Der Fall Fritz Haarmann Warte, warte nur ein Weilchen

Shownotes

🎧 Was bleibt – Historische Kriminalfälle & Geschichten, die nachwirken.

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00:00:02: Warte, warte nur ein Weilchen.

00:00:04: Bald kommt Harmon auch zu dir.

00:00:06: Mit dem Hackebeilchen macht er Hackfleisch aus dir.

00:00:10: Aus den Augen macht er Sülze.

00:00:12: Aus dem Hintern macht es Speck.

00:00:15: Aus Den Därmen macht Erwürste und den Rest den schmeißt er weg.

00:00:20: Kinder stimmen leise fass singend nicht fröhlich eher wie etwas das man irgendwo einmal gehört hat und nie wieder ganz vergessen konnte.

00:00:30: Warte!

00:00:31: Warte nur Einweilchen.

00:00:33: Es gibt Geschichten, die verschwinden und es gibt Geschichte, die bleiben.

00:00:38: Nicht wegen der Orte nicht wegen der Menschen sondern wegen weniger Worte, die erzehnt überdauern Ein Reim weitergegeben auf Schulhöfen in Hinterhöfen zwischen Flüstern und Lachen Und irgendwann vergisst man dass hinter diesen Zeilen einmal ein echter Mensch stand.

00:00:58: Ein Name ein Haus und eine Geschichte.

00:01:04: Bald kommt Harmon auch zu dir.

00:01:07: Hannhofer.

00:01:08: Anfang der neunzehntzwanziger Jahre Die Stadt versucht nach Krieg und Entbehrung wieder ihren Rhythmus zu finden.

00:01:15: Menschen kommen, Menschen gehen Am Bahnhof herrscht enges Getränke Koffer werden getragen Züge fahren ein Andere verlassen die Stadt Und irgendwo dazwischen verschwinden Menschen.

00:01:29: Nicht plötzlich.

00:01:31: Nicht so dass alles still steht Nicht so, dass Zeitung jeden Tag darüber berichten.

00:01:37: Sondern leiser!

00:01:39: Fast so als wären sie einfach weitergezogen.

00:01:42: Viele der Vermissten sind jung – ohne festen Wohnsitz, ohne große Familie.

00:01:48: Menschen nach den Orten niemand mehr fragt und während die Stadt weiterlebt entsteht langsam ein Name.

00:01:56: Erst ein Gerücht dann einen Flüstern, dann ein Reim und irgendwann kennt ihn jeder.

00:02:03: Doch niemand ahnt, welche Geschichten sich wirklich dahinter verbergen.

00:02:08: Hi!

00:02:08: Ich bin Susanne und das ist was bleibt.

00:02:12: In diesem Podcast erzähle ich wahre Geschichten aus der Vergangenheit Geschichten über Orte Ereignisse Verbrechen die Spuren hinterlassen haben.

00:02:22: Wir reisen dafür in andere Zeiten Besuchen historische Orte Und schauen uns an Was dort einmal geschehen ist Und was davon heute noch geblieben ist.

00:02:32: Neue Folgen erscheinen alle zwei Wochen auf eingängigen Plattformen, wo es Podcast gibt.

00:02:38: Bevor wir weitergehen ein kurzer Hinweis!

00:02:41: Diese Folge behandelt reale Gewaltverbrechen und thematisiert Mord das Verschwinden von Menschen sowie belastende historische Hintergründe.

00:02:50: Die Inhalte werden zurückhaltend erzählt können aber emotional belasten sein.

00:02:55: bitte höre nur weiter wenn du dich damit wohlfühlst.

00:02:59: Beginn wie am Anfang.

00:03:01: Am fünfundzwanzigsten Oktober, achtzehnhundertneunundsiebzig wird in Hannover ein Junge geboren.

00:03:07: Sein Name?

00:03:08: Friedrich Heinrich Karl Haarman.

00:03:11: Später wird man ihn nur noch fritznennen.

00:03:14: Das jüngste Kind der Familie Ein Kind das früh lernt dass Nähe nicht gleich verteilt ist.

00:03:21: Die Mutter umsorgt ihn Sie schützt ihn Nimmt ihnen Schutz Hält ihn dabei sich Fast so als müsse sie er das ausgleichen.

00:03:31: Der Vater dagegen bleibt auf Abstand.

00:03:34: In der Familie wird er nicht ehrfürchtig genannt, nicht mit Respekt nur der Olle Harman.

00:03:41: Ein Wort das mehr trägt als große Gewohnheit etwas Raues, etwas was längst abgenutzt ist.

00:03:48: zwischen Vater und Sohn entsteht kein stilles Schweigen sondern ein Leben lang Widerstand.

00:03:54: Fritz hasst sein Vater!

00:03:57: Nicht als kurze Regung, nicht als Jugendliche Rebellion.

00:04:01: Es zieht sich durch die Jahre wie ein dunkler Faden.

00:04:04: Der Vater hält seinen Sohn für schwierig, auffällig vielleicht sogar krank.

00:04:09: Irgendwann steht ein Gedanke im Raum der nicht mehr verschwindet.

00:04:13: Der Olle Harman möchte Fritz in einen Irrenhaus bringen.

00:04:17: Für Fritz fühlt sich das nicht mehr wie Fürsorge an sondern nur nach Verrat und er antwortet auf seine eigene Weise mit einem Vorwurf der schwerer kaum sein könnte Er will dass ein Vaters Zucht rauskommt wegen angeblichen Mordes.

00:04:33: Ein Lokomotivführer soll gestorben sein und Fritz behauptet, seinen Vater habe etwas damit zu tun.

00:04:39: Ob Wahrheit darin steckt oder Wut das wird schnell schwer zu drinnen sein.

00:04:44: Was bleibt ist etwas anderes ein Haus in Hannover eine Mutter die festhält einen Vater der wegschieben will Und dazwischen ein Junge der sehr früh lernt dass Familie nicht immer ein Ort ist an dem man bleibt.

00:05:00: Alles im Alm ist die Familie Harman keine Familie, die zusammenhält.

00:05:05: Sie lebt nebeneinander und irgendwann nur noch gegeneinander.

00:05:09: Streit bleibt nicht in den Zimmern es wandert auf Papier zu Behörden zur Anwälte vor Gericht.

00:05:16: Als die Mutter am fünften April, Neunzehnteins stirbt bleibt nicht nur Trauer zurück Es bleibt Besitz Und Besitz verändert oft den Tonen einer Familie.

00:05:26: Plötzlich geht es um Anteile und Ansprüche.

00:05:30: Und das, was jemand hinterlässt?

00:05:33: Und darum wer glaubt mehr verdient zu haben!

00:05:37: Man prozessiert – nicht einmal, nicht kurz.

00:05:40: Später wiederholt sich alles noch einmal um den Erbteil des Vaters.

00:05:45: Als hätte niemand gelernt, was das losläscht.

00:05:49: Und während innerhalb der Familie Akten wachsen und Namen unter Schriftzätze gesetzt werden verändert sich draußen die Welt.

00:05:57: Wir sind am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.

00:06:00: Die Städte werden lauter und größer.

00:06:03: Hannover riecht nach Kohle, Pferden, feuchten Stein- und Fabrikluft.

00:06:08: Morgens ziehen Menschen durch die Straßen bevor die Sonne richtig über den Dächern steht.

00:06:13: Arbeiter an schweren Jacken Hände rauf von Metall Holz und Würm.

00:06:18: Im Werkstätten wird gehamert in den Fabrikenlaufmaschinen die den ganzen Tag denselben Rücken schlagen.

00:06:24: Andere arbeiten bei den Eisenbahnen In Büros ein Druckereien als Näherin, als Dienstmädchen in Häusern die nicht ihn gehören.

00:06:33: Viele arbeiten mehr als sie schlafen.

00:06:37: Die Männer tragen dunkle Anzüge wenn sie sich es leisten können Schlichte Westen, Hütte gegen Regen und Ruhs.

00:06:45: Frauen tragen lange Röcker hoch geschlossene Blusen Mängel mit schweren Stoffen.

00:06:50: Die Kleidung hält warm aber sie macht nichts frei.

00:06:54: Man geht aufrecht auch wenn man müde ist.

00:06:57: In den besseren Zirkeln wird am Abend Licht hinter hohen Fenstern sichtbar.

00:07:02: Dort stehen Klaviere, man spielt Walzer, Sellungmusik, Lieder die nicht zu laut werden dürfen.

00:07:10: In den Gastwirtschaften klingt es anders.

00:07:12: dort wird gesungen Volkslieder Trinklieder jemand der vielleicht ein Kramophon gesehen hat.

00:07:18: noch etwas Neues fast etwas Unglaubliches.

00:07:22: Musik beginnt sich zu verändern aber die meisten Menschen hören noch Stimmen keine Aufnahmen Und über allem liegt etwas merkwürdiges in der Luft.

00:07:31: Fortschritt, dieses Gefühl dass alles größer wird schneller moderner doch nicht für alle.

00:07:38: Zwischen neuen Straßen und elektrischen Lampen bleibt das Leben viel enger.

00:07:44: Man kennt seine Nachbarn man weiß wer Schulden hat Wer trinkt wer streitet Und man spricht darüber Vielleicht nicht offen aber immer nah genug Dass es gehört wird.

00:07:56: In dieser Zeit lebt die Familie Harman eine Familie, die nicht aneinander festhält sondern anfordern.

00:08:04: Als würden Gerichte irgendwann beantworten können was zu Hause längst verloren gegangen ist.

00:08:09: und während draußen die Welt in ein neues Jahrhundert tritt bleiben manche Türen innen verschlossen.

00:08:15: Wenn man versucht am Anfang eines Menschen zu gehen sucht man oft nach den großen Momenten aber manchmal sind es die kleinen Dinge Die Dinge dient.

00:08:24: keine Akte stehen die niemand wichtig findet und später fragt man sich doch, ob sie etwas erzählt haben.

00:08:32: Fritz ist ein Kind das nicht ganz den Vorstellungen seines Vaters entspricht.

00:08:38: Während andere Jungen draußen spielen, spielt er gerne mit Puppen.

00:08:41: Er näht Beschäftigung dient einem Haushalt um eighteenhundertneunzig viel.

00:08:46: leicht geduldet werden aber nicht unbedingt bei einem Sohn vor allem nicht in den Augen eines Mannes wie dem Ollenhaar.

00:08:54: zu seinen Vater wirkt dieses Verhalten fremd unpassend.

00:08:59: Vielleicht beginnt hier etwas zu wachsen, das beide nie wieder überwinden.

00:09:04: Vielleicht auch nicht!

00:09:06: Aber zwischen ihnen scheint früh ein stiller Abstand zu entstehen.

00:09:10: In der Gesellschaft anderer Jungen wird Fritz oft unsicher – er rühlt.

00:09:14: Wirkt zurückhalten als würde er nicht wissen wie er dazugehören soll.

00:09:19: Nicht laut und nicht kämpferisch?

00:09:21: Eher jemand, der am Rand bleibt Und gleichzeitig gibt es eine andere Seite.

00:09:26: Zuhause erschreckt er seine Schwesternkern macht ihnen Angst.

00:09:31: Nicht offengrausam, eher dieses Spiel mit dem Erschrecken – mit dem Moment in den jemand zusammenzuckt als würde ihn etwas daran interessieren oder beruhigen.

00:09:41: Die Lehrer sehen damals etwas anderes.

00:09:44: sie beschreiben ein hübsches Kind verwöhnt verzertelt still leicht lenkbar allgemein beliebt und verträumt.

00:09:52: Ein Schüler dessen betragen als Musterhaft gilt nicht auffällig nicht rebellisch.

00:09:58: Kein Junge, bei dem man innehält.

00:10:01: Und doch bleibt etwas zurück!

00:10:03: Die Leistungen der Schule liegen deutlich unter dem Durchschnitt.

00:10:07: Fritz bleibt sitzen – einmal dann noch einmal.

00:10:31: Pastor Hardelland sprich die Worte, die man damals spricht.

00:10:35: Der Übergang Kindheit soll langsam enden, Pflicht beginnt, draußen fahren Bagen über das Kopfsteinpflaster Die Glocken tragen weit.

00:10:46: Die Erwachsenen sehen einen stillen Jungen ordentlich gekleidet nicht besonders gut in der Schule aber höflich unauffällig.

00:10:54: Vielleicht hätte niemand an diesen Tag gedacht dass aus manchen Kindern nicht das wird was man von ihnen erwartet.

00:11:01: vielleicht dachte man damals einfach Er wird seinen Weg schon finden.

00:11:05: Und manchmal ist das Erschreckende nicht, dass jemand früh auffällt sondern, dass er es nicht tut.

00:11:13: Mit der Schule wird nichts und mit dem Handwerk auch nicht.

