ich dich
00:29:23: um.".
00:29:25: Für Diamitler gewann diese Aussage erhebliches Gewicht.
00:29:29: Hinzu kam ein weiterer Umstand Die Verletzungen am Hals der Getöteten erinnerten die damaligen Gerichtsmediziner an einen sogenannten Hammelstich – einem Schnitt wie er beim Schlachten von Schafen angewendet wurde.
00:29:44: Aus heutiger Sicht ist Vorsicht bei einer solchen Schlussfolgerung geboten.
00:29:48: Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, maßener Mittler der beruflichen Erfahrung eines Schlachters jedoch eine deutlich größere Bedeutung als heute zu.
00:29:57: Da Eduard Trautmann zudem kein Entlastnis Alibi für die Tatzeit vorweisen konnte, verdichtete sich der Verdacht gegen ihn.
00:30:05: Im Jahr nineteen Hundert Elf wurde er schließlich wegen Mordes an Emma Sander zur lebenslanger Haft verurteilt.
00:30:11: Trautman beteuerte seine Unschuld Doch das Gericht folgte der Beweislage, wie sie sich damals darstellte.
00:30:18: Er trat seine Strafe an und verbrachte viele Jahre im Gefängnis.
00:30:22: Erst nach Caldenkis Tod nahm der Fall eine dramatische Wendung.
00:30:27: Bei der Auswertungen von Denkes' Notizbuch stieß die ermittler auf den Namen Emma Sander.
00:30:32: Plötzlich erschien der Mord in einem völlig neuem Licht.
00:30:35: Die Eintragung sprach dafür dass nicht Eduard Trautmann sondern Caldenke für ihren Tod verantwortlich gewesen sein
00:30:41: könnte.".
00:30:43: Damit wurde deutlich, dass Eduard Trautmann höchstwahrscheinlich unschuldig verurteilt worden war.
00:30:48: Für ihn kam dieser Kenntnis jedoch viel zu spät.
00:30:52: Einen großen Teil seiner Strafe hat er bereits verbüßt – bevor sich durch Karl Denkes Aufzeichnung herausstellte, das der wahre Täter aller Wahrscheinlichkeit nach ein anderer gewesen war!
00:31:02: Der Fall gilt bis heute als eines der eindrücklichsten Beispiele dafür wie ein Justizirrtum durch neue Beweismittel erst viele Jahre später ans Licht kommen kann….
00:31:12: Nach Kaldenkes Verhaftung und seinem Tod beginnt die Polizei mit einer umfassenden Durchsuchung seines Wohnhauses und des gesamten Grundstücks.
00:31:20: Schon bald wird deutlich, dass die wenigen Pfundstücke aus seinem Zimmern nur einen kleinen Teil dessen darstellen was sie ja mittlerweile noch erwartet.
00:31:27: Besondere Aufmerksamkeit gilt einem Schuppen auf dem Grundstück zu dem nach den damaligen Ermittlungen ausschließlich Kaldenke Zugang gehabt haben soll.
00:31:36: Dort machen die Beamten ein weiterer schütternden Fund.
00:31:40: Sie sichern insgesamt vierhundertachzig menschliche Knochen sowie eine Sammlung menschlicher Zähne.
00:31:48: Die Überreste werden sorgfältig kategorisiert und später von Gerichtsmedizinern untersucht, schnell wird klar dass sie von zahlreich verschiedenen Personen stammen müssen.
00:31:58: doch damit nicht genug.
00:32:02: auf dem Grundstück finden die Ermittler außerdem persönliche Gegenstände mutmaßlicher Opfer.
00:32:07: Darunter befinden sich Ausweispapiere, Hüte und Kleidungsstücke.
00:32:12: Ein Teil dieser Gegenstände ist in einem Ofenrohr versteckt worden.
00:32:16: Andere werden in einem kleinen Tümpel hinter dem Haus entdeckt.
