Hinter der Geschichte #13 | Unter Beobachtung – Wie die Stasi Menschen kontrollierte
Shownotes
Was bedeutete eigentlich „Stasi“? Das Ministerium für Staatssicherheit war eines der wichtigsten Instrumente zur Sicherung der politischen Herrschaft in der DDR. Dabei bestand Überwachung nicht nur aus geheimen Kameras, abgehörten Telefonen oder geöffneten Briefen. Ein wesentliches Element waren Menschen. Inoffizielle Mitarbeiter lieferten Informationen über Kollegen, Nachbarn, Freunde und teilweise sogar Angehörige. Gleichzeitig entstanden umfangreiche Aktenbestände über Menschen, die in das Blickfeld der Staatssicherheit geraten waren. In dieser Folge beschäftigen wir uns unter anderem mit: dem Ministerium für Staatssicherheit und seinen Aufgaben hauptamtlichen und Inoffiziellen Mitarbeitern Beobachtung und Überwachung Post- und Telefonkontrolle Akten und Informationssammlung dem Begriff der „Zersetzung“ den Auswirkungen von Überwachung auf den Alltag der Frage, was nach 1989 mit den Stasi-Unterlagen geschah Die Folge ergänzt unsere aktuelle Sonntagsfolge „Der Tränenpalast – Wo Abschied zum Alltag wurde“ und liefert historischen Hintergrund zur staatlichen Kontrolle in der DDR. 🎧 Was bleibt – Historische Kriminalfälle und ihre Geschichten 🔗 Kooperationen & „Was bleibt“ auf SocialDB Für Kooperationen, Sponsoring und weitere Informationen findet ihr „Was bleibt“ auch auf SocialDB: Was Bleibt auf SocialDB
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00:00:02: Manche Geschichten endet mit einer Antwort.
00:00:04: Andere hinterlassen Fragen, doch hinter jedem historischen Fall verbirgt sich noch eine zweite Geschichte – die Geschichte seiner Zeit der Ermittlung und unserer eigenen Faszination für das Ungeklärte.
00:00:19: Warum lassen uns manche Verbrechen nicht los?
00:00:22: Wie entstehen Gerüchte und Legenden?
00:00:24: Und was geschieht wenn Vermutungen irgendwann wie Tatsachen
00:00:27: klingen?".
00:00:29: In hinter der Geschichte verlassen wir für einen Moment den eigentlichen Tatort.
00:00:33: Wir betrachten die Zusammenhänge, ordnen Begriffe ein und fragen was solche Fälle mit uns und unserer Gesellschaft machen – ruhig, respektvoll und ohne aus einer Vermutung eine Gewissheit zu machen.
00:00:46: Hi!
00:00:47: Ich bin Susanne und das ist Hinter der Geschichte Ein Format von Was Bleibt.
00:00:52: Im letzten großen Fall haben wir über Schesler Kokoschka und den Trinpalast gesprochen.
00:00:57: Und wie dieser auf mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist, was sich dahinter eigentlich verbirgt.
00:01:05: Darüber haben wir ja nur so ein Stückchen weit.
00:01:09: Ja habe ich euch davon berichtet aber ich glaube da gibt es noch viel mehr.
00:01:14: also gerade so statt Sicherheit der DDR.
00:01:18: Das ist ein riesiges Thema, ich glaube da kann man eine ganze Staffel voll machen.
00:01:21: Das wollen wir natürlich nicht.
00:01:22: deshalb habe ich mir gedacht Ich greife das Thema heute aber auf und schau mal was ich für euch so gefunden habe oder auch für mich selber einfach weil man ist ja nicht in jedem Detail so drin.
00:01:35: dort gibt es natürlich das ein oder andere zu berichten Dinge die Ja so ein bisschen im Verborgenen sind Und man gar nicht so viel darüber spricht würde ich mal meinen.
00:01:46: Ich habe euch ja erzählt, wie das damals für mich gewesen ist.
00:01:49: Gerade zur Wendezeit.
00:01:51: Also ich muss dazu sagen meine Eltern haben offiziell einen Ausreiseantrag gestellt so hieß es damals und wir sind dann tatsächlich in den Westen gefahren.
00:02:05: Das war aber alles im Zuge dessen dass es in der DDR schon tatsächlich gewackelt hat und die Grenze so nennen wir es mal halb offenbar.
00:02:12: Also von daher war das nicht ganz so problematisch wie für die Leute, die halt wirklich fliehen wollten.
00:02:19: Wie gesagt meine Eltern haben den Ausreiseantrag gestellt.