00:11:16: Fritzt soll eine Schlosserlehre machen Ein Beruf mit festen Abläufen, Metall, Werkzeuge, Präzision ein Beruf für die Hände, die zupacken Aber schon nach kurzer Zeit bedeutlich?

00:11:30: Das passt nicht.

00:11:32: Die Arbeit liegt ihm nicht Nicht das Körperliche, eher das Wiederholende.

00:11:36: Das Technische – das genaue Arbeiten.

00:11:40: Es wirkt als würde er in diesen Alltag nicht hineinpassen.

00:11:43: Also sucht die Familie einen anderen Weg Einen der Ordnung verspricht Disziplin Struktur.

00:11:51: Am vierten April, eighteenhundertfünfundneunzig kommt Fritz Harmann im Neupreisach in Breißgau an Eine Unteroffiziervorschule Ein Ort mit festen Zeiten und klaren Regeln.

00:12:03: Frühst aufstehen, exerzieren unter Ordnung.

00:12:07: Hier soll aus dem Jungen Haltung werden.

00:12:10: Aus Unsicherheit gehorsam.

00:12:13: Fritz ist damals sechzehn Jahre alt kräftig gebaut gesund wirkend Ein junger Mann der äußerlich wenig Anlass zur Sorge gibt.

00:12:22: Sein Gesicht wird später als regelmäßig und fast schön beschrieben Und gleichzeitig schwer zu lesen.

00:12:28: Wenig Ausdruck, wenig von dem was dahinter liegt.

00:12:32: Im Alltag fällt er zunächst nicht negativ auf.

00:12:35: Er tonnt gut, erfüllt Anweisungen und tut was man von ihm verlangt.

00:12:40: Vielleicht zuerst mal in einer Welt in der nicht gefragt wird wer man ist sondern nur ob man funktioniert?

00:12:47: Doch der Eindruck hält nicht lange.

00:12:49: Im Spätsommer verändert sich etwas – nicht plötzlich für alle aber spürbar!

00:12:56: Am dritten September wird Fritz ins Granitionslazirret gebracht.

00:13:00: man beobachtet Zustände, die niemand richtig erklären kann.

00:13:04: Momente in denen er abwesend wirkt als würde er kurz aus der Gegenwart verschwinden.

00:13:10: dazu kommen Ängste Unruhe etwas das sich nicht greifen lässt.

00:13:16: damals sucht man nach körperlichen Ursachen.

00:13:19: vielleicht so vermutet man eine Folge vom Ton ein Sturz einer Schütterung oder die Hitze während der Manöver.

00:13:28: Die Medizin um nineteen hundert kennt viele Symptome aber oft nur wenige Antworten.

00:13:34: Vierzehn Tage später wird er wieder entlassen, als gesund, als dienstfähig!

00:13:39: Als wäre alles vorbei – doch es dauert nicht lange, dann kehren die Beschwerden zurück wie der Lazerett.

00:13:45: Wieder Beobachtung, wieder dieses Gefühl das etwas Nichts zusammenpasst.

00:13:50: Am dritten November, achtzehnhundertfünfundneinzig endet der Versuch.

00:13:54: Fritz Harman wird aus dem Militärdienst entlassen – nicht ausgezeichnet und nicht

00:13:59: bestraft."

00:14:02: sondern als jemand, für den man keinen Platz gefunden hat.

00:14:06: Er fährt zurück in die Heimat – noch keine achtzehn Jahre alt und vielleicht zum ersten Mal mit dem Gefühl das selbst dort wo alles geregelt ist etwas in ihm bleibt dass sich nicht ordnen lässt.

00:14:18: Die Zeit in Neubreisach endet nicht gegen sein Willen.

00:14:22: Fritz bittet um die Entlassung.

00:14:24: Vielleicht.

00:14:24: es ist Erleichterungen, vielleicht Flucht.

00:14:27: Jedenfalls kehrt er zurück Zur Familie Zu einem Leben, das schon vorher nie wirklich ruhig gewesen ist.

00:14:37: Es gibt einen Plan für ihn.

00:14:39: Sein Vater bietet ihm Arbeit an in seiner Zigarrenfabrik eine geregelte Tätigkeit.

00:14:45: Feste Abläufe feste Zeit der Geruch von Tabak in der Luft lange Tische Menschen die schweigend arbeiten und ihre Tage im gleichen Bewegung verbringen.

00:14:55: Für viele wäre das Sicherheit gewesen.

00:14:58: Für Fritz nicht.

00:15:00: Er will nicht Und aus Ablehnung wird Streit immer wieder.

00:15:03: Gespräche werden lauter, Vorwürfe wiederholen sich.

00:15:09: Als würde jede Person in seinem Umfeld etwas aus sie machen wollen was er selbst nie wirklich war.

00:15:15: Später kursieren Erzählungen über diese Jahre.

00:15:18: Darunter auch Berichte das Fritz als Jugendlicher Kontakt zu einer deutlich älteren Nachbarin gehabt haben soll.

00:15:25: Ob darin der Ursprung von etwas liegt lässt sich nicht mehr beantworten und vielleicht wäre es auf zu einfach einen einzelnen Moment nach Erklärung zu suchen Denn nicht alles hat einen Anfang, den man eindeutig benennen kann.

00:15:39: Was sich aber zeigt und diesen Jahr beginnt etwas sichtbar zu werden?

00:15:43: Nicht als Gerücht, nicht als Familienkonflikt, sondern in Akten – in Beschwerden im Verfahren!

00:15:50: Fritz fällt wiederholt wegen sogenannte Sittlichkeitsdelikte auf Ein Begriff der damaligen Zeit für sexuelle Übergriffe.

00:15:57: Betroffen sind Kinder.

00:16:00: Er sucht Nähe dort wo keine sein darf nutzt unbeobachtete Orte kurze Momente, Räume zwischen Häusern und Höfen an denen Erwachsen selten stehen bleiben.

00:16:11: Mit siebzehn Jahren wird schließlich ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet.

00:16:15: Es geht nicht um einen einzelnen Vorwurf sondern um mehrere Fälle Und obwohl die Einzelheiten heute nicht im Mittelpunkt stehen müssen bleibt etwas Entscheidendes.

00:16:24: Hier taucht zum ersten Mal etwas auf das nicht mehr nur als Streit, Eigenart oder familiäre Zerrittung erklärt werden kann Etwas das andere Menschen betrifft, etwas das Grenzen überschreitet.

00:16:37: und doch wirkt es als würde die Welt um ihn herum noch immer hoffen dass sich alles wieder einordnet.

00:16:45: Dass daraus nichts größeres wird, dass es nur eine Phase ist.

00:16:49: Manchmal beginnt das Verstörenden nicht mit einem lauten Knall sondern mit Momenten die gesehen werden und trotzdem nicht ernst genug genommen.

00:17:02: Am sechsten Februar, ähnelt vorerst jeder Versuch Fritz einfach als schwierigen Jungen zu sehen.

00:17:09: Er kommt in eine Heilanstalt nach Hildesheim ein Ort hinter Mauern hohe Fenster lange Flure Türen die ihm erschließen als öffnen.

00:17:19: Die Sprache der Zeit ist eindeutig Es wird eine Geisteskrankheit festgestellt.

00:17:24: Heute würden viele Begriffe von damals anders klingen Vorsichtiger genauer.

00:17:30: Am Ende des neunzehn Jahrhunderts bedeutet seine Diagnose vor allem eines.

00:17:35: Man wird beobachtet, eingeordnet untergebracht und man wartet darauf ob jemand wieder in die Welt zurückpasst.

00:17:42: Fritz verbringt Zeit in verschiedenen Einrichtungen.

00:17:45: Tage wären zu Wochen, Wochen zu Monaten Draußen verändert sich die Welt weiter, drin vergeht die Zeit langsamer Und irgendwann scheint entschieden er kann zurück.

00:17:56: Im April, eighteenhundertneunundneunzig kehrt Fritz nach Hannover zurück.

00:18:01: Keine große Heimkehr, kein Neuanfang – er macht weiter!

00:18:06: Oder versucht es zumindest?

00:18:08: Er treibt sich herum verbringt Zeit auf Straßen in Höfenbahnorten an denen niemand fragt wohin niemand eigentlich unterwegs ist.

00:18:16: Arbeit scheint ihr nicht zu halten.

00:18:19: Es fehlt ihm nicht Möglichkeiten Ihr am Interesse.

00:18:22: Während anderen seinem Alter längst Berufe haben oder Familien gründen, wirkt Fritz wie jemand der immer noch sucht.

00:18:29: Oder sich entzieht!

00:18:32: Und dann passiert etwas das beinahe gewöhnlich wirkt... Verlobung bedeutet damals mehr als ein Versprechen.

00:18:56: Sie war fast schon ein Schritt in die Richtung Zukunft, Wohnung, Familie, Alltag... Erna wird schwanger!

00:19:04: Fritz ist zu dieser Zeit dreiundzwanzig Jahre alt doch das Kind wird nicht geboren.

00:19:10: Es gilt als wahrscheinlich dass sie die Schwangerschaft beendet hat.

00:19:13: Warum genau?

00:19:14: Das bleibt im Unklaren und wie so oft in dieser Geschichte bleiben keine Gespräche zurück Nur Entscheidungen und dann kommt erneut ein Uniformensspiel.

00:19:25: Im Oktober, Jahrzehnte erhält Fritz den Gestellungsbefehl wieder Militär, Wiederordnung, wieder einen Versuch dem Leben eine Form zu geben.

00:19:35: Er tritt sein Dienst an Und zunächst scheint es zu funktionieren.

00:19:40: Seine Vorgesetzen sind zufrieden.

00:19:42: Er erfüllt Erwartung Der Alter gibt Struktur Doch auch diesmal hält es nicht.

00:19:48: Nach einiger Zeit kehren gesundheitliche Probleme zurück Nicht sichtbar wie eine Verletzung, eher etwas Inneres.

00:19:56: Etwas das ihn immer wieder ins Lazerett bringt Aufenthalte Beobachtung Rückkehr und wieder von vorn.

00:20:03: Am achtundzwanzigsten Juli neunzehn zwei endet auch dieser Abschnitt.

00:20:07: Fritz wird aus dem Jägerbataillon entlassen nicht wegen eines Fehlverhaltens sondern endgültig.

00:20:13: Danach erhält er eine militärische Rente.

00:20:16: Er ist noch jung Und gleichzeitig wirkt es, als hätte er schon mehrere Leben ausprobiert.

00:20:22: Arbeit, Anstalt, Verlobung, Militär – nichts bleibt.

00:20:27: und vielleicht beginnt genau hier etwas Gefährliches wenn ein Mensch aufhört irgendwo anzukommen.

00:20:34: Als Fritz aus dem Militäre entlassen wird kehrt er nicht als jemand zurück der angekommen ist.

00:20:38: keine Uniform mehr, keine Befehle, keine Struktur nur Hannover!

00:20:43: Und die Frage was jetzt?

00:20:46: Er zieht zunächst zu seiner Schwester Ein Zimmer, ein Dach, ein Ort zum Bleiben.

00:20:50: Aber kein Frieden!

00:20:52: Und manches reißt mit und manches wartet schon dort.

00:20:57: Zwischen Fritz und seinem Vater hat sich über Jahre etwas aufgebaut das längst mehr ist als ein reiner Familienkonflikt.

00:21:04: Es ist kein Streit mehr es ist eine Gewohnheit geworden.

00:21:07: Fritz fordert Unterhalt.

00:21:08: er verklagt seinen Vater Nicht um Nähe nicht um Versöhnung sondern um Geld Um Verantwortung noch um Anerkennung vielleicht oder wenigstens um etwas, das sich danach anführt.

00:21:21: Doch der Olle Harman antwortet nicht mit Verständnis – er erhebt einen anderen Vorwurf.

00:21:27: Einen der tiefer geht!

00:21:29: Er behauptet Fritz habe seine Krankheit nur gespielt.

00:21:33: Nicht aus Not sondern um sein Verhältnis mit Erna fortsetzen zu können.

00:21:38: Als wären Lazarette keine Lazrette gewesen als wären Diagnosen nur Ausreden und plötzlich steht wieder das alte Bild im Raum.

00:21:46: Der Vater glaubt dem Sohn nicht.

00:21:48: Der Sohn fühlt sich vom Vater verfolgt.

00:21:51: Vor Gericht werden Worte zu akten, Vorwürfe zum Protokollen aber am Ende blätten nichts.

00:21:57: Die Unterhaltsklage wird abgewiesen keine Zahlung, keine Genugtuung nur wieder dieses Gefühl verloren zu haben und trotzdem etwas Seltsames passiert.

00:22:08: Etwas das nicht so all dem passt.