00:32:20: Um alle möglichen Beweismittel zu sichern lässt die Polizei den Tüempel vollständig abpumpt.
00:32:25: auch dort kommen weitere persönliche Gegenständes zum Vorschein.
00:32:30: Die Suche beschränkt nicht nur auf das Grundstück.
00:32:33: In einem nahegelegenen Waldstück finden ja mittlerweile weitere menschliche Knochenfragmente.
00:32:38: Mit jedem neuen Fund wächst die Gewissheit, dass sich die mutmaßlichen Taten über viele Jahre strikt haben müssen.
00:32:46: Für die Polizei beginnt nun die schwierige Aufgabe, die sterblichen Überreste einzelnen Personen zuzuordnen.
00:32:52: Viele der Opfer lassen sich jedoch nie zweifelsfrei identifizieren.
00:32:57: Ein Grund dafür liegt in den Lebensumständen der Betroffenen.
00:33:01: Nach allem was heute bekannt ist handelt es sich bei vielen Opfern um Wanderarbeiter, Bettler oder Menschen ohne festen Wohnsitz.
00:33:08: Sie zogen auf der Suche nach Arbeit durch Schlesien und darüber hinaus.
00:33:12: Verschwand einer von ihnen fiel dies häufig erst spät oder gar nicht auf.
00:33:17: Angehörige lebten oftmals weit entfernt, oder wussten nicht wo sich ihre Familienmitglieder zuletzt aufgehalten hatten.
00:33:25: Hinzu kamen die begrenzten Möglichkeiten der damaligen Polizeiarbeit.
00:33:29: Es gab keine zentralen Vermissten-Datei, keine automatischen Informationsaustausch zwischen den Behörden und keine modern mit un zur Identifizierung von Toten.
00:33:39: Vermisstenfälle wurden häufig nur regional bearbeitet und ließen sich nur schwer mit Funden aus anderen Orten in Verbindung bringen.
00:33:48: So blieben viele von Karl Denkes mutmaßlichen Opfern über Jahre hinweg lediglich vermisste, Menschen nach denen entweder nur kurz gesucht wurde oder deren Verschwinden nie mit einem der späteren Funden Münsterberg in Verbindung gebracht werden konnten.
00:34:03: Auch in Karl Denke's Zimmer finden ja mittlerweile wichtige Beweistücke – sie stellen unter anderem eine Handsäge und eine Spitzhacke sicher Werkzeuge die nach den damaligen Erkenntnissen mit den Taten in Verbindung standen.
00:34:16: Die Spitzhacke entspricht jener Waffe, mit der Vincent Oliver angegriffen worden war.
00:34:21: Nach und nach entsteht das Bild einer immer wiederkehrenden Vorgehensweise.
00:34:26: Karl Denke sprach gezielt Menschen an die sich in einer besonders schwierigen Lebenslage befanden.
00:34:32: Wanderarbeiter, Bettler oder Durchreisende, die sich auf eine Suche nach einer Mahlzeit oder einer kleinen Verdienstmöglichkeit waren.
00:34:40: Wie in dem Fall von Vincent Oliver bot er ihnen zunächst Hilfe an, manchmal Versprache etwas zu essen, manchmal ein Schlaf bleibt oder ein paar Fennig für eine einfache Tätigkeit.
00:34:51: Zu diesen Arbeiten gehörte etwa das Schreiben eines Briefes oder andere kleine Dienste die harmlos wirken.
00:34:57: Sobald seine Besucher sich sicher fühlten und ihre Aufmerksamkeit nachließ gerieten sie den Hinterhalt.
00:35:04: Doch nicht jeder Angriff endete tödlich.
00:35:06: Nach den damaligen Ermittlungsakten gelang es mindestens zwei Menschen die Flucht aus Kraldenkes Wohnung, auffällig ist jedoch das keiner von ihnen Anzeige gegen ihn erstattete.