00:02:22: im Vorfeld.
00:02:24: War das natürlich sehr problematische.
00:02:25: also wir hatten schon das eine oder andere mal Besuch von der Stasi.
00:02:31: Ich als Kind habe es natürlich gar nicht so wahrgenommen aber man hat natürlich diese Stimmung einfach mitbekommen.
00:02:37: Also meine Eltern waren super angespannt, natürlich schwangene auch die Angst mit weil das sind so viele Fälle wo ich sage mal Flüchtlinge in Anführungszeichen dann inhaftiert wurden und so weiter und sofort.
00:02:51: und na klar ist es bei meinen Eltern endlich anders gewesen zumal Ja, also wir waren halt drei Kinder die mussten dann alle mit.
00:03:02: Wir hatten ein großes Haus und Tiere so eine Art.
00:03:05: ich sage mal Bauernhof.
00:03:08: ja das war dann schon wirklich ein Stückchen weit schwierig.
00:03:11: was da genau gesprochen worden ist daran kann ich mich tatsächlich nicht erinnern.
00:03:14: Ich war nicht dabei Und meine Eltern haben mir das tatsächlich auch so nicht erzählt.
00:03:20: Es lag vielleicht auch darin dass man noch zu jung war um das wirklich verstehen oder begreifen zu können.
00:03:26: Aber ich weiß, dass das wirklich eine super herausfordernde Situation für die gesamte Familie war.
00:03:31: Und letztendlich wurde unsere Ausreise dann genehmigt.
00:03:35: Besser gesagt als hieß es dann ja also ihr müsst sofort die deutsche demokratische Republik verlassen.
00:03:43: wenn ihr das nicht innerhalb von vierundzwanzig Stunden tut habt ihr keinen... Also passt es nicht mehr gültig und so weiter und sofort.
00:03:51: Und da mussten wir von ein Tag auf dem anderen tatsächlich über die Grenze fahren.
00:03:58: Also man ist so aufgewachsen und hat das auch alles so miterlebt.
00:04:04: Das haben wir dann natürlich gemacht, ich kann mich daran erinnern mein Onkel ist gefahren mit seinem Trabi sind wir über die Grenze und am Grenzübergang.
00:04:12: natürlich wurden wir kontrolliert, sagte mein Onkel dann noch so.
00:04:16: Ich schaffte jetzt einfach nur rüber.
00:04:17: ich komme gleich zurück und sie haben mich nur ausgelacht weil das hat er keiner nicht glaubt.
00:04:20: Alle haben gedacht okay wenn du jetzt rüber gehst in den Westen dann bleibst doch dort tatsächlich... Mein Onkel ist zurückgefahren!
00:04:27: Und hat uns dort gelassen und wir waren dann in einem ja also tatsächlich Flüchtlingslager nennt man das So wie man das heute kennt von Menschen, die aus aller Welt kommen und hier zu Flucht suchen.
00:04:39: So war es damals auch von Ost nach West Und so ist unser Leben dort gestartet.
00:04:46: als Kind Wie gesagt riesiges Abenteuer.
00:04:49: aber ich glaube als Erwachsener oder gerade als meine Eltern Die Verantwortung dafür tragen mussten gar nicht ganz so einfach.
00:04:57: Aber Ich nehme für mich einfach mit dass sich zumindest mir so ein bisschen vorstellen kann, wie das damals gewesen ist.
00:05:05: Ein Stadt nur zu lesen.
00:05:07: also ich glaube das macht auch was einfach für das Leben.
00:05:11: aber tatsächlich muss man ja auch dazu sagen... Also wie wir das auch schon in dem Fall von Kruschka gehört haben die Staatssicherheit war nicht unbedingt ein Organ was die Wahrheit nach außen hat dringen lassen irgendwie.
00:05:26: Das war schon alles ein bisschen sehr Ja, geheimnisvoll.
00:05:29: Und man hat halt das daraus gemacht wie es nach draußen aussehen sollte und nicht wie's tatsächlich war.
00:05:33: Das haben wir in dem Fall mitgekriegt und ich denke dass wird auch ganz genau so stattgefunden haben.
00:05:39: Also das ist halt tatsächlich so.
00:05:41: das Angehörige damals dann keine wahrheitsgemäßen Informationen erhalten haben das haben wir gerade auch bei Kokoschka gehört.
00:05:48: Ich meine wann wurden denn seine Familie erstmal irgendwie Ja, benachrichtigt dass er gestorben ist oder das er erschossen worden ist.
00:05:56: Das hat ja super lange gedauert aber derzeit einfach geschuldet.