00:22:11: der Olle Harman tut etwas womit nach all den Jahren niemand mehr gerechnet hat erleiht Fritz Geld Eine Summe, mit der man damals nicht leichtfertig umging.

00:22:23: Genug, um etwas zu beginnen!

00:22:26: Ein Fischereigeschäft – nicht auf den Namen von Fritz sondern auf dem von seiner Braut Erna.

00:22:31: Vielleicht ein Vertrauensbeweis?

00:22:35: Vielleicht Vorsicht?

00:22:36: Vielleicht Hoffnung?

00:22:38: Man kann sich vorstellen wie darüber gesprochen wurde zwischen Küchentisch und Abendlicht das jetzt endlich Ruhe einkehrt, dass Fritz Verantwortung übernimmt, dass Arbeit alles ordnen wird dass aus Streit Alltag wird.

00:22:51: Ein Geschäft, ein geregeltes Leben.

00:22:54: So erzählen Familien sich manchmal ihre Zukunft als würde man mit Geld nicht nur Waren kaufen sondern auch neue Chancen.

00:23:02: und für einen kurzen Moment wirkt es tatsächlich so als können Vater- und Sohn aufhören gegeneinander zu kämpfen Als wäre das Darlehen mehr als Geld fast wie ein Waffenstillstand.

00:23:14: aber manche Menschen hören nicht aufzustreiten sie wechseln nur die Themen.

00:23:18: Der Plan ist plötzlich da Fast unscheinbar, ein kleines Fischereigeschäft.

00:23:24: Nicht auf Fritz' Namen – auf Ernest!

00:23:27: Sie soll verkaufen, organisieren, dort stehen wo Menschen einkaufen und fragen ob der Fang frisch ist.

00:23:34: Und Fritz?

00:23:35: Fritz versucht sich als Versicherungsagent.

00:23:38: Ein Beruf den nicht nach Arbeit mit den Händen klingen Sondern nach Gesprächen Nach Türen an die man klopft Nach Versprechen nach Formularen.

00:23:48: Man zieht den Hut, stellt sich vor, spricht über Sicherheit und Zukunft.

00:23:52: Aber Zukunft verkauft sich schlecht wenn man selbst keine Richtung hat.

00:23:57: Es wirkt nicht als würde Fritz wirklich ankommen.

00:24:00: Dann verändert sich etwas.

00:24:02: Seine militärische Rente wird erhöht.

00:24:04: Vierundzwanzig Mark Monatlich.

00:24:08: Heute entspricht er es einer Kaufkraft mehr als hundert Euro.

00:24:13: Keine Summe von der man sorglos lebt Nicht einmal damals.

00:24:16: aber für Fritz scheint sie etwas anderes zu bedeuten Nicht Sicherheit, sondern Erlaubnis.

00:24:22: Er hört auf zu arbeiten – einfach so!

00:24:25: Keine große Entscheidung, kein Bruch.

00:24:27: Eher als würde er etwas in ihm nachgeben.

00:24:30: Als hätte er beschlossen es reicht.

00:24:33: Das Erwartungen auch ohne ihn weiterlaufen.

00:24:36: und während Fritz stehen bleibt läuft die Zeit weiter.

00:24:43: Die Tausend Fünfhundert Mark verschwindet nicht plötzlich.

00:24:46: Sie versickern zwischen Rechnung, Zwischen Hoffnung, Zwischentagen die anders geplant waren.

00:24:52: Auch das Fischgeschäft trägt nicht mehr Nicht genug.

00:24:55: Vielleicht kommt zu wenig Kunden vielleicht fehlt die Erfahrung Vielleicht fehlt etwas anderes.

00:25:01: Jedenfalls wird aus dem Neuanfang kein neu beginnen Und irgendwann bricht noch etwas anderes Leiser fast ohne Geräusch!

00:25:13: Die Verlobung mit Erne endet.

00:25:15: kein großes Drama, keine Szene.

00:25:17: Eher wie eine Tür die irgendwann nicht mehr geöffnet wird.

00:25:20: Vielleicht hat sie auf etwas gewartet?

00:25:23: Auf Veränderung, auf Bewegung, auch ein gemeinsames Leben und vielleicht hat sie irgendwann verstanden dass manche Menschen nicht mitsehen können.

00:25:32: Dann scheint sich etwas in Fritz zu verschieben.

00:25:36: Frauen gegenüber wurde zunehmend gleichgültig Nicht verletzt, nicht bitter eher abweisend als würde ein Interesse verschwinden als würde eine Möglichkeit langsam aus seinem Leben treten.

00:25:48: Und wieder endet ein Versuch, Schule, Militärarbeit, Verlobung.

00:25:53: Immer wieder steht er am Anfang von etwas das nach Zukunft aussieht und immer wieder bleibt am Ende etwas anderes zurück.

00:26:02: Ein Zimmer, ein bisschen Geld – und das Gefühl dass Fritz Harman nirgends wirklich bleiben will!

00:26:07: Um Ninzehundertfünf scheint Fritz endgültig aufgehört zu haben, nach dem Leben zu suchen was andere für ihn vorgesehen hatten….

00:26:15: Keine Werkstatt, keine Verlobung, keine Familie.

00:26:18: Stattdessen taucht etwas Neues auf.

00:26:21: Nachweislich hatte in dieser Zeit eine Beziehung zu einem älteren Mann.

00:26:25: Darüber wurde damals nicht offen gesprochen – nicht in den Straßen und nicht in Familien.

00:26:30: Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ist vieles geregelt wie man arbeitet, wie man lebt, wen man liebt Und wer davon abweicht lernt schnell sich in Zwischenräumen zu bewegen.

00:26:43: Vielleicht beginnt Fritz genau dort zu leben nicht richtig verborgen, aber nie ganz sichtbar.

00:26:49: Geld braucht er trotzdem und Geld verschwindet schneller als man es

00:26:53: verdient.".

00:26:56: Also beginnt eine Zeit die aus kleinen Grenzüberschreitungen besteht.

00:27:00: Er betrügt, erst stiehlt – nicht groß!

00:27:05: Nicht spektakulär, eher so wie Wasser langsam durch Risse trinkt immer wieder, immer mehr.

00:27:11: Mit Bekannten und Komplizen zieht er nachts los über Kirchehöfe zwischen Grab rein wo tagsüber Menschen stillstehen und Namen lesen.

00:27:19: Und nachts nur Wind durch die Bäume geht, Ketten verschwinden mit Teilteile von Grabmählern – Dinge, die eigentlich bleiben sollten!

00:27:29: Man stellt sich diese Nächte fast still vor, Schritte auf dem Kies gedämpfte Stimmen das Gefühl beobachtet zu werden obwohl niemand da ist.

00:27:38: Immer wieder Ende des Vorgewicht Schöpfengerichte kurze Strafen neue Verfahren dann wieder Freiheit dann wieder derselbe Weg.

00:27:47: Aus einzelnen Taten wird langsamer ein Muster, und als Ninzehntvierzehn der Krieg beginnend und überall junge Männer eingezogen werden bleibt Fritz zurück – nicht aus Überzeugung, nicht aus Entsteidung sondern weil er sitzt!

00:28:02: Gefängnisse werden zur Station seines Lebens.

00:28:05: Zelle, Lüneburg, Renzburg, Rawitsch.

00:28:09: Während draußen Züge in Richtung Front fahren vergehen seine Tage hinter Mauern.

00:28:14: Er verbüsst mehrere Jahre Haft Nicht in einer ganzen geraden Linie, sondern als jemand der immer wieder dort landet, wo Regeln mit Gittern enden.

00:28:25: Doch auch das hält nicht!

00:28:37: Ein Lager, als hätte jemand gesammelt ohne zu wissen wofür.

00:28:47: Als würde Sicherheit als Besitz entstehen und aus der Vorstellung nie wieder nichts zu

00:28:52: haben.".

00:28:54: Die Gegenstände erzählen plötzlich mehr als Fritz selbst – nicht von Reichtum sondern von Unruhe, von Jemandem, der nimmt Aufbewahrt und Weitermacht.

00:29:04: Bieder folgt die Verurteilung mehrere Jahre Zuchthaus Und während draußen ein Jahrhundert schneller wird bleibt Fritz Harman an Orten zurück, an denen die Zeit anders vergeht.

00:29:15: Hinter Türen hinter Mauern und vielleicht übersieht man in diesen Jahren etwas – dass manche Menschen nicht das später verschwinden sondern schon lange vorher.

00:29:26: Wart immer Fritz in Freiheit ist scheint er nie lange ruhig zu bleiben.

00:29:31: Es sind keine großen Schlagzeilen, keine dramatischen Verfolgung eher etwas anderes Gerüchte Bemerkungen Sätze, die zwischen Tür und Treppe fallen.

00:29:41: Immer wieder wird ihm nachgesagt, jungen Unangemessen angesprochen oder bedrängt zu haben.

00:29:45: Fast täglich heißt es später und trotzdem entstehen daraus nur selten Anzeigen nicht weil nichts bemerkt wird sondern weil die Zeit anders funktioniert.

00:29:56: Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts würde über solche Dinge kaum gesprochen.

00:30:01: Scham liegt über viele Familien schweigen Kinder werden oft nicht gefragt Und selbst wenn etwas erzählt wird bleibt es häufig innerhalb der Wohnungstür.

00:30:12: Erst zeigte sich Anzeige wegen eines solchen Vorwurfs erstattet.

00:30:17: Es entsteht das Bild eines Mannes, der immer wieder Kontakt zu Jungen sucht.

00:30:21: Der Versprechen macht kleine Summengeld ein warmes Essen einen Ort zum Bleiben und sie mitnimmt in seine Räume.

00:30:29: mehr bleibt oft nicht in den Akten und manchmal genügt er schon.

00:30:33: dann vergeht Zeit wie der Gefängnis wieder jahrelnder Mauern und Draußen ist die Welt nicht mehr dieselbe.

00:30:44: Der Krieg ist vorbei, Deutschland wirkt erschöpft, Bahnhöfe voller Heimkehrer, Menschen mit leeren Blicken Straßen auf denen plötzlich alles möglich und nicht sicher erscheint.

00:30:57: Fritz verbringt kurze Zeit in Berlin Aber er bleibt nicht.

00:31:02: Es zieht ihn zurück nach Hannover Immer wieder Hannover.

00:31:06: Dort mietet er Nineteundachzehn einen kleinen Laden Offiziell für Büroswecke Ein Hindertzimmer Nichts besonderes.

00:31:14: Von außen wirkt alles unscheinbar, doch Nachbarn erinnern sich später an etwas Eigenartiges.

00:31:21: Junge Leute gehen ein und aus nicht den Gruppen meist einzeln und nachts hört man manchmal klopfen!

00:31:28: Nicht laut aber lange nur gerade genug dass man es bemerkt.

00:31:33: eine Nachbarin wird unruhig.

00:31:35: sie glaubt das dort etwas nicht stimmt aber sie sagt nichts.

00:31:39: später wird man darüber sprechen und vielleicht fragen, hat sie wirklich nichts geahnt?

00:31:46: Oder hat sie nur im Nachhinein versucht sich einen Gefühl zu erinnern.

00:31:50: Denn das ist das Schwierige bei Erinnerungen!

00:31:53: Sie werden oft erst deutlich wenn etwas Schlimmes bereits passiert ist.

00:31:57: Später wird bekannt dass mit diesem Ort zwei Tötungsdelikte in Verbindung gebracht werden.

00:32:02: Zwei Jungen der pfizienärige Hermann der Sohn eines Fahrrad-Händlers und Friedl, fünfzehn Jahre alt.

00:32:08: Der Sohn eines Gastwirtes.

00:32:11: Namen die damals einfach nur zu Familien gehörten.

00:32:14: Zu Abendessen, zu Wegen durch die Stadt.

00:32:16: Zu Menschen, die dachten ihre Kinder würden zurückkommen.

00:32:21: Um Fritz Harman entstehen später viele Gerüchte darunter auch die Behauptung er habe Fleisch seine Opfer verarbeitet.

00:32:28: dieser Erzählung verbreiten sich weit Belegt werden konnten sie jedoch nie.

00:32:34: Harman selbst hat die stets bestritten.

00:32:37: Vielleicht war Menschen Versuchungen für das unbegreifliche, ein noch schrecklicheres Bild zu finden.

00:32:43: Aber manchmal ist die Wirklichkeit schwer genug und manchmal beginnt das Unheibliche nicht mit Schreien sondern mit einem Laden, einem Hinterzimmer und Nachbarn, die etwas hören und weitergehen.

00:32:57: Nach dem Krieg verändert sich die Stadt – und mit ihr verändern sich die Regeln.

00:33:01: Bahnhilfe werden zuübergängig.

00:33:03: Menschen kommen an, Menschen verschwinden Junge Männer ohne Arbeit, Jugendliche ohne Zuhause.