00:35:17: Worum sie schwiegen lässt sich heute nicht mit letzter Sicherheit beantworten.
00:35:21: Historiker vermuten jedoch dass die gesellschaftlichen Umstände eine Rolle gespielt haben könnten.
00:35:27: Betteln und Hausieren waren vielerorts verboten oder zumindest streng reglementiert.
00:35:32: Wer ohne festen Wohnsitz unterwegs war, musste häufig selbst mit polizeilichen Maßnahmen rechnen.
00:35:38: Für manche Betroffene mag die Angst vor einer eigenen Bestrafung oder die Sorge ihn würde ohnehin keiner Glauben schenken größer gewesen sein als die Hoffnung auf Gerechtigkeit.
00:35:48: Karl Denke wartete jedoch nicht ausschließlich darauf dass die Menschen an seine Tür klopften.
00:35:54: Die Ermittlungen ergaben, dass er sich offenbar auch in der Herrberge zur Heimat an der Rosenstraße aufhielt.
00:36:01: Solche Herrbergen boten Mittellosen, Wanderarbeitern und Durchreisen eine einfache Unterkunft für eine Nacht und waren oft die letzte Anlaufstelle für Menschen ohne Arbeit oder ohne festen Wohnsitz.
00:36:13: Dort soll denke immer wieder nach Personen Ausschau gehalten haben, die allein unterwegs waren und keine eng soziale Bindung in der Stadt besaßen.
00:36:22: Für einen Täter, der darauf angewiesen war, dass das Verschwinden seiner Opfer möglichst lange unbemerkt blieb waren genau diese Menschen besonders verletzlich.
00:36:32: So zeichneten die Ermittlung des Bild eines Mannes, der über viele Jahre gezählt die Not und Schutzlosigkeit anderer menschen ausnutze – Menschen deren verschwinden in der damaligen Zeit oft erst spät oder überhaupt nicht auffiel.
00:36:45: An dieser Stelle schließt sich der Kreis zu dem Moment an dem diese Geschichte begonnen
00:36:50: hat.".
00:36:52: Zu den Töpfen in Karl-Denkes Zimmer.
00:36:55: Als der Polizeibeamte den Deckel anhob und den Inhalt erkannte, war seine Reaktion kein Ausdruck übertriebener Sensibilität.
00:37:03: Was er vor sich sah, widersprach allem was selbst erfahrener Mittler bis dahin erlebt hatten.
00:37:09: In mehreren Töpfeln fanden sie menschliche Gewebeteile.
00:37:13: Die gerichtsmedizinischen Untersuchung bestätigten später dass es sich tatsächlich um menschliches Fleisch handelte.
00:37:20: Darüber hinaus wurden daran menschliche Haare festgestellt.
00:37:24: Spätestens jetzt bestand für Diamitler kein Zweifel mehr daran, dass Karl Denke die Körper seiner Opfer nicht nur zerstückelt hatte – er hatte Teile von ihm aufbewahrt.
00:37:35: Nach den damaligen Ermittlungen und zahlreichen zeitgenössischen Berichten geht man zudem davon aus das Denken selbstmännliches Fleisch verzehrte.
00:37:44: mehrere Quellen berichten außerdem, dass er Fleisch verkauft oder an andere Menschen weitergegeben haben soll.
00:37:50: Besonders häufig wird die Überlieferung erwähnt – er habe für eine Hochzeitfeier Fleisch geliefert, das von den Gästen für Ziegenfleisch gehalten worden sei.
00:38:00: Ob sich dieser einzelne Vorfall heute noch zweifelsfrei belegen lässt ist unter Historikern umstritten.
00:38:06: Unbestrittenes jedoch, daß Fleisch in den wirtschaftlichen schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein kostbares Lebensmittel war.
00:38:13: Für viele Menschen war es ein seltener Luxus.
00:38:16: Zudem unterscheidet sich gegartes Fleisch verschiedener Tierarten für einen Leinen nicht eindeutig im Aussehen, sodass Herkunft und Art häufig kaum überprüft werden
00:38:26: konnten.".