00:06:02: Die Trauer selbst wurde auch überwacht und teilweise auch behindert und auch dokumentiert Auch das haben wir gehört.
00:06:11: die Todesumstände wurden verschleiert.
00:06:14: auch dort, wo man gesagt hat er hat eine Waffe gehabt und so weiter und sofort.
00:06:19: Und das ist gar nicht ganz... Also es ist einfach nicht bestätigt worden und das ist schon ein bisschen ja.
00:06:24: also ich finde es sehr schwierig weil man dann doch soweit an der Wahrheit vorbeigeht.
00:06:30: Ja also Familien erfohlen manches erst wirklich nach der Öffnung der Stasiakten und die Opfer verschwanden hinter bürokratischen Formulierungen.
00:06:40: Also dort wirklich durchzusehen, selbst wenn man die Akten einsehen konnte weil dort teilweise auch Sachen weggelassen worden sind oder umformuliert wurden ist es schon äußerst schwierig.
00:06:51: also deshalb ist das so eine Sache.
00:06:52: ich glaube dass dem einen oder anderen hilft das immer in diese Akten reinzuschauen.
00:06:56: Ich glaube ich hätte auch ganz gerne in die Akte meiner Eltern geschaut habe das bis dato aber nie gemacht wäre glaube ich mal eine interessante Sache.
00:07:05: So und dann kommt es natürlich dazu, dass so wie wir das schon gehört haben halt Angehörige häufig verspätet oder unvollständig oder bewusst falsch informiert worden sind.
00:07:16: Teilweise wurden sie lediglich, dass die betreffende Person verstorben war aber auch nicht warum.
00:07:21: Auch das hat mehr im Fall von Kokoschka gehört.
00:07:24: Der genaue Ort der Zeitpunkt der Ablauf des Todes wurden einfach verschwiegen Und die staatliche Gewalt wurde hinter Begriffen Unfall, Grenz zwischen Fall oder Vorkommensverborgen.
00:07:38: Also man hat das schon mit Worten einfach umschrieben was anderes draus gemacht.
00:07:42: Eine wahrheitsgemäße Darstellung hätte ja Fragen nach dem Schusswaffen gebraucht den beteiligten Personen unter staatlichen Verantwortung ausgelöst.
00:07:51: also hat man das dann vielleicht lieber gelassen.
00:07:55: die DDR wollte natürlich verhindern dass Angehörige Widersprüche entdecken Zeugen suchten und sich öffentlich äußerten also alles wirklich unter dem Deckmantelchen der Verschwiegenheit.
00:08:06: Und je weniger der Familie wusste, desto schwieriger war es dann für sie die offizielle Darstellung in Frage zu stellen.
00:08:13: Die mangelnden Informationen waren deshalb häufig ein bewusst eingesetztes Mittel der staatlichen Kontrolle.
00:08:20: Also man sieht das war schon eine wirklich wirklich schwierige Zeit.
00:08:26: So nach dem Tod, wie schon gesagt gerieten häufig auch die Angehörigen unter Beobachtung der Staatssicherheit.
00:08:35: Die Stasi wollte wissen ob die Familie den offiziellen Angaben glaubte oder ob sich das Weifel äußerten.
00:08:42: Beerdigungen und Trauerfeiern konnten überwacht werden.
00:08:47: Es wurde registriert wer an der Beerdigung teilnahm und worüber auch gesprochen worden ist also Privatsphäre gab es anscheinend nicht.
00:08:54: Kontakte zu kirchenwestlichen Journalisten, diplomatischen Stellen oder Verwandten in der Bundesrepublik galten als besonders verdächtig.
00:09:03: Also wenn du wirklich, ich sag mal Familie im Westen hattest und zudem auch einen Kontakt gepflegt hast dann warst du auf jeden Fall auf irgendeiner Liste drauf.
00:09:11: Das wiederum kann ich auch aus eigener Erfahrung sagen weil wir hatten damals natürlich Verwandte im Weste Wir wussten das, oder meine Eltern viel mehr wussten einfach dass sie überwacht wurden.
00:09:25: Das war ganz offensichtlich.
00:09:27: wie gesagt als Kind ist es immer noch ein bisschen was anderes weil man das nicht ganz so fassen kann.
00:09:31: aber ich glaube für die Erwachsenen war das schon eine sehr sehr bedrückende Zeit.
00:09:36: So dann muss man sagen also öffentliche Todesanzeigen und größere Gedenkveranstaltungen konnten verhindert werden.