00:33:09: Kinder die irgendwo hin wollen und zwischen all denen bewegt sich Fritz – unerfällig!

00:33:15: Er stielt, er handelt mit Dingen dem nicht gehören, kauft weiter verkauft weiter Healerware immer gerade nah genug am verbotenen um etwas davon zu leben.

00:33:26: aber das allein ist nicht das Entscheidende denn während er sich auf den Schwarzmarkt bewegt verbringt der immer mehr Zeit an einem anderen Ort dem Bahnhof.

00:33:37: Dort wird er irgendwann zu einem bekannten Gewicht, nicht weil er auffällt sondern weil er dazugehört.

00:33:43: Er spricht mit Menschen hilft kennt Wege kennt Namen kennt die die nirgendwo hingehören.

00:33:49: vor allem junge Männer und Jungen Enden Kontakt auf verspricht Essen eine Unterkunft ein paar Münzen etwas Nähe Und manche gehen mit in seine Wohnung.

00:34:02: später werden Übergriffe bekannt Taten, die damals oft kaum benannt werden konnten.

00:34:08: Zu viel Scham, zu wenig Schutz und zu wenig Aufmerksamkeit.

00:34:12: Und während das geschieht passiert etwas was im Rückblick fast unwirklich wirkt.

00:34:17: Die Polizei hat zu wenig Personal.

00:34:20: Zu viele Diebstille, zuviel Schwarzmarkt, zu wenige Überblick.

00:34:23: Also setzt man Fritz ein als Spitze ausgerechnet ihn.

00:34:28: Er bewegt sich zwischen Händlern und Dieben, gibt sich selbst als Hela aus.

00:34:33: Jemand bietet ihm gestohlene Ware an – und kurz darauf taucht die Polizei auf!

00:34:37: Verhaftung aufsehen Und Fritz?

00:34:42: Der wird wieder entlassen.

00:34:44: Es entsteht ein seltsames Schauspiel Als würde er gleichzeitig auf beiden Seiten stehen Ein Mann der den Beamten hilft Ein Mann, den viele kennen Ein Mann denn nicht verschwindet.

00:34:57: So wird aus ihm mit der Zeit etwas Gefährliches.

00:35:01: Jemand, den man nicht mehr hinterfragt.

00:35:03: Er gehört dazu.

00:35:05: Er kennt die Abläufe, die beambten die Gesichter und genau das schafft Vertrauen – vielleicht mehr als es sollte!

00:35:13: Während die Polizei den Schwarzmarkt beobachtet, beobachtet Frittes etwas anderes.

00:35:18: Wer allein reist?

00:35:19: Wer niemanden hat?

00:35:20: Wer vermisst werden würde?

00:35:22: Wer vielleicht nicht?

00:35:23: Manchmal wirkt Tarnung nicht wie Verkleidung….

00:35:26: Manchmal sieht Tarnung nach etwas aus wie Zusammenarbeit.

00:35:30: Und vielleicht liegt genau darin etwas Unruhiges, dass ein Mensch am sichtbarsten sein kann, während niemand wirklich hinsieht.

00:35:41: Im September, und im September, bin ich mit Fritz Harman einem Jungen.

00:35:46: Friedl Rote, fünfzehn Jahre alt von zu Hause fortgelaufen einer von vielen in dieser Zeit.

00:35:53: der Krieg ist vorbei aber Ruhe ist noch lange nicht zurückgekehrt.

00:35:57: Bahnhöfe sind voller Menschen, die ankommen und voller Menschen, die niemand vermisst.

00:36:02: Fritz nimmt Friedl mit Ein Zimmer, Zigarettenrauch in der Luft eine Tür, die sich hinter ihnen schließt.

00:36:11: Am Anfang wirkt nichts außergewöhnlich.

00:36:13: Später wird erzählt das Fritz Nähe sucht Dass er Friedl überredet Und dass Friedl zunächst bleibt.

00:36:19: ein paar Tage Dann verändert sie etwas.

00:36:23: Als Fritz erneut mehr verlangt und Friedl sich entzieht kippte Stimmung.

00:36:27: Nicht laut, nicht plötzlich.

00:36:29: Eher wie etwas das schon länger unter der Oberfläche gelegen hat.

00:36:33: Später beschreibt Harmon selbst diesen Moment.

00:36:36: Er spricht davon dass er den Jungen niedergerungen habe und dann erzählt er etwas das sich tief in die Erinnerung an diesem Fall eindrennt.

00:36:45: Er sagt er habe sich im Hals verbissen so heftig das Friedel daran verstarb.

00:36:52: Jahre später wird genau dieses Detail immer wieder erzählt werden Wiederholt ausgeschmückt und verändert Und irgendwann bekommt Fritz Harman einen Namen, der größer wird als der Mensch selbst.

00:37:06: Der Wehrwolf von Hannover Ein Name, der Angst erzeugt.

00:37:10: Ein Name ,der fast so wirkt, als hätte man versucht aus einem Menschen etwas Unmenschliches zu machen.

00:37:16: Vielleicht war das einfacher ist Denn ein Monster gehört in die Geschichten.

00:37:21: Aber Fritz Harmon lebt nicht im Wald Er lebt in Zimmern zwischen Nachbarn, zwischen Bahnleisen und zwischen Menschen.

00:37:28: Und vielleicht liegt genau darin das Verstörende, dass niemand in diesem Moment ahnt, dass etwas begonnen hat, das noch lange nicht zu Ende ist?

00:37:39: Als Friedel Rote verschwindet, ist Fritz Harmann neununddreißig Jahre alt – kein junger Mann mehr!

00:37:44: Kein

00:37:44: Suchender?!

00:37:45: Jemand der die Stadt kennt… Die Wege... ...die Menschen … und vor allem die Orte an denen niemand lange hinsieht.

00:37:54: Nach Friedels Tod bleibt etwas zurück, das sich nicht einfach verschwinden lässt.

00:37:58: Fritz steht vor einem Problem und da beginnt es zu lösen – nicht in einer Nacht!

00:38:03: Nicht hektisch?

00:38:05: später wird bekannt dass er Tage damit verbringt Spuren zu beseitigen.

00:38:09: fast eine Woche mehr als eine Woche acht tage.

00:38:14: Eine Zeitspanne die unruhig macht weil sie zeigt dass draußen das Leben weiter geht Menschen arbeiten, Straßenbahnen fahren, Nachbarn grüßen und hinter einer Tür vergeht dieselbe Zeit ganz anders.

00:38:27: Ein Teil wird weggebracht, ein Teil verkraben, ein Teil bleibt.

00:38:31: Währenddessen wird Friedl vermisst – zu Hause wartet man.

00:38:35: Zunächst ruhig dann nicht mehr.

00:38:37: die Polizei sucht und stellt Fragen Aber die Hinweise fehlen.

00:38:45: Es bleibt einer dieser Fälle, die damals oft entstehen.

00:38:48: Ein junges Weg vielleicht fortgelaufen Vielleicht unterwegs, vielleicht kommt er zurück.

00:38:53: Doch diesmal passiert etwas!

00:38:55: Nicht die Ermittler nicht die Beamten sondern Friedelsfreunde beginnen nachzufragen sie reden miteinander vergleichen Wege, erinnern sich und irgendwann fällt ein Name Harman.

00:39:08: Sie gehen zur Polizei aber dort reagiert man zurückhalten nicht weil niemand zuhört sondern weil Fritz bekannt ist.

00:39:15: er liefert Informationen Er bewegt sich zwischen Schwarzmarkt und der Polizei.

00:39:21: Ein Mann, den viele Beamte kennen – ein nützlicher Mann!

00:39:25: Und manchmal schützt Nützlichkeit länger als sie sollte.

00:39:29: Trotzdem kommt irgendwann der Moment an dem die Polizei zu seiner Wohnung geht.

00:39:35: Keine große Inszenierung, keine Vorahnung.

00:39:39: Sie betreten die Räume und dort sehen sie etwas das sich stürzen lässt.

00:39:45: Neben Harman befindet sich ein Junge, dreizehn Jahre alt nur teilweise bekleidet, ein Bild das Fragen aufwirft.

00:39:53: Mehr Fragen als sie in diesem Moment gestellt werden.

00:39:56: Harmon wirkt überrascht – fast so als hätte er nicht damit gerechnet dass jemand heute kommt.

00:40:03: und während die Beamten in diesen Zimmer stehen befindet sich auch noch etwas anderes dort.

00:40:08: Etwas das später Bedeutung bekommen wird doch an diesem Tag wird es nicht gefunden.

00:40:14: Es gibt kein Durchsuchungsbefehl Die Räume werden nicht vollständig durchsucht Die Beamten gehen wieder, die Tür schließt sich und manchmal verändert sich nicht nur das was gefunden wird sondern die Geschichte.

00:40:27: Sondern auch das was nur wenige Meter entfernt bleibt und unentdeckt.

00:40:34: Nach dem Einsatz in seiner Wohnung endet für Fritz zunächst nicht alles.

00:40:38: Es reicht nicht für dass was später bekannt werden will aber genug damit etwas an ihm hängen bleiben.

00:40:45: Er wird verhaftet.

00:40:46: Am Ende steht eine Strafe neun Monate Haft Nicht wegen dessen, was hinter den Türen vielleicht verborgen geblieben ist sondern wegen anderer Delikte.

00:40:56: Und trotzdem Fritz verschwindet nicht sofort hinter Mauern Er tritt die Strafe nicht an.

00:41:02: Stattdessen beginnt etwas das fast so ihm passt.

00:41:05: er entzieht sich Weicht aus taucht unter ein Jahr lang.

00:41:10: nicht spektakulär nicht wie in Geschichten eher so wie manche Menschen verschwinden obwohl sie noch da sind.

00:41:18: Sie schlafen woanders Bleiben nicht lange, lernen die Stadt neu kennen.

00:41:22: Nicht aus Neugier sondern aus Not.

00:41:24: und irgendwo in dieser Zeit begegnet wer jemanden.

00:41:28: Hans Granz, achtzehn Jahre alt noch jung genug das viele Wege offen wirken und alt genug um Entscheidungen selbst zu treffen.

00:41:38: Die beiden treffen aufeinander.

00:41:40: es heißt Hansa befritt sexuelle Kontakte gegen Geld angeboten Eine Begegnung, wie sie in Bahnhofsnähe oder an den Ränder der Stadt damals nicht ungewöhnlich gewesen sein mag.

00:41:52: Fritz nimmt ihn mit.

00:41:54: Vielleicht sollte es bei einer Nacht bleiben?

00:41:56: Vielleicht war nichts weiter geplant... Aber aus diesem Abend wurden weitere.

00:42:01: und irgendwann bleibt Hans!

00:42:04: Sie werden ein Paar ziehen zusammen und plötzlich wirkt es fast wie etwas Gewöhnliches.

00:42:09: Zwei Menschen, ein gemeinsamer Alltag, ein Zimmer Gespräche, Gewohnheiten Aber Ruhe entsteht da außen nicht.

00:42:17: Zwischen ihnen scheint früh etwas Unruhiges zu liegen, Nähe und Abstand Anziehung und Streit.

00:42:24: Immer wieder geraten sie aneinander Heftig laut als würde keiner dem anderen wirklich vertrauen.

00:42:29: Und trotzdem bleiben sie Vielleicht weil beide etwas in dem Anderen sehen oder brauchen.

00:42:37: Während draußen die Stadt weiterlebt entsteht hinter geschlossenen Türen Etwas eigenes.

00:42:42: Eine Beziehung aber keine Stille Keine sichere.

00:42:45: Und während Fritz versucht sich ein Leben aufzubauen, wartet etwas anderes weiter.

00:42:50: Die Strafe – die Akten?

00:42:53: Die Behörden vergessen nicht!

00:42:55: Irgendwann endet die Flucht.

00:42:57: Keine große Verfolgung, keine dramatischen Szenen.

00:43:00: Fritz wird gefasst und diesmal führt kein Weg mehr dran vorbei.

00:43:03: Er muss diehaft antreten.

00:43:06: Wieder Mauern, wieder Türen, wieder Zeit... ...und vielleicht denkt man an diesen Punkt….

00:43:11: jetzt endet es.

00:43:13: Jetzt wird alles angehalten Aber manche Geschichten beginnen nicht trotz Gefängnissen, sondern zwischen ihnen.

00:43:38: misstrauen, aber Fritz kann etwas das nicht in den Akten steht.

00:43:42: Er kann Nähe herstellen sich einfügen zuhören die richtigen Worte finden und so dauert es nicht lange bis er wieder dort auftaucht wo er schon einmal gewesen ist.

00:43:54: bei der Polizei erkennt Beamte sie kennen ihn und nach und nach gelingt ihm etwas Erstaunliches.