00:38:28: Mit diesen Erkenntnissen stellt sich den ermittlern die Frage, die bis heute nicht einteutig beantwortet werden kann – was trieb Karl Denke an?
00:38:37: War's in erster Linie die Not einer Zeit, in der Lebensmittel knapp waren?
00:38:42: oder spielte der Hunger tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle.
00:38:46: Einige Kriminalhistoriker und Psychologen vermuten, dass Denkistaten über ein bloßes Beschaffen von Nahrung weit hinausging.
00:38:55: Sie sehen Hinweise auf eine Form des Kanibalismus für das Essen menschlichen Fleisches nicht aus Mangel geschiebt sondern Teil der Tat selbst wird.
00:39:05: In der Fachliteratur wird unter anderem die Möglichkeit diskutiert, dass der Verzehr Ausdruck eines tiefergehenden Bedürfnisses nach Kontrolle oder nach einem symbolischen Einverleiben des Opfers gewesen sein könnte.
00:39:19: Für keiner dieser Deutung existiert jedoch ein eindeutiger Beweis.
00:39:23: Karl Denke hinterließ kein Geständnis, keine persönlichen Aufzeichnung über seine Bewegungsrunde oder keine Erklärungen für sein Handeln – durch seinen Suizid nahm er die Antworten auf diese Fragen mit ins Grab.
00:39:38: So bleibt bis heute nicht nur die Zahl seiner Opfer ungewiss, sondern auch das Motiv eines Mannes dessen wahre Gedanken wohl für immer verborgen bleiben werden.
00:39:48: Mit jedem weiteren Tag der Ermittlung wird das Ausmaß der Taten deutlicher – in Karl Denkes Wohnung finden die Beamten nicht nur menschliche Überreste, sondern noch Gegenstände deren Deutung ihn zunächst nicht vollständig klar
00:40:01: ist.".
00:40:02: Zwischen verschiedenen Stoffresten entdecken sie Bündel, die mit schmalen Streifen menschlicher Haut verschnürt worden sind.
00:40:09: Die Funde zeigen das denke die Körper seiner Opfer nicht nur zerstückete und Teile von ihnen verzerrte sondern einzelne Körperbestandteile offenbar auch weiterverarbeitete.
00:40:21: Zu den ungewöhnlichsten Beweistücken gehören ein paar Hosenträger aus gegärbter menschliche Haut.
00:40:27: Nach den damaligen Ermittlungsakten soll Karl Denke diese bei seiner Festnahme selbst getragen haben.
00:40:33: Für die Ermittler ist dies ein weiterer Hinweis darauf, dass seine Taten weit über die Tötung seiner Opfer hinausgingen.
00:40:40: Rückblickend erhalten dadurch auf frühere Ermittlungen eine neue
00:40:44: Bedeutung.".
00:40:46: So erklären diese Funde möglicherweise weshalb dem Gerichtsmedizin am bereits im Fall Emma Sanders aufgefallen war das aus den Beinen längliche Streifen herausgeschnitten worden waren.
00:40:57: Was man neunzehnhundert neu nicht einordnen konnte, fügte sich nun das Bild, dass die ermittlernd nach Denkes Tod Stück für Stück zusammensetzen.
00:41:06: Auch das sogenannte Schlachtbuch wird immer genauer ausgewertet.
00:41:10: Karl Denke notiert darin nicht nur Namen und Beruf seiner mutmaßlichen Opfer – er vermerkt auch den überlieferten Aufzeichnung nach ihr Körpergewicht sowohl vor- als auch nach der Zerteilung.
00:41:22: Diese nüchternen Eintragungen wirken beinah wie Buchführung und lassen die Taten umso erschütterner erscheinen.