00:09:44: eine schnelle Einärscherung erschwert, es den Angehörigen mögliche Verletzungen zu erkennen oder untersuchen zu lassen.
00:09:50: Oder halt in Frage zu stellen sieht man auch bei Kokoschka da wurde ja auch eingeärscht damit das alles schön unter dem Deckmendelchen bleibt.
00:09:59: Also der Staat fürchtete sich regelrecht dass aus privater Trauer öffentlicher Protest werden könnte.
00:10:06: also Da war auch ein Stückchen weit Angst damit verbunden weil wenn man was in Frage stellt Dann schließen sich vielleicht mehrere Menschen zusammen und begären auf, einfach weil sie das so nicht haben wollen.
00:10:18: Es gab ja auch zu DDR-Zeiten genug Leute die damit nicht einverstanden waren wie es gelaufen ist Und dann natürlich als großes Thema Die Verschleierung um den Tod selbst.
00:10:29: Das haben wir auch bei Kokoscha gesehen.
00:10:31: Da wurden ja auch ich sag mal verschiedene Version irgendwie getätigt Wie es dann abgelaufen ist.
00:10:37: aber die Wahrheit gab's da nicht wirklich.
00:10:41: Ja, also als einfach Staatssicherheit, Grenztruppenpolizei, Justiz und medizinische Einrichtungen konnten daran beteiligt sein.
00:10:48: Also das war da nicht nur eine einzelne Person sondern wirklich die ganze Gruppe.
00:10:53: Berichte wurden geheimgehalten und als Verschlusssache eingestuft und Beteiligte wurden zum Schweigen verpflichtet.
00:11:01: Aussagen und offizielle Darstellung konnten untereinander abgestimmt werden.
00:11:07: Die staatliche Gewalt verschwand hinter sachlich klingenden Formulierungen.
00:11:11: Auch das haben wir schon gehört, also Angehörige durften den Leichnam teilweise nicht oder nur eingeschränkt sehen.
00:11:17: eine schnelle Einärscherung wie schon erwähnt konnte mögliche Beweise vernichten und unabhängige Untersuchungen waren so gut wie gar nicht möglich wenn staatliche Stellen selbst in dem Fall verwickelt werden.
00:11:29: Also du musst es dann einfach das nehmen was sie dir gegeben haben als Erklärung.
00:11:35: Die Verschleierung sollte beteiligte Mitarbeiter und Vorgesetzten schützen.
00:11:40: Also so hieß es zumindest, sie sollten außerdem verhindern das westliche Medien von dem Todesfall erfuhren weil westliche Medien haben einfach offener berichtet als es in der DDR jemals möglich gewesen war.
00:11:53: also dort hat man auch ganz genau überlegt was geht in die Gepresse um?
00:11:57: was geht halt nicht in die Presse genauso wie man wahrscheinlich schon davon gehört hat.
00:12:00: In der DDR gab es keine Verbrechen Tatsächlich nicht so ist, aber man hat es bewusst nicht durch die Presse laufen lassen.
00:12:09: Ein staatlich verursachter Tod durfte nicht als solcher öffentlich sichtbar werden.
00:12:15: also man hat den Staat um jeden Preis beschützt.
00:12:18: und da mich das vorhin schon erwähnt habe nach dem Ende der DDR konnten Angehörige unter bestimmten Voraussetzungen Einsicht in die Stasiunterlagen beantragen.
00:12:29: Das war für manche Familien begann dadurch erst sehr zehntes später die eigentliche Aufklärung.
00:12:35: In den Akten fanden sich interne Berichte, Beobachtungsprotokolle und dienstliche Anweisungen.
00:12:41: Teilweise erfuhren sie dadurch erstmals welche staatlichen Stellen beteiligt gewesen waren.
00:12:46: Die Dokumenten zeigten die Behörden oder zeigten, dass die Behörden oft mehr wussten als den Familien mitgeteilt worden ist.
00:12:56: Aus den Unterlagen konnte hervorgehen welche Darstellung gegenüber den Angehörigen verwendet werden sollte.
00:13:02: also dort wurde wirklich klar das man bewusst belogen wurde und manche Familien erfohlen dann erst durch die Akten, dass sie nach dem Todesfall weiter überwacht wurden waren Also auch ein bisschen beängstigen, wenn man überlegt okay.
00:13:18: Man hat dann immer so einen Schatten hinter sich gehabt.
00:13:21: Widersprüchliche Aussagen und ungewöhnliche Abläufe konnten im Nachhinein verständlicher werden.
00:13:27: Die Akten lieferten jedoch nicht immer eine vollständige Wahrheit.