00:44:01: er wird erneut als Spitzel eingesetzt Nicht offiziell wichtig Aber nützlich.

00:44:06: er bewegt sich zwischen Schwarzmark Bahnhof und Polizeirevia kennt Gesichter, kennt Geschichten und plötzlich ist er wieder nicht derjenige auf den man schaut sondern derjenig der den Hinweis gibt.

00:44:19: Zur gleichen Zeit ziehen Fritz und Hans wieder zusammen Nicht zum ersten Mal Diesmal in die Nähe der Leine.

00:44:28: Das Wasser fließt langsam durch Hannover Träger an manchen Tagen schweren Dunkel an anderen.

00:44:34: Die Wohnung ist klein Fenster mit Blick auf die Straßen in denen Menschen leben arbeiten und streiten.

00:44:41: Hans ist jetzt neunzehn, fritts zweiundvierzig.

00:44:45: Dreiundzwanzig Jahre Unterschied fast ein ganzes Leben und für eine Weile scheint es ruhig zu werden.

00:44:51: keine großen Ereignisse keine Schlagzeilen fast Alltag.

00:44:55: aber Ruhe ist nicht dasselbe wie Frieden denn zwischen Fritz und Hans bleibt etwas Unruhiges.

00:45:02: sich streiten immer wieder Nicht diese kurzen Auseinandersetzung die vergehen sondern Streit der Türen zuschlägt.

00:45:09: Der Tage nachklingt Mehrfach wird Fritz Hans aus der Wohnung und jedes Mal kommt Hans zurück oder Fritz holt ihn zurück.

00:45:17: Man trennt sich, man versöhnt sich als würde keiner wirklich gehen wollen oder können.

00:45:24: dann unterbricht wieder etwas den Alltag.

00:45:27: Fritz wird erneut verurteilt diesmal wegen Diebstahls.

00:45:31: sechs Monate Arbeitslager wieder weg wieder warten wieder Mauern und vielleicht denkt er dieses mal dass wenigstens etwas gleich bleiben wird Die Wohnung, Hans.

00:45:41: Ein Ort zu dem er zurückkehrt.

00:45:44: Aber als Fritz entlassen wird und zurück kommt ist die Wohnung leer Nicht unordentlich nicht verlassen Leer.

00:45:50: Hans Kranz hat alles mitgenommen Möbel Dinge vielleicht mehr Und plötzlich bleibt nur Stille Die Art von Stille, die nicht leer klingt Sondern wie eine Antwort.

00:46:03: Und während Fritz in den Räumen steht In denen kurz zuvor noch sein Leben gewesen sein soll Beginnt sich etwas anderes im Bewegung zu setzen Wieder einmal.

00:46:12: Als Fritz zurückkehrt, wartet nicht nur die leere Wohnung auf ihn Auch das Geld ist weg.

00:46:18: Hans hat in seiner Abwesenheit offenbar nicht nur gelebt Sondern er hat es ausgegeben auch Fritz.

00:46:24: Rentengeld Monat für Monat.

00:46:26: Für Fritz ist das mehr als Ärger.

00:46:28: Es ist parat Und wie so oft in seinem Leben reagiert er nicht mit Abstand Kat?

00:46:36: Es ist Parat!

00:46:37: Und wieso oft in deinem Leben reagierte er nicht Mit Abstand sondern mit Bruch.

00:46:42: Er wirkt Hans aus der Wohnung wieder einmal.

00:46:45: Und wieder wirkt es zunächst wie einer dieser Streitigkeiten, die die beiden schon oft hatten – laut endgültig und doch nie wirklich endgöltig!

00:46:53: Dann taucht ein anderer Name auf.

00:46:56: Hans Keimes, siebzehn Jahre alt.

00:46:59: Ein Junge wird vermisst.

00:47:01: Fritz meldet sich.

00:47:05: Er wird besorgt fragt nach beteiligt sich so erzählen ist die Berichte später.

00:47:10: er scheint Anteil zu nehmen Fast so, als wolle er helfen.

00:47:15: Doch mit dem Wissen das Jahre später auf diese Zeit fällt bekommen solche Szenen einen anderen Klang.

00:47:20: Man beginnt sich zu fragen War es Sorge oder war es etwas anderes?

00:47:25: Später wird die Leiche des Jungen gefunden und bei ihm ein Taschentuch Mit einem Monogramm Hanskranz Ein Detail dass plötzlich wie ein Fingerzeug wirkt fast zu deutlich, fast zu passend.

00:47:40: Doch dann zeigt sich etwas, dass die Geschichte verändert.

00:47:43: Hans Kranz sitzt zu dieser Zeit wegen Liebstands im Gefängnis – er kann die Tat nicht begangen haben.

00:47:49: und plötzlich bekommt das Taschentuch ein anderes Gewicht!

00:47:53: Nicht als Beweis sondern als Frage.

00:47:56: War es Zufall?

00:47:58: War's Absicht?

00:48:00: Sollte hier jemand belastet werden?

00:48:03: Historiker und spätere Darstellungen haben immer wieder die Möglichkeit diskutiert, dass Fritz versucht haben könnte den Verdacht auf Hans zu lenken.

00:48:12: Eindeutig beweisen lässt sich das jedoch nicht – aber die Nähe dieses Verdachtes bleibt!

00:48:18: Und vielleicht ist genau das das Unruhige daran?

00:48:21: Nicht nur die Vorstellung, dass jemand tötet sondern die Möglichkeit, dass jemann danach versucht, die Geschichte umzuschreiben… Das Schuld nicht verschwinden soll, sondern nur einen anderen Namen tragen.

00:48:35: Und dann vertragen sie sich wieder!

00:48:38: Wer hätte es gedacht?

00:48:40: Nach Streit nach Vorwürfen nach Geld nach weggehend nach Wiederkommen steht Hansgranz irgendwann wieder vor Fritz Tür oder Fritz für seiner?

00:48:49: und wieso oft in dieser Geschichte passiert etwas Merkwürdiges.

00:48:53: Was eben noch entgültig wirkte, ist plötzlich wieder Alltag.

00:48:57: Sie leben wieder zusammen – als hätte es die Brüche nie gegeben!

00:49:00: Bis heute bleibt die Frage offen?

00:49:06: Was wusste Hans Kranz?

00:49:07: Später behauptet er von den Taten nichts gewusst zu haben nur vom Schwarzmarkt, nur von Geschäften nicht von dem was hinter den Türen passiert sein soll.

00:49:16: aber genau diese Aussage hinterlässt bis heute Fragen Wie viel sieht man von einem Menschen mit dem man lebt?

00:49:24: Und was entscheidet man, nicht sehen zu wollen?

00:49:28: Hans beschreibt sich später selbst als heterosexuell.

00:49:31: Es habe Frauen gegeben Beziehung und gleichzeitig bleibt seine Verbindung zu Fritz bestehen.

00:49:37: Auch deshalb wirkt seiner Rolle bis heute schwer kreifbar Nicht eindeutig nicht aufzulösen.

00:49:44: Während diese Frage offen bleibt geht draußen das Leben weiter Der Bahnhof bleibt derselbe Menschen kommen an, Menschen gehen und Fritz ist auch dort Immer wieder.

00:49:56: Dort begegnet er dem siebzehnjährigen Fritz Franke, eine Begegnung wie viele zuvor – ein Gespräch, ein Angebot.

00:50:06: Ein Zimmer etwas zu essen, einen Ort zum Ausholen und wieder geht jemand mit.

00:50:12: Später wird bekannt, Fritz-Franke kehrt nicht zurück.

00:50:16: Nach den späteren Aussagen Harmans soll sich auch hier ein Muster wiederholt haben.

00:50:21: Er beschreibt später dass er sich im Verlauf der Tat am Hals des Jungen verbissen habe.

00:50:27: Dieses Detail, der bis im Bereich des Adams abfällt, haucht in einer Mittelung und späteren Erzählung immer wieder auf.

00:50:34: Nicht wegen seiner Brutalität sondern weil genau daraus Jahre später ein Bild entsteht – Ein Name!

00:50:40: Der Werbeuf von Hannover.

00:50:42: Ein Name, der fast klingt wie eine Legende.

00:50:44: aber Legenden machen das Tanz.

00:50:47: Die Wirklichkeit war näher.

00:50:49: Kein Wald, kein Monster.

00:50:51: Nur eine Wohnung, eine Stadt ein Bahnhof und Menschen die dachten sie würden jemand nur kurz aus den Augen verlieren.

00:50:58: Später wird Fritz Harman etwas behaupten das die Rolle von Hans Tranz noch undurchsichtiger macht.

00:51:06: Er sagt, Hans habe es gesehen!

00:51:08: Nicht Gerüchte gehört nicht etwas geahnt sondern ihn gesehen in der Wohnung über den leblosen Körper des jungen Gebäude.

00:51:16: Es ist eine Aussage die schwer bietet und gleichzeitig bleibt sie genau das eine Aussage.

00:51:22: Denn diese Geschichte erzählen Menschen oft erst später im Verhör vor Gericht, wenn Erinnerungen Angstschuld- und Eigennutz längst miteinander verwoben sind.

00:51:32: Hans beschreitet vieles, Harmon belastet – und irgendwo dazwischen bleibt eine Frage hängen die nie ganz verschwendet was wusste Hans wirklich?

00:51:41: Hat er Dinge übersehen nicht verstanden nicht verstehen wollen?

00:51:45: Oder war er näher an all dem, als was er später zugab.

00:51:50: Sicher ist nur von diesem Zeitpunkt an verändert sich etwas.

00:51:55: Etwas wirkt beschleunigt, als hätte sich eine Grenze verschoben, als wären aus Einzelnen ein Muster geworden.

00:52:03: Fritz ist dann zwischen vierzig Jahre alt – kein junger Mann mehr!

00:52:07: Kein Suchender, kein Gescheiteter.

00:52:09: Sondern jemand der gelernt hat, sich zu bewegen Zwischen Bahnhof und Wohnung, zwischen Polizei und Schwarzmann.

00:52:16: Zwischen Vertrauen und Misstrauen.

00:52:19: Und vielleicht liegt genau darin etwas Unruhiges, denn viele Menschen Glaubengefahr müsse auffallen, müsse chaotisch sein oder verborgen.

00:52:27: aber Fritz Harmann wirkt inzwischen fast angekommen.

00:52:30: er kennt Beamte, er kennt die Stadt, er kent die Wege.

00:52:34: und genau an dieser Zeit beginnen die Abstände kürzer zu werden nicht mehr Monate!

00:52:40: Nicht mehr lange Unterbrechungen sondern eine Zeit in der später auffällt das Menschen verschwinden und wieder jemand fehlt, und noch jemand.

00:52:49: Und dass niemand sofort erkennen, dass all diese Geschichten längst miteinander verbunden sind.

00:52:54: Vielleicht verändert Gewalt nicht nur das Leben der Menschen die ihr begegnen.

00:53:00: Vielleicht verändern sich auch der Mensch selbst – nicht plötzlich sondern leiser!

00:53:05: Dass niemand merkt wenn aus einer Ausnahme Gewohnheit geworden ist.

00:53:10: Wenn Fritz Harman später über die Taten spricht fällt etwas auf Nicht Reue, nicht Schuld zumindest nicht so wie man es erwarten würde.

00:53:17: Stattdessen beschreibt er immer wieder etwas anderes, ein innerer Trang.

00:53:22: Etwas dem er so sagte selbst nachgegeben habe.

00:53:25: Es sind Sätze die verstören vielleicht auch deshalb weil sie so nüchtern wirken als würde etwas unfassbares nicht aus Entscheidungen standen sein sondern einfach passiert sein.

00:53:39: aber außerhalb solcher Erklärung bleibt etwas anderes bestehen Die Menschen die begegneten und die Wege auf denen ihr ihr Vertrauen gewann.

00:53:48: Im März neunzehrendezehnunddreinzwanzig trifft Harman auf Willem Schulze.

00:53:52: Wieder beginnt es am Bahnhof, dort wo Menschen ankommen, wo niemand lange fragt, wo junge Menschen unterwegs sind ohne Zitel und ohne Zuhause.

00:54:01: Wilhelm ist von zu Hause fortgelaufen Und Fritz spricht ihn an – nicht laut, nicht auffällig.

00:54:10: Er gibt sich wie offenbar mehrfach als jemand aus der helfen könne Als jemand mit Verbindung zur Polizei Jemand der Ordnung kennt Sicherheit einer Wachsener.

00:54:20: Und vielleicht ist genau das das Schwierigste an dieser Geschichte?

00:54:24: Nicht zwang am Anfang, sondern Vertrauen!

00:54:26: Fritz hört zu, stellt Fragen tut so als würde er verstehen – nicht drängend, nicht bedrohlich.

00:54:32: ein Mann der sich Zeit nimmt und Wilhelm kommt mit in die Wohnung.