00:41:30: Die dort aufgeführten Menschen unterscheiden sich erheblich in ihrem Alter, das jüngste Bekannte Opfer war es vierzehn Jahre alt – das älteste bereits sechsunsehbzig.
00:41:41: Als die Ergebnisse der Ermittlung schließlich öffentlich werden gerät Münsterberg in einen Zustand tiefer Bestürzung.
00:41:47: Die Vorstellung, dass ein Mann der vieler als freundlichen Papa-denke gekannt hatten über Jahrzehnten weg unbemerkt töten konnte erschüttert die Stadt.
00:41:57: Noch schwerer wiegt für viele jedoch ein anderer Gedanke.
00:42:01: Die Berichte über den nachgewiesen Kanibalismus verbreiten sich rasch.
00:42:05: Für die Menschen jener Zeit ist dies kaum vorstellbar.
00:42:08: Kanibalismus gehört zu den stärksten gesellschaftlichen Tabus überhaupt – damals ebenso wie heute!
00:42:16: Hinzu kommen Gerüchte und Berichte, nach denen Karl Denke an andere Menschen Fleisch weitergegeben haben soll oder es verkauft hatte.
00:42:24: Auch wenn sich nicht jede einzelne Überlieferung zweifelsfrei belegen lässt lösen diese große Verunsicherung aus!
00:42:30: Viele Einwohner dürfen sich gefragt haben ob sie Karl Denki jemals begegnet waren?
00:42:36: Ob Sie auf dem Markt beim Fleisch eingekauft hatten?
00:42:39: Oder ob Sie vielleicht sogar einmal Fleisch gegessen hat, dessen Herkunft sie nie hinterfragt
00:42:43: hatten?!
00:42:45: Es sind Fragen, auf die es bis heute keine sicheren Antworten gibt.
00:42:49: Doch allein die Möglichkeit genügte um das Vertrauen einer ganzen Stadt nachhaltig zu erschüttern.
00:42:55: an dieser Stelle stellt sich fast unweigerlich eine Frage Wie konnte all das über so viele Jahre unbemerkt bleiben?
00:43:04: Aus heutiger Sicht erscheint es kaum vorstellbar dass niemand Verdacht schöpfte.
00:43:09: Doch betrachtet man die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit, wird zumindest verständlicher warum Karl Denke so lange unentdeckt blieb.
00:43:17: Seine Nachbarn berichteten später zwar, dass sie nachts immer wieder Hammer schläge und andere Arbeitsgeräusche aus seinem Haus hörten – verdächtig erschien ihn das jedoch nicht!
00:43:27: Karl Denker war als Korbmacher bekannt.
00:43:30: Dass er bis abends oder in den Nachtstunden arbeitete, passte zu dem Bild, dass die Menschen von ihm hatten.
00:43:35: Niemand vermutete hinter den Geräuschen etwas anderes als die Herstellung seiner Körper.
00:43:41: Auch die Frage nach möglichen Gerüchen wird häufig gestellt, doch Münsterberg des Jahres neunzeigundzwanzig war nicht mit einer heutigen Kleinstadt zu vergleichen.
00:43:51: fließendes Wasser war längst nicht überall.
00:43:53: selbstverständlich regelmäßige Körperpflege für viele Menschen deutlich schwieriger als heute und Tierhaltung gehörte in weiten Teilen der Stadt zum Alltag.
00:44:02: Pferde, Schweine und anderes Vieh prägen Straßen- und Hinterhöfe.
00:44:07: Hinzu kamen Kohleöfen, Apfälle und offene Abwasserkreben.
00:44:11: Gerüche waren allgegenwärtig und wesentlich intensiver als in einer modernen Stadt.
00:44:17: Selbst wenn Denkes Haus ein ungewöhnlicher Geruch wahrnehmbar gewesen sein sollte hätte es in dieser Umgebung vermutlich weit weniger Aufmerksamkeit erregt als heute.
00:44:28: Vor allem aber Genoss Karl denke das Vertrauen seiner Mitmenschen.