00:13:31: Auch das habe ich schon erwähnt.
00:13:32: Manchmal wurde dort ja auch bewusst Informationen reingeschrieben damit es halt einfach eine bessere Außendarstellung hat.
00:13:43: Auch interne Berichte konnten Fehler oder wie gesagt bewusste Falschdarstellungen enthalten und viele Angehörige waren, oder war die Akkeneinsicht gleichzeitig auflehrend aber auch sehr belastend.
00:13:57: Sie erfuhren nicht mehr über den Tod sondern auch dass sie über Jahre oder Jahrzehnte getäuscht worden waren oder halt auch überwacht Und ich glaube das macht schon was mit den Menschen.
00:14:07: Und dann kam es natürlich nicht selten vor, dass Opfer tatsächlich hinter bürokratischen Formulierungen verschwanden.
00:14:15: Das heißt die Behörden verwenden bewusst eine sachlich und unpersönliche Sprache.
00:14:20: Menschen wurden als Personen Grenzverletzer republikflüchtiger Täter oder das ganze als Vorgang bezeichnet.
00:14:28: Ein Fluchtversuch konnte als Grenzprovokation beschrieben werden.
00:14:34: Staatliche Überwachung wurde als operative Bearbeitung bezeichnet.
00:14:38: Das muss man sich echt mal vorstellen, ne?
00:14:40: Gebalt und Tod erschienen lediglich als Vorkommnis oder besonderes Ereignis.
00:14:46: Tja diese Begriffe nahmen den Opfern ihre Persönlichkeit und ihre individuelle Geschichte und das ist halt natürlich... also man hat es einfach runter gespielt des Ganzen und wenn man das heute liest hört oder wie auch immer sehr, also man ist einfach schockiert.
00:15:03: Oder ich bin schockierend wenn ich das höre und lese.
00:15:07: Ja das bedeutet dann halt auch weiterhin.
00:15:09: die Betroffenen erschienen dadurch nicht als Menschen sondern halt als Sicherheitsprobleme.
00:15:13: Das macht es vielleicht einfacher oder zumindest sah man das damals so.
00:15:17: Gleichzeitig wurde die Verantwortung sprachlich verschoben und nicht als Schusswaffengebrauch erschienen des Problemen, sondern der Fluchtversuch des Opfers.
00:15:29: Also dass da jemand geschossen hat das rückte dann einfach in den Hintergrund weil wir haben ja dort einen Republikflüchtigen also nicht mehr verstehen.
00:15:36: es ist immer gespickt mit ein bisschen Ironie irgendwie weil man's gar nicht fassen kann.
00:15:43: die bürokratische Sprache schuf Distanz für die beteiligten Mitarbeiter und die Täuschung konnte als Informationsregelung und Überwachung als Sicherheitsmaßnahme dargestellt werden.
00:15:55: Also man fand für alles eine Entschuldigung oder irgendetwas, was es nicht so schlimm machen würde.
00:16:01: Menschliches Leid verschwand hinter scheinbar neutralen Verwaltungsbegriffen und durch die spätere Aufarbeitung erhielten dann viele Opfer ihren Namen und Geschichten zurück also erst nachdem die DDR zusammengebrochen ist.
00:16:15: Vorher tatsächlich nicht.
00:16:18: Und dann habe ich mir mal gedacht, okay wie ist denn eigentlich so eine Stasiakte aufgebaut worden?
00:16:23: Weil also ich hab dafür keine Vorstellungen.
00:16:25: Ich habe das tatsächlich noch nicht angeschaut.
00:16:27: Ich denke aber viele haben das im Nachhinein gemacht.
00:16:31: Aber für die, die auch genauso wenig darüber wissen wie ich dachte, ich schaue mir das mal an wie es so ja aufgebaut ist und Ja Es gab dann halt nicht die eine typische Stasiakte.
00:16:45: Aufbau- und Inhalt hingen dann davon ab warum sich das MFS mit einer Person Beschäftigte so entscheidend war, ob jemand überwacht wurde.
00:16:56: Als möglicher Gegnergalt als inoffizieller Mitarbeiter geführt wurde, überprüft oder angeworben werden sollte, wenn ein Fluchtversuch oder einem anderen Vorgang verwickelt war.
00:17:07: Es gab da schon die eine oder andere Unterschiede.
00:17:11: Häufige Vorgangsakten waren beispielsweise der operative Vorgank OV, zur langfristigen Bearbeitung und vermeintlich auch tatsächlicher Gegner.