00:54:37: später beschreiben Menschen diese Räume als auffallend ordentlich fast übertrieben sauber nichts wirkaotisch Nichts wirke fährlich.

00:54:46: Und Fritz selbst wird von vielen Zeitgenossen als freundlich beschrieben, sympathisch und

00:54:50: zugänglich.".

00:54:54: Nicht wie jemand, von dem man instinktiv zurückweicht – vielleicht erklärt genau das ein Teil davon, warum ihm Menschen vertrauten?

00:55:01: Warum Jungen mitgingen?

00:55:02: Nicht aus Leichtsinn!

00:55:04: Sondern weil Gefahr nicht immer aussieht wie Gefahr.

00:55:06: Nicht jede Begegnung endet gleich.

00:55:08: Nicht jeder Junge verschwand.

00:55:10: Manche blieben kurz, manche gingen wieder.

00:55:12: Mancher erledigten Besorgung Bodengänge und kamen zurück oder eben nicht.

00:55:18: Und vielleicht ist genau das einer der unruhigsten Gedanken an dieser Geschichte, dass es keine dunklen Keller brauchte, keine Drohungen, keine große Inszenierung nur jemandem der zuhört, der freundlich wirkt – und eine Tür die offen steht!

00:55:34: Weil.

00:55:34: Wilhelm Schulze wiederholt sich etwas, nicht in jedem Detail aber im Muster Widerbahnhof.

00:55:42: Wieder Vertrauen, wieder eine Wohnungstür, später wird bekannt, dass Wilhelm dort sexualisierte Gewalt erlebte.

00:55:50: Und auch in diesem Fall beschreibt Harmon später eine Tötung auf eine Weise die immer wieder mit dem Bild verbunden sein wird das seinen späteren Beinnahmen prägen sollte.

00:56:00: der Biss in den Halsbereich.

00:56:02: Wilhelm Schulze kehrt ihn nicht zurück.

00:56:05: Sein Körper wurde nie gefunden.

00:56:07: was bleibt sind Spuren und etwas das im Rückblick schwer auszuhalten ist.

00:56:13: Die Dinger eines Menschen bleiben oft länger als der Mensch selbst.

00:56:16: Kleidung, Gegenstände, Alter.

00:56:19: Später wird bekannt das Kleidungsstücke weitergegeben wurden unter anderem an die Vermieterin – als Teil einer Begleichung von offenen Kosten.

00:56:27: Solche Details wirken fast klein und genau deshalb bleiben sie hängen weil Sie zeigen wie nah all das am Alltag bleibt.

00:56:37: Im Mai deklar verschwinden weitere junge Menschen unter ihnen Roland Huch Ein Junge, der von zu Hause fortgelaufen war.

00:56:46: Und Hans Sonnenfeld.

00:56:48: Während einzelne Familien suchen scheint die Stadt weiterzugehen.

00:56:52: Vermisstenanzeigen gibt es Aber in diesen Jahren verschwinden viele Menschen Nach Kriegszeit Armut-Bahnhilfe Jugendlich unterwegs.

00:57:02: Nicht jeder Fall bekommt Aufmerksamkeit Nicht jede Suche wird sofort groß und vielleicht entsteht genau dort etwas gefährliches zwischen Überforderung, Gewöhnung und dem Gedanken das jemand schon wieder auftauchen wird.

00:57:16: Währenddessen verändert sich etwas um Harman herum.

00:57:19: Er wirkt sicherer, ruhiger fast selbstverständlicher als würde er sich immer weniger beobachtet fühlen.

00:57:26: doch gleichzeitig beginnen andere genauer hinzusehen nicht die Polizei Die Nachbarn.

00:57:32: Sie hören bis spät in die Nachbewegungen der Wohnung Schritte Geräusche Unregelmäßige Zeiten Und dann beginnt Harman Fleisch zu verkaufen.

00:57:42: Es wird als Schweinefleisch bezeichnet, kleingeschnitten praktisch.

00:57:48: In einer Zeit in der viele Menschen so wenig haben Deutschland nach dem Krieg ein Ort des Mängels ist stellt man wenig Fragen wenn etwas erschwinglich ist.

00:57:57: und trotzdem entstehen Fragen Woher kommt das alles?

00:58:01: Wie kommt er daran?

00:58:03: Wenn jemand nachfragt, wechseln die Antworten Mal so mal anders.

00:58:07: Nichts Konkretes nichts Greifbares Nur dieses Gefühl, dass etwas nicht zusammenpasst.

00:58:14: Es entstehen Gerüchte.

00:58:16: Später werden einige davon immer weiter ausgeschmückt – aber an diesem Moment wissen die Menschen vor allem eines.

00:58:22: Irgendetwas wirkt seltsam!

00:58:25: Im Juni, neunzerdreinzwanzig zieht Fritz schließlich um mit Hans Kranz hinauf in eine Dachgeschosswohnung.

00:58:32: Weiter weg neue Wände, neuen Nachbarn, neue Fenster Und vielleicht glaubt er in diesem Moment, dass man mit einem Umzug auch Fragen zurücklassen kann.

00:58:43: Aber manche Dinge ziehen mit und manchmal beginnt eine Geschichte nicht dort wo Menschen misstrauisch werden sondern dort wo sie zu lange nicht waren.

00:58:53: Zur XXIII verschwindet wieder ein Junge Ernst Ehrenberg, diesmal nicht vom Bahnhof.

00:58:58: Nicht aus der Ferne!

00:59:00: Er stammt aus der Nachbarschaft.

00:59:01: Ein Kind aus derselben Umgebung.

00:59:04: Aus Straßen die vertraut sind.

00:59:05: Aus einem Alltag in dem man sich kennt.

00:59:08: und vielleicht liegt genau darin etwas Unruhiges denn irgendwann scheint es als würde Fritz nicht mehr nur die Menschen ansprechen die niemand vermisst sondern Menschen die näher sind zu nah.

00:59:20: später entsteht bei den ermittlungen der Eindruck dass sie Abstände zwischen den Taten kürzer werden Als würde etwas das lange Verborgen blieb, immer weniger Unterbrechung brauchen.

00:59:30: Und gleichzeitig tut Harman etwas anderes!

00:59:34: Er bleibt sichtbar – er bewegt sich weiter zwischen Bahnhof, Schwarzmarkt und der Polizei.

00:59:39: Immer wieder liefert er Hinweise.

00:59:41: Belastet andere zeigt auf Menschen.

00:59:43: Fast so als würde er sich seine Nützlichkeit erhalten wollen.

00:59:48: Solange man Hinweise liefert, stellt vielleicht niemand die falschen Fragen.

00:59:52: Dann folgen weiteren Namen Heinrich Stroß Paul Broniszewski, Richard Grief, junge Menschen.

01:00:02: Verschiedene Wege, verschiedene Geschichten und doch beginnt alles irgendwann ähnlich auszusehen.

01:00:08: Kontakt, Vertrauen eine Wohnung.

01:00:11: Später wird bekannt das haben persönliche Gegenstände häufig behielt Kleidung kleine Habseligkeiten Dinge die einmal jemanden gehört hatten fast so als würden Gegenständen länger bleiben als menschen.

01:00:23: Im Oktober, neunzeirundzwanzig begegnet er Willem Erdner.

01:00:27: Später wird berichtet, dass Harman sich ihm gegenüber als Polizist ausgab – nicht als Täter, nicht als Frender sondern als Autorität!

01:00:36: Als jemand dem man folgt, Erdne geht mit ihm aber nicht zur Wache.

01:00:42: Auch er kehrt nicht zurück.

01:00:44: Im selben Monat verschwindelt Heizbringmann.

01:00:46: Irgendwann beginnt sich eine Frage in den Vordergrund zu schieben.

01:00:50: Nicht nur wie konnte Harman das tun?

01:00:52: sondern wie konnte niemand etwas bemerken?

01:00:56: Und dann steht er wieder dieser Name, Hans Kranz.

01:00:59: Später sagt er, er habe nichts gewusst, nichts von den Taten, nichts davon was in der Wohnung geschehen sei nur Alltag, nur Geschäfte, nur Zusammenleben.

01:01:08: aber diese Aussage lässt viele nicht los denn die Wohnung war nicht groß.

01:01:12: sie liebten zusammen Tag für Tag Tür an Tür und genau deshalb wird bis heute diskutiert Was Hans wusste.

01:01:20: Historiker und Gerichte haben sich mit dieser Frage beschäftigt.

01:01:24: Nicht alles ließ sich beweisen, nicht jede Vermutung wurde zur Gewissheit.

01:01:28: aber die Frage bleibt – vielleicht weil sie größer ist als dieser Fall?

01:01:35: Wie nah kann man einem Menschen sein und trotzdem nichts sehen?

01:01:39: oder ist die eigentliche Frage eine andere?

01:01:41: was übersehen Menschen wenn Sie glauben den anderen längst zu kennen?

01:01:47: Im November und mit ihm wird die Geschichte noch schwerer zu greifen.

01:01:56: Diesmal geht es nicht nur um Fritz Harmann, sondern auch um Hans Kranz!

01:02:03: Die beiden lernen den jungen Mann kennen – was danach geschieht, wird später zu einem der unrüsten Teile dieses Fals, denn später wird behauptet Adolf Hannapel sei bereits kurz nach der Begegnung tot gewesen ….

01:02:16: Und noch etwas wird erzählt… Das Hans-Kranz bei ihm gewesen ist, dass der Tote neben Hans Kranz gelegen haben sollte und das Hans Fritz angewiesen habe sich um die Beseitigung zu kümmern.

01:02:30: Ob jedes Detail genauso geschah darüber wurde gestritten vor Gericht in Aussagen, in Erinnerung.

01:02:36: Menschen widersprachen sich belasteten einander zogen Aussagen zurück und plötzlich ging es nicht mehr nur um die Frage was es passiert sondern wer wusste was?

01:02:49: Denn mit jedem neuen Namen wurde es schwieriger zu glauben, dass Hanskranz nichts bemerkt haben soll.

01:02:54: Die Wohnung war klein, die Wege kurz, die Nächte lang und trotzdem sagt der später erbe nichts gewusst – nur vom Schwarzmarkt!

01:03:01: Nur von Geschäften nicht von den Taten.

01:03:04: Eine Aussage, die bis heute Fragen hinterlässt.

01:03:07: Aber während drin vielleicht geschwiegen wurde begannen draußen etwas anderes... ...die Stadt fing an zu reden Denn irgendwann verschwinden zu viele.

01:03:16: Zu viele Jungs, zu viele Geschichten die ähnlich beginnen.

01:03:20: Bahnhof mitkommen nicht zurück kommen und trotzdem dauert es!

01:03:26: Nicht weil niemand etwas sah sondern bei den Zeiten.

01:03:29: andere waren Deutschland Anfang der neunzehnundzwanziger.

01:03:32: Inflationen Armut Kinder und Jugendliche verschwenden häufiger aus dem Alltag Viele laufen weg, viele reisen ohne Ziel.

01:03:40: Und wenn jemand nichts zurückkehrt hofft man zuerst Man wartet, man erklärt bevor man sucht.

01:03:45: Doch Gerüchte brauchen keine Beweise, sie brauchen nur Wiederholung.

01:03:50: Und irgendwann entstehen in Hannover Geschichten von einem Mann, Von verschwundenen Jungen, Von nächtlichen Wegen, Von einen Namen den damals immer mehr Menschen flüstern Nicht Fritz Harmann sondern der Werbeuf von Hannover.

01:04:05: Der Name verbreitet sich von Nachbarn über Höfer Durch Kneipen von Mund zu Mund, fast als hätte die Stadt selbst versucht zu erklären was sie nicht verstehen konnte.

01:04:18: Ein Bärwolf etwas Wildes, etwas Nichtmenschliches.

01:04:21: vielleicht war das einfacher wahr?

01:04:23: Denn wenn ein Monster Schuld ist muss niemand fragen wo man nichts gesehen hat.

01:04:28: Aber der Bär Wolf von Hannover lebt nicht außerhalb der Stadt erlebt mitten drin unter Nachbarn mit einem Mitbewohnern und Kontakt zur Polizei.

01:04:37: Und vielleicht war genau das das Unheimlichste daran.

01:04:41: Im Januar hier verschwindet wieder ein Junge.

01:04:44: Ernstspieker, später wird man ihn als fünftzehntes Opfer zählen.

01:04:50: Aber Zahlen haben etwas Gefährliches.

01:04:52: Sie machen aus Menschen rein Und dabei hatte jeder dieser Jungen einen Namen Eine Stimme Ein Weg nach Hause Etwas das nie zu Ende erzählt wurde.

01:05:02: Als Haarmann später über diese Zeit spricht wirkt etwas daran verstörend.