00:44:33: Die meisten kannten ihn als stillen Hilfsbereitenmann.
00:44:36: Er war Küster der evangelischen Kirche und gehörte damit zu einer Person, der man Verantwortung und Verlässlichkeit zuschrieb.
00:44:43: Gerade dieser gute Ruf durfte wesentlich dazu beigetragen haben dass kaum jemand ernsthaft ein Verdacht gegen ihn hegte.
00:44:51: Warum Karl denke Tat was er tat wird dagegen vermutlich nie beantwortet werden.
00:44:57: Sein Suizid verhindert jede gerichtliche Aufarbeitung.
00:45:01: Es gab kein Geständnis, keine Aussage und keine Möglichkeit ihn nach seinen Beweggründen zu befragen.
00:45:07: Alles was Historiker und Kriminalpsychologen heute über seine Motive sagen können bleibt letztendlich eine Annäherung an Hand der Erhaltenden Spuren.
00:45:16: In einem Punkt waren sich die Verantwortlichen damals jedoch schnell einig.
00:45:21: Karl Denke sollte ohne öffentliche Aufmerksamkeit beigesetzt werden, man wollte verhindern dass sein Grab zu einem Ort der Neugier oder gerade der Verehrung wurde.
00:45:31: deshalb fand die Beerdigung unter Ausstoß der Öffentlichkeit statt.
00:45:35: Am Neujahrsmorgen des Jahres neunzehntfünfundzwanzig gegen sechs Uhr treißig wurde Karl Denker auf dem Friedhof in Münsterberg an einer abgelegenen Stelle bestattet.
00:45:46: wo genau sich das Grab befand, ist bis heute unbekannt geblieben.
00:45:51: Es ist eine bittere Ironie der Geschichte!
00:45:55: Der Mann, der zahlreichen Menschen das Leben nahm und vielen von ihnen nicht einmal eine würdige Bestattung ließ, erhebt selbst zumindest ein Grab – auch wenn dessen genauer Ort längsten Vergessenheit geraten ist.
00:46:08: Bevor wir diese Akte schließen, lohnt sie jedoch noch einen letzter Blick auf den Menschenkarl Denke….
00:46:14: Der deutsche Kriminalbiologe Marc Benicke weiß daraufhin, dass Denken vielerlei Hinsicht nicht dem Bild entspricht, das viele Menschen heute von einem Serienmörder haben.
00:46:25: Während zahlreiche bekannte Serien-Mörder durch ein ausgeprägtes Geldungsbedürfnis Manipulation oder in oberflächlich charmantes Auftreten auffielen wirkte Karl Denkend nach außen eher unscheinbar verschlossen und sonderbar.
00:46:39: Er suchte weder öffentliche Aufmerksamkeit, noch scheint er ein Bedürfnis gehabt zu haben mit seinen Taten zu prallen.
00:46:47: Auch ein weiterer Aspekt unterscheidet ihn von vielen bekannten Serienmördern.
00:46:51: Bei Karl Denke gibt es keinerlei Belastbarung hinweist darauf dass seine Taten von einem sexuellen Motivation getragen wurden.
00:46:59: Seine Opfer waren Frauen und Männer.
00:47:01: Jugendliche und ältere Menschen Alter oder Geschlecht scheinen für seine Auswahl kaum eine Rolle gespielt zu haben.
00:47:09: Über seine tatsächlichen Beweggründe lässt sich deshalb bis heute nur spekulieren.
00:47:13: In der Fachwelt werden unterschiedliche Erklärungsansätze diskutiert, darunter auch die Möglichkeit das Kaldenke asexuell gewesen sein könnte – belegen lässt sich dies jedoch nicht!
00:47:25: Was bleibt in diesem Fall?
00:47:27: Von Kaldenken selbst kaum etwas... Sein Grab ist verschwunden, sein Haus existiert in veränderter Form bis heute und die Erreste im Rathaus, in der er starb dienten zwischen einem schlichten Lagerraum.