00:17:22: Die operative Personenkontrolle OPK zur Überwachung einer Person der IM-Vorgang zu einem inoffiziellen Mitarbeiter die Untersuchungsakte im Zusammenhang mit einem Ermittlungs oder Strafverfahren verschiedene Beobachtungssicherheits- und Kontrollvergänger.
00:17:44: Tja eine umfangreiche konnte unter anderem enthalten ein Deckplan mit Vorgangsart und Registrierungsnummer, Angaben zur zuständigen Diensteinheit, Angabe zum verantwortlichen MFS-Mitarbeiter und Personalien der beobachtenden Personen.
00:18:02: Begründung für die Eröffnung des Vorgang in ihrer Beobachtungsberichte Berichte in offizieller Mitarbeiter Gesprächsprotokolle Abhörprotokrolle kontrollierte Briefe Fotografien und Lagepläne Maßnahmenpläne, interne Einschätzung zwischen Berichte, Abschlussberichte und Entscheidungen zum Archivierungsvorgang.
00:18:23: So das muss man sich mal überlegen.
00:18:25: ich glaube da war nicht einmal der Müll vor der Haustür sicher.
00:18:28: also wirklich wie in irgendwelchen Agentenfilmen muss man es sich das glaube ich vorstellen.
00:18:33: Es gibt auch genügend Filme die das jetzt dokumentieren oder wo man sich so ein bisschen reinversetzen kann.
00:18:40: Ich sage es ist einfach unfassbar vor der eigenen Haustür, im eigenen Haus, wo auch immer.
00:18:49: Also schon wirklich extrem.
00:18:52: Die Dokumente wurden nicht in erster Linie gesammelt um später einen neutralen historischen Bericht zu bilden.
00:18:59: also das auf gar keinen Fall.
00:19:00: Sie entstanden als Arbeitsmaterial einer Geheimpolizei.
00:19:05: Das MFS wollte damit Personen erfassen über Wachen einschätzen und gegebenenfalls gegen sie vorgehen.
00:19:12: Deshalb konzentrierten sich die Unterlagen häufig auf vermeintlich verdächtiges Verhalten.
00:19:17: Private oder alltägliche Informationen wurden vor allem dann aufgehoben, wenn sie für eine Überwachung Nutzbeerschieden.
00:19:25: Eine Akte zeigt häufig nicht das gesamte Leben eines Menschen sondern einen Ausschnitt, für den sich die Stadtsicherheit dann interessierte.
00:19:35: Tja, eine Person kann zudem in mehreren Akten vorkommen.
00:19:39: In einer eigenen Personenakte zum Beispiel, in Berichten eines IM, in den Akten von Freunden oder Angehörigen.
00:19:47: also ich glaube man musste damals auch aufpassen wer ist dein Freund und wer ist sein Feind?
00:19:51: vielleicht war das manchmal auch ein und dasselbe man weiß es nicht genau Oder in Beobachtungsberichten in Unterlagen verschiedener MFS-Dienststellen Und um einen Fall vollständig zu untersuchen, reicht daher häufig eine einzige Akte nicht wirklich aus.
00:20:08: Ergänzende Unterlagen können sich in anderen Vorgängen, Karteien oder Beständen befinden.
00:20:14: Also das muss man sich dann überlegen wenn man tatsächlich sagt man möchte Einsicht nehmen.
00:20:19: Vielleicht wäre das auch für diesen Podcast ganz gut.
00:20:21: Das muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen Sich mal eine solche Akte anzuschauen.
00:20:27: Wir haben ja die Akte von mir selber anschauen, die es sicherlich gegeben hat auch als Kind irgendwo.
00:20:33: Weil man wurde ja sicherlich überwacht wenn man wusste die Eltern wollen ausreisen.
00:20:38: Das wäre vielleicht mal eine ganz interessante Sache.
00:20:40: Darüber muss ich tatsächlich in Ruhe mal nachdenken aber vielleicht mache ich dazu auch nochmal ne Folge Was natürlich auch eine supermöglichkeit wird.
00:20:48: also wenn es einen von euch da draußen gibt der sagt Boah!
00:20:51: Ich habe nen spannenden Fall was die DDR und statt Sicherheit usw.
00:20:57: sofort zu erzählen, bleibt dann gerne auf Insta einfach schreiben so dass wir vielleicht mal schauen kann, vielleicht kann man darüber einfach mal ins Gespräch kommen weil das ist schon interessant wenn man ein paar mehr beteiligte Leute hat die einem aus erster Hand oder vielleicht von den Eltern Großeltern oder wie auch immer was erzählen können.