01:05:08: Er sagt dass die Namen irgendwann verschwammen.

01:05:11: nicht jeder Erinnerung blieb, nicht jedes Gesicht.

01:05:14: Aber die Kleidung an die Kleiddung konnte er sich erinnern – Jacken, Stoffe, Farben, Dinge, die getragen wurden.

01:05:21: Später entstand daraus der Eindruck das Gegenstände für ihn eine andere Bedeutung hatten.

01:05:26: Nicht Erinnerungen an Menschen sondern etwas dass bliebt, etwas das Besitz wurde.

01:05:32: und vielleicht liegt darin etwas Unruhiges, das am Ende Stoff länger bleibt als ein

01:05:36: Name.".

01:05:38: Im Mayen-Ninzehnzwanzig verschwindet fritzwittig.

01:05:41: Später taucht eine Aussage auf, die viele beschäftigt.

01:05:45: Hans Kranz sorgefallen an dessen Anzug gefunden haben.

01:05:49: Wieder so ein Detail des Kleinen wirkt fast banal und deshalb so schwer auszuhalten ist.

01:05:56: Weil das alltägliche plötzlich neben ihm unfassbaren steht.

01:06:00: danach folgt Friedrich Abeling Und langsam verändert sich etwas in Hannover.

01:06:06: Die Stadt wird unruhig nicht plötzlich Nicht mit sie reden, sondern schleichend.

01:06:13: Menschen beginnen genauer hinzusehen.

01:06:15: Kinder sollen früher nach Hause kommen Man spricht leiser auf den Höfen in den Küchen an offenen Fenstern und dann passiert etwas Zwei Kinder spielen am Flussufer.

01:06:26: Es ist einer dieser Tage an denen Erwachsene nicht genau hinschauen Steine Wasser Zeit vergeht Und dort machen sie einen Frund Ein Schädel erlandet bei der Polizei.

01:06:38: Aber zunächst passiert wenig Nicht nichts, aber nicht genug.

01:06:43: Auch spätere Knochenfunde führen nicht sofort zu dem was man erwarten würde – vielleicht weil niemand das Ausmesser kennen will?

01:06:50: Vielleicht weil niemand glauben möchte dass all die Dinge zusammengehören?

01:06:55: Währenddessen gehen die Tage weiter.

01:06:57: Straßemann fahren, Märkte öffnen Menschen kaufen Brot und irgendwo fehlen immer mehr Jungen.

01:07:05: Später wird man über das Jahr Dreizehn junge Menschen innerhalb eines Jahres.

01:07:15: Aber selbst diese Zahl erzählt nicht alles, denn hinter jeder Zahl steht jemand.

01:07:21: Der dachte er komme zurück und eine Stadt die langsam begann zu verstehen dass der Name den man sich zuflüssette der Werbeuf von Hannover vielleicht keine Geschichte mehr war.

01:07:33: Im Juni, nineteen vierundzwanzig verschwindet wieder ein Junge ehrigte Fries Und diesmal bleibt etwas zurück, das sich nicht so leicht übersehen lässt.

01:07:43: Seine Schwester erinnert sie – Sie hat gesehen wie Erich mit Fritz Hammann mitgingen!

01:07:48: Kein Gerücht, kein späterer Gedanke, ein Bild, zwei Menschen die zusammen fortgehen und manchmal beginnt Veränderung mit genau solchen Änderungen, nicht groß, nicht laut.

01:08:01: Nur jemand der sagt ich habe ihn gesehen.

01:08:04: Zur selben Zeit verändert sich die Stimmung in Hannover.

01:08:06: Etwas liegt in der Luft Nicht nur Angst, etwas anderes.

01:08:10: Ungeduld!

01:08:11: Die Menschen haben das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

01:08:14: Zu viele vermisste zu viele Geschichten Zu viele Antworten die keine Antwort sind Und irgendwann hören einige aufzuwarten.

01:08:23: Sie gehen los an die Leine zum Ufer Nicht als Amitler, nicht mit Befugnissen Sondern mit dem Gefühl, daß niemand sonst hin sieht.

01:08:32: Man sucht zwischen Schilf im Schlamm Zwischen Essen und angeschwemmmten Treibhut Und dann findet man etwas Knochen.

01:08:39: Nicht einen, nicht wenige!

01:08:43: Hunderde Teile.

01:08:44: Plötzlich ist da etwas das nicht mehr wie ein Gerücht aussieht.

01:08:48: Etwas dass man nicht mehr erklären kann.

01:08:51: Nicht mit Weglaufen, nicht mit Zufall, nicht dem Satz er wird schon wiederkommen.

01:08:57: Jetzt reagiert die Polizei.

01:08:59: Netze werden in die Leine gezogen Der Flussuntergrund wird abgesucht Und es tauchen weitere Funde auf, immer mehr.

01:09:07: Jetzt beginnt etwas das vorher nicht wirklich begonnen hatte – die Suche nach einem Täter.

01:09:12: Namen werden gesammelt, Verbindungen geknüpft und irgendwann fällt auf Einnahme taucht zu oft auf Fritz Harmann.

01:09:21: Er wird mit einigen der verschwundenen Jungs in Kontakt gebracht Nicht allen aber genug.

01:09:26: und trotzdem fällt es vielen schwer Denn Harmann ist kein Fremder, kein Außenseiter.

01:09:33: Er ist bekannt, er bewegt sich seit Jahren zwischen Bahnhof- und Polizeilienststellen.

01:09:37: Er hilft, er liefert Beweise, er kennt Beamte – und die Beamten kennen ihn!

01:09:42: Wie soll jemand Täter sein mit dem man spricht?

01:09:45: Der freundlich Gruß… der geholfen

01:09:47: hat?!

01:09:48: Vielleicht ist genau das der Moment in dem die Geschichte noch einmal unruhig wird … denn Verlach ist es einer aber jemandem wirklich anders zu sehen ist etwas anderes.

01:09:59: Schließlich entscheidet man sich zu einem ungewöhnlichen Schritt Nicht die Beamten, nicht die Männer aus Hannover.

01:10:05: Man holt Ermittler von außerhalb.

01:10:07: Zwei Beamte aus Berlin – sie sollen beobachten!

01:10:10: Weil man fürchtet, dass Harman die Geschichte vor Ort längst kennt.

01:10:13: und plötzlich passiert etwas Seltsames.

01:10:16: Zum ersten Mal seit langer Zeit schaut jemand auf Fritz Harmann.

01:10:19: Nicht als Spitze, nicht als Helfer.

01:10:24: Sondern als jemand der vielleicht etwas verbirgt und irgendwo zwischen Bahnhoffluss- und Dachgeschosswohnung beginnt sich etwas zu schließen… Langsam, aber nicht mehr aufzuhalten.

01:10:35: Die Beamten aus Berlin machen nichts Auffälliges!

01:10:38: Keine Uniform?

01:10:39: Keine großen

01:10:40: Fragen?!

01:10:41: Sie geben sich als Obdachlose aus – sie stehen am Bahnhof.

01:10:45: Dort wo Fritz Harman seit Jahren unterwegs ist… Dort wo er Menschen anspricht … dort wo er längst dazugehört….

01:10:52: sie beobachten stundenlang Tage und dann fällt ihnen etwas auf ein Junge einer auseinandersetzung.

01:11:00: Harman spricht mit ihm.

01:11:04: Der Junge wirkt nicht frei, schließlich bringt Harman selbst ihn zur Wache als wäre er der Helfer Als würde er einen Fall melden.

01:11:13: Er erklärt, der Junge dreht unter falschen Namen auf.

01:11:17: Der Junge ist fünfzehn Jahre alt Sein Name Code Fromm.

01:11:22: Auf der Wache erzählt er etwas ganz anderes.

01:11:24: Er berichtet dass Harmann ihn mehrere Tage in der Wohnung fest gehalten habe Von Übergriffen von Angst und davon das er bedroht worden sei.

01:11:33: Plötzlich steht nicht nur ein Verdacht im Raum.

01:11:36: Nicht mehr nur Gerüchte, nicht mehr nur Geschichten vom Bahnhof!

01:11:40: Jetzt sitzt dort ein Junge und er erzählt.

01:11:43: Am nächsten Morgen wird Fritz Harman verhaftet – diesmal nicht als Spitzel, nicht als Informant, sondern als Beschuldigter.

01:11:53: Die Beamten durchsuchen die Wohnung und obwohl Harman gereinigt hat oder gründlich gereinigen hat, finden sie Dinge, die sich nicht so einfach wegwischen lassen.

01:12:03: Spuren, Verfärbungen Die Matratze?

01:12:07: Der Boden.

01:12:08: Harman erklärt sofort Das Blut komme vom Fleischhandel Vom Zerlegen Vom Arbeiten.

01:12:15: Eine Erklärung vielleicht eine von vielen Aber diesmal reicht sie nicht mehr.

01:12:19: Die Verhöre beginnen Tag und Nacht Fragen, Protokolle Widersprüche Und dann finden die ermittler etwas anderes Nicht Waffen, nicht Antworten Sondern Gegenstände Kleidung, persönliche Dinge, Dinge die einmal jemanden gehört haben.

01:12:35: Die Beamten legen sie später auf der Bache aus – ein seltsames Bild!

01:12:40: Kein Beweismaterial hinter verschlossenen Türen sondern reinen Ausstoff jakken Hemden Ein Versuch nahm zu finden.

01:12:48: Familien kommen Mütter, Väter, Geschwister.

01:12:51: Sie gehen an Dingen vorbei Bleiben stehen schauen länger und manche erkennen etwas Ein Stoff Eine Naht, ein Kleidungsstück.

01:12:59: Etwas das eigentlich nach Hause hätte zurückkommen sollen und plötzlich bekommen Vermissten anzeigen Gesichter.

01:13:07: Harmon bleibt bei seiner Erklärung die Sachen seien aus dem Schwarzhandel gekauft getauscht weitergegeben.

01:13:13: aber draußen hat sich längst etwas verändert.

01:13:17: Die Stadt spricht nicht mehr vom Spitze, nicht mehr von freundlichen Mann am Bahnhof.

01:13:21: Jetzt spricht Hannover wieder seinen Namen aus.

01:13:24: Nicht mehr flüstern Der Wehrwolf von Hannover und diesmal klingt es nicht nach einem Gerücht.

01:13:33: Sondern wie etwas, das plötzlich einen Ort hat – einer Adresse eine Wohnung und einen Namen!

01:13:39: Und dann wird ein Anzug gefunden.

01:13:41: kein großes Beweistück auf den ersten Blick nur Stoff, ein Kleidungsstück und doch verändert genau dieser Fund alles.

01:13:49: der Anzug wird fritzbedicht zugeordnet.

01:13:52: Zuvor hat einer Mittler bereits ein Schild gefunden, der eindeutig ihm zugeordnet werden konnte.

01:13:58: Zum ersten Mal entsteht etwas das sich nicht mehr wegdiskutieren lässt – Nicht mehr einen Gerücht, nicht mehr nur Geschichten vom Bahnhof!

01:14:06: Nicht mehr nur eine Vermisstenanzeige!

01:14:08: Jetzt gibt es eine klare Verbindung zwischen einem Jung und Fritz Harmann.

01:14:13: Dazu kommen Aussagen Menschen die beide zusammen gesehen haben.

01:14:18: Nicht irgendwann und nicht irgendwo.

01:14:21: Plötzlich beginnen die einzelnen Linien, sich zu treffen und Harman merkt es.

01:14:27: Zum ersten Mal wirkt er als würde etwas kippen.

01:14:30: Er beginnt zu sprechen.

01:14:32: Nicht alles nicht plötzlich aber genug.

01:14:35: Er gesteht Tötung Er spricht über Übergriffe Und immer wieder kehrt er zur selben Erklärung zurück Es sei ein innerer Drang Etwas in ihm Etwas dem er nachgegeben habe.

01:14:46: Er entschuldigt sich Aber seine Worte wirken seltsam Nicht wie Reue eher wie Erklärung.

01:14:52: Und doch jetzt bleibt er vorsichtig, er gibt meist nur das so was man ihm bereits nachgewiesen hat.

01:14:59: Später nennt Harman unterschiedliche Zahlen.

01:15:02: Einmal behauptet er sogar es könnten fünfzig bis siebzig Opfer gewesen sein eine Zahl die bis heute erschüttert.

01:15:10: Nachgewiesen werden konnten ihm deutlich weniger aber selbst diese zahl reicht aus um zu begreifen dass Hannover jahrelang neben etwas gelebt hat das niemand sehen wollte Und Harman scheint das zu wissen.

01:15:22: Er hält den Beamten vor, wie einfach es gewesen sei!

01:15:27: Wie lange er vor ihren Augen gelebt habe?

01:15:30: Wie wenig Fragen gestellt wurden?