00:47:40: Geblieben sind vor allem die Fragen Wie konnte ein Mann über Jahrzehnte unbemerkt töten?
00:47:47: Warum fehlen so viele Menschen seinem Handeln zum Opfer ohne dass ihr Verschwinden miteinander in Verbindung gebracht wurde?
00:47:55: Und wie viele Opfer würde es tatsächlich gegeben haben?
00:48:00: Vor allem aber bleiben die Menschen, deren Namen heute oft nur noch in vergibten Akten oder in Karl-Denkes Notizbuch überliefert sind.
00:48:08: Bandearbeiter, Bettler und Durchreisene – Menschen, die am Rand der Gesellschaft lebten und deren Verschwinden damals häufig kaum Beachtung fand.
00:48:17: Ihre Geschichten erinnern uns daran, wie leicht Menschen vergessen werden können wenn niemand nach ihnen fragt.
00:48:23: Vielleicht ist genau das die wichtigste Lehre dieses Falls!
00:48:28: Nicht die Grausamkeit des Täters sollte in Erinnerung bleiben, sondern das Schicksal seiner Opfer und ihr Kenntnis dass jeder Mensch unabhängig von Herkunftsberuf oder sozialen Stand es verdient gesehen und erinnert zu werden.
00:48:42: Damit erne die historische Rekonstruktion dieses außergewöhnlichen Fals So und wie immer.
00:48:49: zum Schluss möchte ich einige meiner persönlichen Gedanken mit euch teilen.
00:48:54: Also keine neuen Fakten, sondern Eindrücke die mich während der Recherche besonders beschäftigt haben.
00:49:00: Ich muss mal sagen was für ein Fall also.
00:49:03: auch wenn das ein ja super alter Fall ist lässt er einen doch nicht so einfach los vor allen Dingen weil er sich halt ums Thema Cannibalismus dreht Was tatsächlich heute wirklich ein großes Tabuthema ist.
00:49:19: Also das ist schon sehr, sehr schwer zu verdauen muss ich tatsächlich sagen.
00:49:22: Es gibt auch einen Film den ich gefunden habe aus dem wirklich deutlich hervorgeht okay wie ist es abgelaufen?
00:49:29: Ich meine es sind Filme.
00:49:30: dort kommt immer ein bisschen mehr dazu als wirklich gewesen ist.
00:49:32: aber auch wenn man sich die Dokumentation von oder mit Marc Behnike und Armin Rütters anschaut, wird glaube ich ganz deutlich was in dem Fall da so vor sich ging.
00:49:46: Zumindest das, was man bis heute sagen kann!
00:49:49: Ich muss sagen mein erster Gedanke dazu war dass ich irgendwie die totale Ethgien-Vibes hatte.
00:49:56: Ich habe dann nur noch gewartet irgendwo dass eine Schüssel aus einem Schädel auftaucht also so Makaba.
00:50:00: das klingt aber Ethgiene.
00:50:02: den Fall kennen wahrscheinlich ganz ganz ganz viele.
00:50:05: und für alle die nicht kennen... Also Das ist ein super bekannter Mörder aus den USA, von dem es auch eine neue Netflix-Serie gefasst hat.
00:50:16: Die ist schon eine Weile auf dem Markt aber unter Monster wurde der Fall Ethikin verfilmt.
00:50:21: Ich denke mal denen kennen auch viele.
00:50:24: Und auch wenn Ethikin kein Kaniwale war, ich fand so diese Parallelen irgendwie die Hosenträger aus menschlicher Haut.
00:50:32: Also da läuft einem schon Eis kalt den Rücken runter man stellt sich das bildlich vor und man versucht einfach nur die Bilder auf seinem Kopf zu bekommen.
00:50:39: also das muss ich tatsächlich sagen Also ich fand das tatsächlich super schwierig, den Fall irgendwie aus meinem Kopf zu bekommen.