00:21:20: also wer etwas hat gerne gerne schreiben Um das Ganze auch nicht so weit auszuweiten, weil ich glaube man könnte da bis ins kleinste Detail darüber berichten wie eine Akte aussehen konnte was uns im Endeffekt dann gar nicht viel bringt.
00:21:40: Ja, wir können es das glaube ich nicht gut vorstellen oder ich kann mir das nicht gut vorstellen.
00:21:43: Das muss man dann halt tatsächlich sehen.
00:21:45: aber vielleicht ist noch ganz interessant zu sagen wie die interne Sprache des MFS entschlüsselt wird?
00:21:52: Das ist vielleicht auch ein ganz interessantes Thema.
00:21:57: Das MFS verwendete seine eigene Verwaltungspolizei ungeheim wie ins Sprache und dazu gehörten dann Abkürzungen, festgelegte Vorgangsbezeichnungen, militärische Begriffe, politische Wertung, Tarnbegriffe.
00:22:12: Decknahmen und scheinbar neutrale bürokratische Formulierung.
00:22:16: also nichts ist wirklich so wie es schien.
00:22:20: Diese Sprache diente zu mehreren Zwecken einmal halt.
00:22:23: die Arbeitsabläufe sollten vereinheitlicht werden Personen und Vorgänge sollten kategorisiert werden Und die Geheimhaltung und Abschottung sollten gewährleistet bleiben.
00:22:34: Staatliche Maßnahmen konnten dann sachlich und harmlos erscheinen.
00:22:38: Betroffene wurden sprachlich zu Objekten der Bearbeitung.
00:22:43: Tja, Begriffe dürfen deshalb nicht immer nach ihren heutigen oder alltagstägigen Bedeutungen verstanden werden.
00:22:50: also man muss das Ganze hinterfragen.
00:22:53: Hier mal ein Beispiel.
00:22:55: Bearbeitungs konnte die intensive Überwachung und Bekämpfung einer Person bedeuten oder aber Zersetzung Bezeichnete Maßnahmen, die Beziehungen ansehen selbstvertrauen oder berufliche Möglichkeiten eines Menschen beschädigen sollten.
00:23:11: Dann habe ich tatsächlich noch gefunden konspirative Wohnung – das war eine Wohnung, die für geheime Treffen oder andere verdeckte Tätigkeiten genutzt worden ist ebenso wie feindlich negative Personen.
00:23:24: Damit war dann gemeint, dass eine Person eine politische Einstufung aus der Sicht der MFS sollte damit dargestellt werden oder der Begriff Abschöpfung bedeutet das gezielte Gewinne von Informationen in einem Gespräch abgeschöpft wurden.
00:23:44: In Anführungszeichen ist es natürlich zu sehen ebenso wie operative Bearbeitung, konnte Beobachtung, Kontrolle den Einsatz von IM oder anderen Maßnahmen umfassen.
00:23:57: Also man hört schon ja die Wörter klangen anders als das was sie meinten.
00:24:03: also gleichzeitig ist es super interessant und spannend aber auch ja schon sehr erschreckend.
00:24:12: Zur Entschlustung werden dann verschiedene Hilfsmittel herangezogen, also interne Richtlinien und Dienstanweisungen des MFS.
00:24:20: Abkürzungsverzeichnis, Wörterbücher zur Staatssicherheit, Organisationspläne und Verzeichnisse der Hauptabteilung und Diensteinheiten.
00:24:30: Also wenn man sogar für diese Geheimsprache ein eigenes Wörtherbuch hat, weiß man glaube ich auch schon Bescheid.
00:24:35: Und da muss man natürlich sagen, wenn man so eine Akten liest mit Wörtern die eigentlich einen ganz anderen Sinn machen ist dann die Frage okay wie lese ich das denn wichtig?
00:24:44: Also man muss dazu sagen also die Rekonstruktion ähneln eher des Zusammensätzen eines Puzzles würde ich meinen.
00:24:51: Kein einzelnes Dokument enthält zwingend den vollständigen Ablauf Und zunächst werden alle aufeindbaren Unterlagen zu einer Person oder einem Ereignis zusammengetragen.
00:25:02: Nur so kannst du dir dann einen guten Überblick verschaffen, wie gesagt alles Theorie habe ich noch nie selbst ausprobiert aber sehr interessant und darüber wird nicht nur nach dem Namen gesucht sondern auch nach ja verschiedenen Schreibweisen frühere Name Geburtsdaten Decknamen Registrierungsnummern Aktenzeichen Anschriften Beteiligte Personen Orte oder auch zuständige Diensteinheiten.