01:15:31: Wie leicht Vertrauen werden

01:15:33: konnte?!

01:15:34: Und dann belastet er Neut Hans Kranz – er sagt, Hans habe Bescheid gewusst von Anfang an oder zumindest mehr als er zugibt.

01:15:42: Auch Hans wird verhaftet.

01:15:44: Wieder beginnt alles von Form Aussagen widersprüche Schuld Verantwortung.

01:15:49: Wer wusste was Und ab wann wird Schweigenanteil der Geschichte?

01:15:54: Natürlich wird Harman untersucht.

01:15:55: Ein Gutachter spricht mit ihm, beobachtet ihn, versucht ihn zu verstehen – nicht die Taten sondern den Menschen!

01:16:02: Am Ende kommt das Gutachten zum Schluss erst verhandlungsfähig.

01:16:07: Er versteht was geschieht.

01:16:08: Im Juli hier beginnt der Prozess.

01:16:12: Nicht mehr gegen Gerüchte Nicht mehr gegen den Spitze, sondern gegen Fritz Harmann wegen zahlreicher Tötungsdelikte.

01:16:20: und draußen passiert etwas.

01:16:22: Die Zeitungen übernehmen die Geschichte sie suchen Namen Bilder etwas das größter klingt als die Wirklichkeit und so entsteht endgültig die Figur die bis heute geblieben ist der Wehrwolf von Hannover.

01:16:34: manchen nennen ihn auch Der Vampir von Hannover.

01:16:37: nahmen die Schlagzeilen machen, nahmen sie verkaufen und während draußen geschrieben wird sitzt Harmon im Mittelpunkt.

01:16:45: Und Berichte aus dieser Zeit beschreiben etwas Verstörendes.

01:16:48: Er scheint die Aufmerksamkeit nicht abzulehnen fast so als würde er zum ersten Mal erleben dass die ganze Stadt hinsieht nur viel zu spät.

01:16:57: mit dem Prozess beginnt etwas Neues Nicht die Suche, nicht die Angst sondern der Versuch zu verstehen Und gleichzeitig beginnt etwas, das bis heute in diesem Fall hängen bleibt.

01:17:08: Ein Gerücht oder vielleicht mehr als das?

01:17:11: Die Frage ob Fritz Hammern Menschenfleisch verkauft habe!

01:17:15: In Hannover wurde darüber gesprochen auf Straßen und Küchen in Zeitung viele Menschen überzeugt davon.

01:17:22: sie erzählen sich dass Fleisch das verkauft wurde sei kein Schweinefleisch gewesen.

01:17:26: es ist als Hackfleisch weitergegeben worden sein eine Vorstellung die Angst erzeugt und die sich schnell verbreitet.

01:17:33: Harman selbst bestreitet das, immer wieder.

01:17:36: Er weist diesen Vorwurf zurück und bis heute gibt es dafür keine gesicherten Belege.

01:17:42: aber manchmal spielt das irgendwann keine Rolle mehr Denn wenn eine Stadt versucht zu begreifen was passiert ist entstehen Bilder und manche Bilder bleiben.

01:17:52: Während draußen diskutiert wird sitzt Harmon im Gerichtssaal Und etwas daran irritiert viele.

01:17:58: er wirkt ruhig fast entspannt nicht so wie man es erwarten würde.

01:18:01: er antwortet Er spricht und immer wieder sagt er etwas, was schwer auszuhalten ist.

01:18:08: Dass der sich an manche Jungen gar nicht erinnern könne.

01:18:11: Dass es ihm gleichgültig sei wenn man ihn auch wegen weiterer Fälle verurteilen würde.

01:18:16: Es wären Namen austauschbar geworden.

01:18:18: Es werden Menschen irgendwann zur Erinnerung geworden die nicht mehr wichtig sind.

01:18:23: Und gleichzeitig erzählt Harman weiter an seiner Klärung Nicht aus Boßhaftigkeit, nicht aus Verantwortungslosigkeit sondern aus Trieb- und Drang habe er gehandelt etwas in ihm, etwas dem er nachgegeben habe.

01:18:37: Fast so als würde er versuchen sich selbst als jemand darzustellen der nicht anders konnte.

01:18:43: Als wäre er nicht der Täter gewesen sondern jemand dem etwas zugestoßen sei.

01:18:48: und vielleicht liegt genau darin etwas sehr Verstörendes – nicht nur den Taten, sondern darin wie wenig Platz in seinen Worten für die Menschen blieb, die verschwunden

01:18:57: waren.".

01:18:58: Nach zwei Wochen endet der Prozess das Urteilfeld.

01:19:02: Fritz Harman wird wegen vierundzwanzigfachen Mordes zu dem Tode verurteilt.

01:19:07: Enthauptung!

01:19:08: Auch Hans Grans wird zunächst zum Tode Verurteilen, doch Hans bleibt bei seiner Aussage.

01:19:16: Er habe nichts gewusst – er sei unschuldig.

01:19:18: und wieder steht die selbe Frage im Raum.

01:19:20: Die Frage, die vielleicht nie ganz verschwunden ist.

01:19:23: Wo endet wegsehen?

01:19:24: Und wo beginnt sie mit Schuld?

01:19:27: Und während das Urteil gesprochen wird, bleibt in Hannover etwas zurück.

01:19:31: nicht nur Angst sondern dieses unangenehme Gefühl, dass der Werbeuf von Hannover nie im Verborgenen gelebt hat.

01:19:38: Sondern mitten unter Menschen.

01:19:41: Als das Urteil gesprochen wird reagieren die beiden Männer unterschiedlich.

01:19:45: Fritz Harman bleibt ruhig fast zu ruhig.

01:19:48: keine großen Gesten kein Aufbegehren.

01:19:51: Menschen dem Saal sitzen erinnern sich später daran wie gefasst der Wirkte ZR mit diesem Ende gerechnet als er der längst aufgehört auf etwas anderes zu hoffen.

01:20:01: Hans Kranz dagegen bricht zusammen.

01:20:04: Für ihn scheint in diesem Moment etwas einzustürzen.

01:20:07: Er bleibt bei seiner Aussage, er habe nichts gewusst.

01:20:11: Er sei nicht beteiligt gewesen.

01:20:12: und dann passiert etwas

01:20:14: Unerwartetes.".

01:20:17: In der Nacht vor seiner Hinrichtung schreibt Fritz Harmon noch einen Brief.

01:20:21: Darin erklärt er Hans Kranz sei unschuldig.

01:20:24: Er habe nichts von den Taten gewusst – ein letzter Brief!

01:20:27: Ein letzter Eingriff an eine Geschichte die schon längst größer geworden ist als die bald Männer selbst.

01:20:32: und plötzlich steht wieder dieselbe Frage im Raum.

01:20:35: Die Frage, die diesen Fall fast bis zum Schluss begleitet war das Wahrheit?

01:20:41: War es Schuld?

01:20:42: War's Schutz?

01:20:43: oder ein letzter Versuch selbst zu bestimmen wie die Geschichte erzählt wird?

01:20:47: jedenfalls für dieser Brief dazu dass Hans Kranz Verfahren neu betrachtet wird.

01:20:52: des ursprüngliche Urteil gegen ihn bleibt nicht bestehen.

01:20:55: stattdessen wird er später zu lebenslanger Haft verurteilt.

01:20:59: Fritz Harmann selbst wird gemäß dem Urteil hingerichtet.

01:21:03: Damit endet sein Leben.

01:21:05: Aber nicht seine Geschichte, denn Geschichten wie diese enden selten an einem bestimmten Tag.

01:21:10: Hans Kranz lebt weiter.

01:21:12: Jahre später wird auch sein Leben wieder von der deutschen Geschichte eingeholt.

01:21:16: Er kommt ins Konzentrationslager Sachsenhausen Nach dem Krieg kehrte nach Hannover zurück In dieselbe Stadt andere Straßen und andere Menschen aber derselbe Ort.

01:21:30: Er stippt später am Alter von vierundsiebzig Jahren und damit endet auf dem Papier einer der bekanntesten Säenmordgeschichte in Deutschland.

01:21:37: Aber vielleicht bleibt etwas anderes länger, nicht die Schlagzeilen, nicht der Name – nicht der Werbung von Hannover sondern die Fragen.

01:21:46: Warum wurden so viele Warnzeichen übersehen?

01:21:49: Warum glaubte man lieber Angerüchter als an die Wirklichkeit?

01:21:52: Warum vertraute jemand nur weil er freundlich war?

01:21:55: Warum mussten erst Knochen um Fluss

01:21:58: liegen?!

01:21:58: vor Menschen bereit waren hinzusehen.

01:22:01: Was bleibt ist nicht nur die Geschichte eines Täters, sondern die Geschichte einer Stadt, die lange dachte das Böse müsse anders aussehen.

01:22:11: und genau darüber möchte ich jetzt noch sprechen.

01:22:13: wie immer meine Gedanken zum Schluss zumindest zu dem Fall.

01:22:17: Ich bin mir sehr sicher dass Fritz Harman oder der Behrwolf von Hannover oder der Vampir von Hannova das ganz viele da draußen kennen auch ich denke so die großen Teile der Geschichte.

01:22:29: Nichtsdestotrotz wollte ich diesen Fall unbedingt machen, weil er einfach spannend ist aus vielen verschiedenen Perspektiven.

01:22:39: und meine größter Gedanke oder worum mich mir einfach ja sich meine Fragen gekreist haben war die Person Hans Kranz.

01:22:48: also den fand ich wirklich Ganz schwierig zu verstehen und vor allen Dingen fand ich es auch super schwierig ihm irgendwas zu glauben.

01:22:57: Ich fand er war die fragwürdigste Person in dem Ganzen.

01:23:01: Ich denke tatsächlich, dass ich niemand vorstellen kann wenn man mit einer Person zusammenlebt.

01:23:05: Dass man nichts mitbekommt und das ist ja auch nicht so als wenn nur ein Mord pro Jahr passiert worden ist.

01:23:11: also dass Harman wirklich Zeit hatte sich darum zu kümmern ist es ja wirklich in jedem Monat was passiert und dann will den Hanskranz nichts davon gewusst haben.

01:23:21: Das finde ich dennoch sehr sehr fragwürdig Und das ist das was ich am schwierigsten fand.

01:23:28: dieses wegsehen halt einfach oder vielleicht war seine Rolle auch viel größer als wir das alle ahnen und als dass jemals nachgewiesen worden ist.

01:23:38: Es kann natürlich sein, dass er tatsächlich vieles nicht so registriert hat wie es sollte.

01:23:43: oder ja einfach ich schaue weg dann weiß ich nichts irgendwie so in diese Richtung.

01:23:48: halt das Wegschauen das ganze Wasser macht wie das viele andere auch getan haben also Die Polizei ja auch, weil sie sich einfach nicht vorstellen konnten dass ein Hamar zu so einen Taten fähig gewesen ist.

01:24:00: Alles im Allem glaube ich eine Geschichte die der damaligen Zeit geschuldet ist aber auch vieles... Ja wie soll ich sagen?

01:24:12: Das viel ist davon einfach auch das typische menschliche.

01:24:15: Man schaut lieber weg, bevor man der Wahrheit ins Auge sieht.

01:24:20: Das passiert heute genauso wie es damals passierte als heute in einem anderen Umfang und ich sag mal mit anderen Verbrechen, anderen Taten.

01:24:28: aber im Endeffekt dieses typisch-menschliche lieber wegsehen anstatt hinzusehen und etwas zu tun.

01:24:37: Damit möchte ich den Fall für heute gerne abschließen.

01:24:42: vier, fünf Folgen erzählen können.

01:24:44: Aufgrund dessen das es wirklich viele Hintergrundinformationen gibt gerade was so den psychologischen Anteil anbelangt der sehr spannend ist ich mich aber entschieden habe tatsächlich eine Folge zu machen die etwas länger ist und natürlich hoffe dass sie euch gefallen hat denn ja dann gerne ein Abo oder eine Bewertung da lassen oder natürlich beides.

01:25:07: das ist immer super.

01:25:09: Ansonsten findet ihr natürlich Bilder zum Fall Hintergrundinformation oder auch Zeitungsnitte auf Instagram und was bleibt Podcast.

01:25:20: Gerne auch dort kommentieren, Fragen stellen, Pfeilvorschläge bringen.

01:25:25: also ich freue mich da tatsächlich über jede Art der Kommunikation und bin da sehr offen und dankbar für.

01:25:32: Zumal ist das Format extrem unterstützt!

01:25:37: Und dann würde ich sagen, die nächste Folge erscheint am einundzwanzigsten Juni.

01:25:40: Also genau in vierzehn Tagen und bis dahin passt auf euch auf!

01:25:45: Habt eine schöne Zeit und danke dass ihr dabei wart.

01:25:48: Macht's gut!

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