00:50:47: Weil natürlich wenn man so ein Fall recherchiert beschäftigt man sich sehr lange damit und liest noch mal was anderes nach oder so.
00:50:54: aber das ist ein Fall der wirklich richtig im Kopf hängen bleibt.
00:50:58: also den vergisst du da nicht bloß weil du was anderes tust also schon wirklich ein hartes Brett muss ich sagen.
00:51:04: Was ich noch sehr schade fand, ist natürlich dass man gar nichts weiß warum er das getan hat.
00:51:11: Also mich hätte wirklich interessiert, hatte das gemacht weil es zu der Zeit halt wenig Fleisch gab und er so großen Hunger hatte.
00:51:17: was ich mir fast gar nicht vorstellen kann war das ja so eine wahnsinns Überwindung sein?
00:51:21: muss menschliches Fleisch zuerst?
00:51:23: man selber kann sich das gar nicht vorstellen Und es gab halt keine Gutachten über seine Psyche, weil er sich halt zuizidiert hat und das fand ich sehr, sehr schade.
00:51:34: Weil man gar nicht gewusst hat okay warum hatte der das getan?
00:51:38: Vielleicht hätte man dann besser damit abschließen können.
00:51:41: so bleibt es halt sehr offen.
00:51:43: Das finde ich an diesem Fall auch noch einen ganz schwierigen Aspekt.
00:51:47: Nichtsdestotrotz hoffe ich natürlich, dass euch die Erzählung gefallen hat!
00:51:52: Dass ihr gut mitgekommen seid, das sich verständlich rüber gebracht habt worum es ging und vor allen Dingen auch meine persönlichen Beweggründe einfach mit gut rübergebracht habe.
00:52:02: Und bevor wir uns heute verabschieden jedem dem es aufgefallen ist am Anfang der Folge, habe ich noch eine kleine Neuigkeit zu verkünden.
00:52:12: Viele von euch haben nach mehr Folgen gefragt und sich das auch gewünscht.
00:52:16: Und ja, ich freue mich dass ich euch diesen Wunsch erfüllen kann.
00:52:20: ab sofort erscheint was bleibt jede Woche!
00:52:25: Es wird sich noch etwas verändern und zwar neben den großen Fällen am Sonntag erwartet euch dann künftig Mittwochs eine zusätzliche Folge.
00:52:32: die würde wahrscheinlich etwas kleiner ausfallen aber darin Werfen wir da nochmal einen Blick auf den Fall und sprechen aber über ein einzelnes Thema, was im Fall nicht komplett besprochen worden ist.
00:52:47: Also irgendwas, das dann so am Rande Platz fand.
00:52:51: Den Anfang machen wir in der Woche die jetzt kommt mit der Frage wie arbeitet die Forensik eigentlich um nineteenhundertzwanzig?
00:53:00: Wie gesagt, das besprechen ja Mittwoch oder generell Mittwochs wird es immer so eine Folge sein und Sonntags, jeden Sonntag jetzt aktuell wird es einen neuen Fall geben.
00:53:13: Ja dann freue ich mich wenn ihr auch dort dabei seid.
00:53:18: Natürlich freue ich mich ebenso über eine Bewertung des Podcasts, einen Kommentarwert total klasse ein bisschen austauscht.
00:53:27: Vielleicht auch Themen die ihr euch wünscht oder wer sagt Mensch da können wir noch ein bisschen öfter darüber reden.
00:53:32: also Input immer her.
00:53:33: damit bin ich total offen dafür und ich würde sagen vielen Dank dass ihr mich heute auf der Reise hier begleitet habt Und würde sagen, wir machen da nächste Woche Sonntag den nächsten Fall auf.
00:53:48: Wie gesagt, mitwochs kleine Folge nicht vergessen und dann würde ich meinen Pasta vielleicht auf, habt eine gute Zeit und bis bald!
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