00:25:29: Also ich nehme tatsächlich an, dass es dann wirklich einer großen Recherche einfach bedarf um für sich selbst gerade wenn man so ungeklärte Sachen hat die man rausfinden möchte Ja, dann so ein vollständiges und ich sage mal annähernd richtiges Bild zu bekommen.
00:25:46: Ich denke auch dabei werden Fehler entstehen weil man das einfach nicht mehr so übersetzen kann wie es vielleicht damals wirklich gemeint war.
00:25:52: Das ist ja nun auch schon paar Jahre her.
00:25:54: Das darf man ja auch nicht vergessen!
00:25:56: Also ich denke, dass alles zusammen macht so einen kleinen Einblick wie das damals ungefähr ablieft.
00:26:04: Ich bin halt der Meinung man könnte damit wahrscheinlich wirklich eine ganze Staffel füllen und es gibt dann auch viel mehr interessante Sachen.
00:26:11: also ich kann mir tatsächlich gut vorstellen wenn sich für mich nochmal ein neuer Fall auftut den ich vielleicht durch Zufall entdecke wo ich sage so boah darüber können wir noch mal gehen dann werde ich denen für euch aufarbeiten um nochmal als eigene Folge machen Weil es einfach auch zur Geschichte dazugehört.
00:26:26: Aber ganz klar muss man sagen, also nicht jeder Ablauf kann vollständig rekonstruiert werden.
00:26:32: Einfach weil fehlende Seiten zerstörte Akten oder widersprüchliche Aussagen ja können eine eindeutige Antwort verhindern.
00:26:41: Eine seriöse Aufarbeitung unterscheidet deshalb zwischen eindeutlich belegten Tatsachen und wahrscheinlich zutreffenden Abläufen.
00:26:49: Aussagen einzelner Beteiligten vermuten und nicht mehr überprüfbaren Behauptungen, die Rekonstruktion.
00:26:56: soll kein geschlossenes Bild erzwingen.
00:26:59: Wenn die Quellen keine eindeutige Antwort erlauben, muss diese Unsicherheit einfach bestehen bleiben.
00:27:04: Gerade bei den Stasiunterlagen ist es wichtig nicht die Vermutung der Staatssicherheit nachträglich als historische Wahrheit zu übernehmen.
00:27:13: Also ich glaube da muss man auch so ein bisschen vertrauen was vielleicht die Familie berichtet anstatt das zu glauben was in den Akten tatsächlich vermerkt ist.
00:27:22: Ich denke, das ist ganz wichtig.
00:27:24: Mit diesen Worten würde ich sagen schließlich das Thema Staatssicherheit tatsächlich für heute ab.
00:27:34: und beende die Folge hinter der Geschichte.
00:27:38: Ich hoffe, das war das eine oder andere Interessante dabei.
00:27:40: für mich war es definitiv also das einfach zu recherchieren weil man muss sich hervorstellen dass ich bin ja kein Lexikon was einfach nur aus runter bietet sondern ich schaue mir das auch an und gehe nochmal in Details weiß vielleicht so oberflächlich Bescheid.
00:27:53: aber man denkt dann Okay, darüber möchte ich noch ein bisschen mehr wissen und dieses Wissen versuche ich dann einfach mit euch zu teilen.
00:28:00: So ist zumindest erstmal die kleinere Mittwochsfolge hinter der Geschichte-Folge aufgeteilt.
00:28:06: wie gesagt wenn ihr interessante Geschichten habt oder einfach mal Anmerkungen fragen oder wie auch immer gern über Instagram dort findet ihr unter was Unterstrich bleibt und das Strich Podcast tatsächlich die Instagram Seite dort sind zu den Hauptfällen, manchmal auch zu den Nebenfällen.
00:28:26: Je nachdem was ich halt finde Zeitungsartikel, Foto oder auch mal einen kleinen Film je nach dem was ich woher bekomme und dann könnt ihr euch das auch anschauen anschauen und kommentieren was auch immer gerne natürlich den Podcast bewerten vielleicht ein kleines Like da lassen oder ja ich bin auch für Kritik offen falls es irgendwas gibt was man anders hätte machen können oder generell anders machen sollte.
00:28:51: auch das nehme ich gerne an Und in dem Sinne würde ich sagen vielen, vielen Dank fürs Zuhören.
00:28:58: Ich wünsche euch eine entspannte Woche und wir hören uns dann zur nächsten großen Sonntagsfolge wieder.
00:29:06: und bis dahin bleibt gesund machts gut!
00:29:09: Tschüss.
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